• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 07:15 Uhr Interview
StartseiteWirtschaft am MittagIm Schnitt 4,9 Millionen verdient14.03.2016

Dax-UnternehmenIm Schnitt 4,9 Millionen verdient

Was verdient der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens? Die Unternehmensberatung Towers Watson hat die bislang veröffentlichten Zahlen zusammengetragen und Zusammenhänge dargelegt. Denn die Millionen-Gehälter sind zum Teil an die Gewinne der Unternehmen gekoppelt - aber nur zum Teil.

Von Michael Braun

Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche sitzt im neuen S-Cabriolet  (Imago/Jan Huebner)
Mit 9,7 Millionen Euro belegt er Platz eins: Dieter Zetsche, Konzernchef von Daimler (Imago/Jan Huebner)

4,9 Millionen Euro hat im vorigen Jahr der Vorstandsvorsitzende eines der 30 DAX-Unternehmen verdient, ein Prozent mehr als im Jahr zuvor, aber sogar etwas weniger als 2011. Das liegt daran, dass diese Gehälter an die Gewinnentwicklung der Unternehmen angepasst sind. Das funktioniere ganz gut, mein Helmuth Uder, Berater für Vergütungssysteme bei Willis Towers Watson:

"So, wie die Gewinne nach oben gehen, geht die Vergütung nach oben. Und entsprechend auch nach unten."

Im Zweifel stehen die Gehälter aber doch ein bisschen besser als die Gewinne dar: Während die in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 0,3 Prozent gesunken sind, sind die Gehälter der Vorstandschefs im gleichen Zeitraum um zwei Prozent jährlich gestiegen. In Europa bekommen die Vorstandschefs im Schnitt eine Million Euro mehr als in Deutschland, in Amerika das Vierfache des hiesigen Niveaus.

Noch fehlen die Zahlen von neun Dax-Unternehmen

Aber auch hierzulande gibt es Unterschiede. Das niedrigste Chefgehalt des vorigen Jahres lag bei 2,3 Millionen Euro, das höchste, das Dieter Zetsche von Daimler kassierte, bei 9,7 Millionen Euro. Timotheus Höttges von der Telekom bezog mit 4,9 Millionen Euro ein Durchschnittsgehalt. Das Bild kann sich noch ein wenig, aber nicht mehr grundlegend ändern, wenn auch die noch fehlenden neun DAX-Unternehmen ihre Zahlen berichtet haben, darunter auch VW.

Bleiben wird aber, dass manche einen vorsichtigen Zusammenhang von Gewinn und Gehalt pflegen, BASF etwa: Der Chemiekonzern steht auf Rang fünf der Gewinn-Liste. Kurt Bock als BASF-Vorstand rangiert aber nur auf Rang 14 der Vergütung. Umgekehrt ist es etwa bei Merck und Beiersdorf. Dort wird deutlich mehr gezahlt als die Gewinne vermuten lassen. Das seien eben stark von Familien beeinflusste Unternehmen, die ließen sich nicht reinreden, heißt es aus der Beraterbranche. Auch BMW zählt zu dieser Gruppe. Immerhin erwartet der Aufsichtsrat auch, dass die Gehaltsspanne im Unternehmen, sagen wir: zwischen Pförtner und Vorstand, im Vergütungssystem berücksichtigt wird. Die Spanne werde tendenziell kleiner, meint Uder:

"Es ist eher so, dass der Druck der über die Tarifabschlüsse entsteht, partiell auf den unteren Ebenen im Mehrjahresvergleich mehr Anpassung stattgefunden hat als auf Top-Managementebene."

Dennoch liegen Welten zwischen oben und unten: Der Einstiegslohn in der Metallindustrie liegt bei rund 30.000 Euro jährlich. Dieter Zetsche verdiente mit 9,7 Millionen gut 300 Mal so viel.

Neue Vergütungssysteme entstehen

Gerade in der Autoindustrie und auch in der Energiebranche entstehen derzeit völlig neue Vergütungssysteme. In den Branchen also, die, wie die Stromversorger, ihr klassisches Geschäftsmodell verloren haben, oder die, wie die Autohersteller, Angst davor haben angesichts der Konkurrenz von Google & Co. Da werden Manager in neuen Tochtergesellschaften auf die Suche nach neuen Ideen geschickt, mit relativ wenig Gehalt, aber hohen Verdienst- und Beteiligungschancen, wenn die Idee trägt.

"Die Menschen, die in solche ausgegliederten Gesellschaften gehen, haben eine ganz andere Anreizlogik. Die motivieren Sie nicht über Auto oder Nebenleistungen oder Altersversorgung. Die glauben an den Geschäftserfolg, wollen an dem Geschäftserfolg partizipieren und dafür auch Geld sehen, wenn der Geschäftserfolg sich auch tatsächlich einstellt. Da reden Sie nicht mehr über Nebenleistungen, Vergütung, Essenszuschüsse. Das ist völlig irrelevant."

Um ein Gefühl für die Relation zu bekommen, nennt Uder zwei Zahlen: Ein Festgehalt von 700.000 Euro jährlich. Abe die Chance auf 60 Millionen in vier Jahren.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk