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Der alte Indiana: Harrison Ford wird 70

Von Jörg Albrecht

70 Jahre und kaum ein graues Haar: Harrison Ford
70 Jahre und kaum ein graues Haar: Harrison Ford (picture alliance / dpa / Daniel Deme)

Als Han Solo und Indiana Jones hat er Filmgeschichte geschrieben und wurde zum Superstar: In über 30 Filmen spielte Harrison Ford die Hauptrolle. Weltweit haben diese Filme mehr als vier Milliarden Euro eingespielt. Ein Star, der gar keiner sein will, feiert heute seinen 70. Geburtstag.

"My luck is holding, I'm nominated in a category where the competition is dead."

Sein Glück halte an. Er sei nominiert in einer Kategorie, in der es keine Konkurrenz gibt. Harrison Ford in seiner Dankesrede bei den Golden Globes im Jahr 2002. Ford gewinnt den Ehrenpreis, den Cecil B. DeMille Award. Wieder einmal ist es eine Auszeichnung für sein Lebenswerk, nicht aber die Würdigung einer bestimmten Rolle, die er gespielt hat. Denn obwohl Harrison Ford einer der größten Hollywoodstars der letzten 40 Jahre ist - an die Schauspielkunst eines Robert De Niro, Al Pacino oder Jack Nicholson ist er in seiner Karriere nur selten herangekommen. Aber Ford besitzt das, was nur wenige haben: Er hat Starqualitäten. Und die beweist er gleich in seiner ersten Hauptrolle.

Harrison Ford ist der schlitzohrige Schmuggler Han Solo, der als Pilot angeheuert wird und gefährliche Abenteuer in den Weiten des Weltraums bestehen muss - Seite an Seite mit dem von Sir Alec Guiness gespielten Jedi Obi-Wan Kenobi und dem heute längst vergessenen Mark Hamill alias Luke Skywalker.

"Sie glauben wohl nicht an die Macht. - Junge, ich bin von einem Ende dieser Galaxis zur anderen geflogen und habe allerhand seltsames Zeug gesehen, aber noch nie etwas, das mich überzeugt hat, dass es eine allmächtige Macht gibt, die alles beherrschen kann."

Dabei ist die Macht 1977, als "Star Wars" in die Kinos kommt, definitiv mit Harrison Ford. Zehn Jahre nach kleinen, unbedeutenden Film- und Fernsehrollen kennt ihn plötzlich jeder. Zehn Jahre, in denen Ford die meiste Zeit frustriert gewesen ist über die Filmangebote, die man ihm gemacht hat. Nicht zuletzt um Geld zu verdienen, hängt er die Schauspielerei immer wieder an den Nagel und arbeitet unter anderem hinter der Bühne für die Band The Doors. Vor allem aber ist er als Zimmermann tätig. Dem Musiker Sérgio Mendes baut er ein Tonstudio, George Lucas Wandschränke in dessen Haus ein.

"Zunächst einmal: Um dieses Handwerk zu erlernen, hat es lange, harte Arbeit gebraucht. Als Zimmermann habe ich gelernt, wie ich über die Dinge denken muss. Das habe ich bei der Schauspielerei genauso anwenden können. Zum Beispiel erst ein Fundament zu schaffen, um sich nach oben vorzuarbeiten. Eins baut auf dem anderen auf."

George Lucas wird es auch sein, der ihm das Angebot macht Han Solo zu spielen - auf Empfehlung von Casting-Direktor Fred Roos, der schon vier Jahre vorher dem Schauspieler eine Nebenrolle in "American Graffiti" besorgt hat - ebenfalls gedreht von George Lucas.

"Was gibt´s denn da zu sehen? Wer ist das - kennst du den?"

Noch kennt ihn so wie gut keiner - den Schauspieler in der aufgemotzten Karre, der zum Straßenrennen herausfordert.

"Jetzt mach dich auf was gefasst, du Muttersöhnchen! - Willst du nicht erst mal ein paar andere Rennen gewinnen, bevor du dich mit mir anlegst? Dann komm wieder und ich verrate dir ein paar Tricks. ..."

George Lucas erinnert sich, dass er nicht sonderlich von Fred Roos' Idee begeistert war, Harrison Ford erneut zu besetzen. Als ihm später auch noch Steven Spielberg vorschlug, die Rolle von Indiana Jones Ford zu geben, sei er sich sicher gewesen, nicht denselben Schauspieler in gleich dreien seiner Filme haben zu wollen.

Doch wie jeder weiß, wurde George Lucas seinen Prinzipien ein weiteres Mal untreu. Und Harrison Ford hatte das Glück, dass Lucas´ und Spielbergs erste Wahl für die Titelrolle - der Schauspieler Tom Selleck - vertraglich an die Fernsehserie "Magnum" gebunden war.

"Dr. Jones, wir haben sehr viel von Ihnen gehört. - Haben Sie? - Professor der Archäologie, Okkultismus-Experte und - wie kann man das wohl nennen? - Beschaffer seltener Antiquitäten. - So kann man es auch nennen. ..."

Die Rolle des Archäologen Dr. Henry Jones - genannt Indy - sorgt für einen weiteren Popularitätsschub. Mit Fedora auf dem Kopf und Peitsche in der Hand jagt Indy unter Einsatz seines Lebens nach verschollenen Reliquien wie der Bundeslade und dem Heiligen Gral. Die Kinogänger sind begeistert.

"Ich hab´s geschafft. ... Weißt du, wie lange ich danach gesucht habe?"

Nicht gesucht hat dagegen Indy-Darsteller Ford nach dem, was der Ruhm ebenfalls mit sich bringt: Er wird immer mehr zur öffentlichen Person. Eine Situation, die der stille, zurückhaltende, immer bescheiden auftretende Schauspieler gar nicht schätzt.

"Ich glaube, die Leute haben gar nicht so viel Interesse an der Person. Du kannst ihr Interesse wecken, wenn du etwas zu verkaufen hast. Ich will nicht berühmt sein, nur um berühmt zu sein. Ich bin eine Privatperson und habe kein Interesse daran, Werbung für mich selbst zu machen."

Seine besten Leistungen zeigt Ford in zwei Filmen des Australiers Peter Weir - zum einen als Polizist in "Der einzige Zeuge", der ihm eine Oscarnominierung einbringt, zum anderen als Aussteiger in "Mosquito Coast". Doch ein wirklicher Charakterdarsteller ist aus Ford bis heute nicht geworden. Dass es dafür aber auch mit 70 nicht zu spät ist, belegt eindrucksvoll die Karriere von Clint Eastwood. Zumal Ford, wie er selbst sagt, keine Probleme mit dem Älterwerden habe. Er akzeptiere die Natur und somit auch das Altern.

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