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StartseiteCampus & KarriereDen Vorteil elektronischer Fachzeitschriften nutzen28.02.2005

Den Vorteil elektronischer Fachzeitschriften nutzen

Digital Peer Publishing NRW soll wissenschaftlichen Austausch beschleunigen

<strong>Nordrhein-Westfalen fördert als erstes Bundesland elektronische Fachzeitschriften. Digital Peer Publishing NRW nennt sich die Initiative, die den wissenschaftlichen Austausch beschleunigen will. Da bislang bis zur Veröffentlichung eines Aufsatzes in einer Fachzeitschrift mehrere Jahre vergehen konnten, waren Forschungsergebnisse zum Teil schon überholt. Mehr Aktualität, aber auch geringere Kosten und eine gesteigerte Reichweite sind weitere Vorteile, die für die Initiative sprechen. </strong>

Von Christina Schaffrath

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen durch die elektronischen Fachzeitungen schneller verbreitet werden (AP)
Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen durch die elektronischen Fachzeitungen schneller verbreitet werden (AP)
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Zeitenblicke
Digital Peer Publishing NRW

Mehrere Jahre kann es dauern, bis ein Aufsatz in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift erscheint. Für manche Forschungszweige ist dies einfach zu langsam. Die Ergebnisse können bei der Veröffentlichung schon überholt sein. Mit der Initiative Digital Peer Publishing NRW soll der wissenschaftlichen Austausch beschleunigt werden. Für Professor Dieter Stein, von der Universität Düsseldorf, einen der Mitinitiatoren von DIPP NRW, gibt es aber auch weitere Gründe für die Initiative:

Die vielleicht wichtigste Motivation war die Tatsache, dass die Universitäten, zum Beispiel die Düsseldorfer Universitäts- und Landesbibliothek Zeitschriften im Wert von 1,5 Millionen Euro abbestellen musste, das Land hat immer sehr viel weniger Geld, die Zeitschriften werden immer teurer, da klafft die Schere auseinander, die Literaturversorgung in der Wissenschaft ist ernsthaft gefährdet.

Die Elektronischen Fachzeitschriften von DIPP könnten hierbei Abhilfe schaffen. Denn sie sind dem Open Access verpflichtet. Das heißt: Jeder hat jederzeit freien Zugang auf die wissenschaftlichen Ergebnisse – ohne Gebühren entrichten zu müssen. Die Qualität der Beiträge wird selbstverständlich garantiert: Alle Artikel werden vor der Veröffentlichung mindestens zwei Gutachtern vorgelegt. Und, die E-Journals ermöglichen noch etwas:

Sie haben auch den Vorteil, dass sie echt global wirksam sind, ich habe mal gesagt, also innerhalb von ich weiß nicht fünf Minuten hat das der letzte Bauer in China auf dem Bildschirm und auch der Kollege in Köln, soweit sie das beide wollen, eine solche Reichweite und eine Schnelligkeit der Reichweite, haben die traditionellen Zeitschriften mit Sicherheit nie gehabt, das sind ganz entscheidende Vorteile.

Eine der von DIPP NRW geförderten Zeitschriften ist Zeitenblicke, eine historische Zeitschrift, die bereits seit 2002 erscheint. Sie ist wissenschaftliche genauso seriös wie ihre gedruckte Konkurrenz. Doktor Michael Kaiser, der geschäftsführende Redakteur an der Universität Köln, verweist auf den üblichen wissenschaftlichen Apparat und Fußnoten. Hinzu kommt der Vorteil, dass umfassendes Quellenmaterial zugänglich gemacht werden kann:

Was das innovative Potenzial angeht, haben wir natürlich die Möglichkeit in diesem Medium, Bilder zu veröffentliche, Tondokumente zu veröffentlichen, wir können ganz umfängliche Quellen präsentieren, all das macht auch hier den Reiz aus und das schafft auch neue Perspektiven. Das haben wir sehr gerne, das auch hier tatsächlich neues Material der Forschung zur Verfügung gestellt wird.

Die online erscheinenden wissenschaftlichen Aufsätze werden durch das Hochschulbibliothekszentrum NRW archiviert. Dies garantiert die Nachhaltigkeit – die Forschungsergebnisse können nicht irgendwo im Netz verloren gehen. So schreiben inzwischen immer mehr renommierte Wissenschaftler für die Zeitenblicke – ein Zeichen für die Akzeptanz des neuen Mediums. Doch auch jungen Wissenschaftler bieten sich hier neue Möglichkeiten:

Wenn man als junger Wissenschaftler publizieren will und muss, dann nützt es einem wenig, wenn der eigene Beitrag zwei drei Jahre irgendwo zur Begutachtung in Gremien vorliegt, umso schöner ist es, wenn man den Beitrag einreichen kann und dieser Beitrag nach einem review Prozess, nach drei, vier Monaten womöglich schon im Netz erscheint und aktuell in eine Diskussion eingreifen kann.

Denn für Forscher sind Publikationen das A und O ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Aber sie sind nicht immer leicht unterzubringen. Georgios Chatzoudis promoviert in Köln im Fach Geschichte und kennt die langen und schwierigen Wege bis zur Veröffentlichung:

Auf meine Anfrage hin habe ich die Antwort bekommen, man wäre daran interessiert, man kann jetzt nicht versprechen, ob es veröffentlicht wird, und wann das jetzt tatsächlich ist, ob ich jetzt letztendlich schon den Zeitpunkt überschritten habe ob das Jahr 2005 jetzt schon vorbei ist, kann ich so nicht genau sagen. Es in jedem Fall immer eine sehr langwierige Angelegenheit, oft muss man die Sachen noch mal redigieren, noch mal überarbeiten, dann passt das wieder nicht, es ist schon ein sehr mühsames Handwerk muss man einfach sagen.

Die neuen elektronischen Zeitschriften bieten die Möglichkeit, in den unterschiedlichsten Fachbereichen Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Das Spektrum reicht von Sprachwissenschaften über Fertigungstechnik bis hin zu Versicherungswissenschaften. Jetzt müssen sich die meisten aber erst einmal entwickeln und etablieren. Das Land NRW stellt die dazu nötigen finanziellen Mittel. Denn, darauf weist Doktor Michael Kaiser hin, eines darf man nicht vergessen:

Wir sind dem Prinzip des Open Access verpflichtet, insofern sind wir umsonst zu haben, das bedeutet nicht, das unser System umsonst funktioniert, auch wir haben entsprechende Kosten in der Produktion, die auch nicht zu unterschätzen sind. Wir dürfen diese Kostenseite nicht vernachlässigen, unsere Projekte brauchen Geld, das muss man ganz deutlich so sagen.

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