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StartseiteKultur heuteDebatte ohne Ende29.06.2008

Debatte ohne Ende

Kölns Oberbürgermeister lehnt Entwurf für Haus der jüdischen Kultur ab

Seit mehr als 30 Jahren steht eine Umgestaltung des Kölner Rathausplatz in der Domstadt zur Debatte. Etwa halb so lang dauert inzwischen auch die Diskussion, ebendort ein Haus der jüdischen Kultur zu errichten. Und sie wird wohl noch weiter gehen, nachdem Oberbürgermeister Fritz Schramma den Siegerentwurf des jüngsten Architektenwettbewerbs abgelehnt hat.

Moderation: Michael Köhler

Fritz Schramma (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Köln  (AP)
Fritz Schramma (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Köln (AP)

Michael Köhler: In der Domstadt Köln, da gibt es einen prämierten Entwurf für ein Haus und Museum der jüdischen Kultur auf einem innerstädtischen, historischen Platz. Die Reaktionen der politischen Gremien darauf sind allerdings vorsichtig gesagt unterschiedlich. Es hat von außen ein wenig den Eindruck, als würde da kulturpolitisch wieder einmal etwas verzögert. Aber der Reihe nach. Andreas Rossmann, Kulturkorrespondent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", was ist das für ein historischer Ort?

Andreas Rossmann: Es geht um den Kölner Rathausplatz, einerseits eine Kriegswunde, weil auch hier fast alles zerstört wurde. Andererseits ein Brennpunkt der kölnischen Geschichte, weil hier, als der Römische Statthalterpalast für die Provinz Niedergermanien auch für die fränkische Teilkönige ausgedient hatte, im vierten Jahrhundert bereits die Besiedlung durch Juden freigegeben wurde. In diesem Bereich wird im zwölften Jahrhundert auch erstmals das Haus der Bürger, das Rathaus genannt, das nach den Pogromen von 1349 und 1424 dann noch mal erweitert wurde. Wie im Querschnitt lässt sich hier die Kölner Geschichte eigentlich ablesen von den Römern übers Mittelalter, Renaissance bis in die Moderne und in die Nachkriegszeit hinein.

Köhler: Nun hat ein Architekturbüro aus Saarbrücken den Preis gewonnen, das mit dem Wiederaufbau, der Errichtung von jüdischen Gedenkstätten viel Erfahrung in Dresden und anderswo. Es gibt doch einen prämierten Entwurf. Warum wird denn jetzt nicht einfach gebaut?

Rossmann: Ja, so schnell geht es hier beileibe nicht. Es geht nämlich schon sehr lange um diesen Platz. Schon seit 1971 gibt es Wettbewerbe und Workshop-Verfahren zu der Frage: Sollen wir diesen Platz wieder bebauen und wenn ja, wie, also eventuell auch mit dem mittelalterlichen Straßengrundriss, oder sollen wir ihn neu gestalten? Allein der Kölner Architekt Joachim Schürmann hat drei dieser Wettbewerbe, alle drei gewonnen. Und auch interessante Vorschläge dazu gab es, den Platz freizulassen und unter Berücksichtigung der Funde und auch des Grundmusters, das man ja auf dem Platz auch projizieren könnte, den Platz neu zu gestalten. Der Platz ist heute eigentlich immer noch ein Platz, der keine große Aufenthaltsqualität, wie das so schön heißt, hat. Er ist zu groß, er ist ungestaltet, er ist provisorisch irgendwie, er ist auch abschüssig zum Rhein hin. Man musste also was tun. 1989 hat man eine Glaspyramide aufgestellt, durch die man die Mikwe, also das jüdische Kultbad, das darunter zu sehen ist, besichtigen kann. Und daneben gibt es aber auch noch die alte Synagoge, daneben gibt es andere jüdische Gebäude. Und das will man jetzt in einer archäologischen Zone erschließen.

Köhler: Verstehe ich recht, wenn es einen Konflikt gibt, und ich habe so einige Stimmen gesehen, gelesen, gehört, die sagen, Haus der Kultur, gar keine Frage, möchten wir gerne haben. Auf jeden Fall soll das was errichtet haben, aber nicht zu groß. Es soll nicht in Konkurrenz zu den übrigen Gebäuden stehen. Will man da jetzt ein bisschen zurückrudern? Denn da steht ja auch das Wallraff-Richartz-Museum, das soll in seiner Bedeutung nicht geschmälert werden. Ist das die eigentliche Konfliktlinie?

Rossmann: Das ist vielleicht eine eher subkutane Konfliktlinie. Die andere, die offen zutage liegt, ist das Doppelprojekt. Man will einerseits diese archäologische Zone realisieren, andererseits ein Haus der jüdischen Kultur errichten. Das Problem ist nun, dass diese beiden Projekte zwei verschiedene Bauherren hat. Die archäologische Zone wird durch die Stadt Köln realisiert, und zwar mit Mitteln der Regionale 2010, einer Strukturfördermaßnahme des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Haus der jüdischen Kultur soll von einer Fördergesellschaft realisiert werden, die sich dafür schon seit 1997 engagiert und die aber bisher eigentlich nicht den Nachweis erbracht hat, dass sie dieses Haus bei Kosten von knapp 15 Millionen Euro wirklich auch finanzieren kann. Das heißt in der Praxis, dass man die archäologische Zone getrennt von dem Haus anlegen muss, das dann vielleicht später dazukommt oder vielleicht eben auch nicht.

Köhler: Der Stadtkonservator und andere haben so ein bisschen Bedenken, dass es vielleicht, das ist meine Deutung, zu groß werden könnte. Ist das auch Ihre Wahrnehmung?

Rossmann: Ja, die Diskussion, die wir jetzt haben, geht genau darum. Da heißt es eigentlich ziemlich plakativ: Der preisgekrönte Entwurf des Saarbrücker Büros Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch ist kolossal, er ist klobig, er ist zu groß. Nun gut, es gibt ein Raumprogramm für dieses Projekt. Und der ist natürlich groß, und er ist aber etwa nicht größer und vor allem auch nicht höher, sondern niedriger als das Wallraff-Richartz-Museum daneben, und er fasst diesen Raum sehr weitgehend ein. Und der Oberbürgermeister, der ja nicht zuletzt für den Konflikt jetzt gesorgt hat, weil er zunächst - so entnehme ich das der Lokalpresse - dankbar und froh darüber war, dass endlich eine Lösung für diesen Platz, einen historischen Platz, so sagte er wörtlich, wie es ihn in dieser Konstellation nördlich der Alpen kein zweites Mal gibt, dass endlich eine Lösung gefunden ist dafür, hat keine zwei Wochen später Bedenken geäußert. Er hat sich diametral entgegengesetzt geäußert und gesagt, dass das Museum den vorhandenen Raum vollständig ausfüllt und die Fassade sowohl des Rathauses als auch das Wallraff-Richartz-Museums verdecke. Beide diese Ansichten können ihm nicht erst nach eingehendem Studium des Entwurfs gekommen sein. Das liegt eigentlich auf der Hand. Nur gibt es einen Ratsbeschluss für dieses Projekt, der umgesetzt werden muss. Man kann jetzt dahinter eigentlich nicht zurückgehen. Denn der Ruf, die Bürger stärker zu beteiligen, den finde ich nun wirklich geradezu rhetorisch, wenn man bedenkt, dass um diesen Platz schon seit mehr als 30 Jahren diskutiert wird.

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