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StartseiteInformationen am MittagPassive Supermacht USA14.09.2015

Debatte um FlüchtlingePassive Supermacht USA

Militärisch sind die USA längst in Syrien aktiv, doch bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland hält sich Washington bislang zurück. Im nächsten Jahr sollen mindestens 10.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen werden, kündigte Präsident Barack Obama an. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Hilfsorganisationen fordern.

Von Martin Ganslmeier

Blick auf die Freiheitsstatue in New York (deutschlandradio.de / Daniela Kurz)
Blick auf die Freiheitsstatue in New York (deutschlandradio.de / Daniela Kurz)
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Die amerikanischen Medien berichten derzeit täglich aus Deutschland. Immer wieder kommen syrische Flüchtlinge zu Wort, die sich durch Ungarn quälen, bis sie glücklich in Deutschland ankommen: in ihrem gelobten Land. In den Kommentaren der US-Presse überwiegen Respekt und Anerkennung für die enorme Hilfsbereitschaft der Deutschen. Für den landesweit bekannten Kolumnisten der Washington Post, Fareed Zakaria, beweist Deutschland erneut, dass es aus seiner Vergangenheit gelernt hat. Zakaria, der selbst aus Indien stammt, kommt zum Fazit: "Das moderne Deutschland ist das beeindruckendste Beispiel dafür, dass sich Völker und Kulturen ändern können."

Auch einer der einflussreichsten demokratischen Außenpolitiker im US-Senat, Chris Murphy, lobt die mutige Entschlossenheit der Deutschen. Amerika dagegen reagiere zu passiv, so Murphy im Sender NBC: "Deutschland wird 800.000 aufnehmen und die USA nur 1500. Wenn wir im Nahen Osten glaubwürdig sein wollen, dann müssen wir als Partner wahrgenommen werden, der mithilft, diese humanitäre Krise zu bewältigen."

Zugeständnis von Obama

Im kommenden Jahr will US-Präsident Obama immerhin mindestens 10.000 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Zu wenig, meinen humanitäre Organisationen. Zu viel, kritisieren die Republikaner. Präsidentschaftsbewerber Ben Carson warnte auf ABC: Gerade bei Asylbewerbern aus dem Nahen Osten müssten die strengen Sicherheitsüberprüfungen eingehalten werden: "Jetzt Leute aus dem Nahen Osten aufzunehmen, ist besonders gefährlich. Wir können nicht unsere eigene Bevölkerung Risiken aussetzen, nur um politisch korrekt zu sein."

Tatsächlich dauern die strengen Sicherheitschecks für Asylbewerber aus dem Nahen Osten oder Afrika eineinhalb bis zwei Jahre. Die Bundespolizei FBI und das Ministerium für Heimatschutz schicken sogar eigene Leute in alle Kontinente, um dort die Asylbewerber auf Sicherheitsrisiken hin zu überprüfen. Auch deshalb tut sich Obama schwer, die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien deutlicher anzuheben. "Zunächst geht es um unsere eigene nationale Sicherheit", mahnte der Vorsitzende im Heimatschutz-Ausschuss des US-Senats, der Republikaner Ron Johnson: "Wir müssen alle Einzelpersonen genau überprüfen, bevor wir sie aufnehmen. Und wenn die Flüchtlinge jetzt alle nach Europa kommen, haben sie es viel leichter, nach Amerika zu reisen."

Furcht vor Terroristen

Geheimdienst-Direktor James Clapper gestand kürzlich bei einer Kongressanhörung, der Exodus syrischer Flüchtlinge nach Europa bereite ihm enorme Sorgen. Es müsse damit gerechnet werden, dass der Islamische Staat die unübersichtliche Lage ausnutze, um Schläfer nach Europa und in die USA einzuschleusen. Angst ist ein schlechter Ratgeber, meint dagegen der linke Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders: "Die Welt muss antworten. Und die USA muss daran beteiligt sein."

Viel zitiert wird in den USA derzeit auch die Inschrift an der Freiheitsstatue in New York:

"Gebt mir Eure Müden,(Wikimedia)Inschrift in der Freiheitsstatue "The New Colossus" (Wikimedia)
Eure Armen, Eure geknechteten Massen,
die frei atmen wollen...
Sende sie, die Heimatlosen,
vom Sturm Gestoßenen, zu mir".

Über 130 Jahre alt, aber immer noch aktuell.

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