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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenDer animalische Geist02.08.2012

Der animalische Geist

Schwerpunktthema: Unterschied zwischen Mensch und Tier

Wissenschaftlich ist bewiesen, dass der Mensch vom Tier abstammt. Doch viel stärker beschäftigt die Wissenschaft, welche Unterschiede es gibt. Einige Philosophen versuchen diese Frage gemeinsam mit Biologen und Evolutionsforschern zu beantworten.

Von Martin Hubert

Die Neandertaler sind die engsten Verwandten des modernen Menschen. (PLoS)
Die Neandertaler sind die engsten Verwandten des modernen Menschen. (PLoS)

Eine Krähe sitzt auf dem Rand eines Behälters und schaut aufgeregt hinein. Tief unten im Behälter steht ein kleiner Eimer, in dem Futter liegt. Der Eimer hat einen Henkel, aber der ist außer Reichweite. Nach einiger Zeit entdeckt der Vogel einen Draht, der auf dem Boden neben dem Behälter liegt. Er schnappt ihn sich und biegt eine seiner Seiten mit dem Schnabel geduldig zu einem Haken. Damit zieht er den Futtereimer elegant zu sich nach oben.

Immer mehr Tiere verblüffen in den letzten Jahren mit solchen erstaunlichen Fähigkeiten die Forscher. Am bekanntesten ist wohl, dass Menschenaffen wie Schimpansen oder Bonobos Werkzeuge nutzen oder herstellen. Zum Beispiel schneiden sie kleine Äste in die richtige Länge, um Ameisen aus Löchern herauszupulen oder Nüsse auszuschälen. Ein Schimpanse pustete kürzlich bei einem Versuch so lange Wasser mit dem Mund in ein Glas, bis eine darin liegende Erdnuss so weit oben schwamm, dass er sie greifen konnte. Offenbar verfügen Menschenaffen über eine Art instrumenteller Rationalität: über eine Intelligenz, die es ihnen erlaubt, Mittel einzusetzen, um bestimmte Zwecke zu erreichen.

Aber auch Krähen und Raben nutzen haken- und sägeartige Zweige, um an Maden in Bäumen heranzukommen. Ähnliche Fähigkeiten findet man bei Fischen und anderen Tieren. Besonders erstaunte die Forscher in einem Experiment ein Buschhäher: Er suchte aus mehreren Steinen einen kleinen Stein heraus, der exakt durch eine Röhre passte und an ihrem Ende auf eine Klappe fiel. Die öffnete einen Behälter, in dem ein größerer Stein lag. Den brauchte der Vogel um die Klappe in einer zweiten Röhre zu öffnen, in der Futter auf ihn wartete. Der kleine Stein war das Mittel, um an den größeren Stein heranzukommen. Der wiederum diente als Mittel für den Endzweck: um das Futter zu erreichen. Ein zweistufiger Prozess.

"Das können die Buschhäher also leisten und das ist doch schon ein starker Indikator für kausales Verstehen."

Ist damit die alte Vorstellung nicht endgültig widerlegt, dass Tiere geistlose, rein von ihrem Instinkt getriebene Wesen sind? Muss sie nicht durch die Idee ersetzt werden, dass auch Tiere Geist besitzen? Der Bochumer Philosoph Albert Newen ist zwar davon überzeugt, dass Tiere mehr sind als maschinenartige Instinktwesen. Er warnt aber auch davor, nun den Unterschied zwischen Tier und Mensch allzu schnell einzuebnen.

"Wir können nicht einfach davon ausgehen, dass wir die menschlichen Erfahrungen und die menschliche Perspektive einfach auf die Tiere übertragen können. Das führt schnell zur Überinterpretation, aber andererseits gibt es dabei auch eine Gefahr, nämlich dass man den Tieren in ihren Kompetenzen gar nicht gerecht wird. Also man muss sich quasi durchlavieren zwischen einerseits der Skylla, dass man zu sehr die menschliche Perspektive den Tieren aufoktroyiert und der Charybdis, dass man Dinge übersieht, die den Tieren gemäß sind, nur weil wir die richtigen Tests nicht machen."

Unter dieser Devise versuchen Philosophen und Biologen heute, den Geist der Tiere so differenziert und unvoreingenommen wie möglich zu begreifen. In Bezug auf instrumentelle Rationalität, auf das Mittel-Zweck-Denken, scheinen die Tiere nachweislich hochgradige Fähigkeiten zu besitzen. Wie aber steht es mit der so genannten symbolischen Rationalität, mit der Fähigkeit, Sprache zu benutzen? Lange Zeit hieß es, dass hier eine radikale Kluft zwischen Mensch und Tier bestehe, gerade auch zu den nächstverwandten Menschenaffen. Eine Übertreibung meint Albert Newen

"Weil man eine menschliche Perspektive angelegt hat, hat man lange übersehen, dass Affen zwar nicht sprechen können, aber man ihnen doch ein erstaunliches Symbolverstehen antrainieren kann und dieses dann überprüfen kann."

Einige berühmt gewordene Schimpansen und Bonobos lernten so, über Gesten und Tastatursymbole mit Menschen zu kommunizieren. Sie verwendeten dann Wörter für Dinge, Handlungen, Bewertungen, Gefühle, Personen oder auch logisch abstrakte Beziehungen. Zum Beispiel: "Banane" "erschrecken", "dumm" "Ich, Du" oder "Wenn-dann". Allerdings wurden diese Tiere eben speziell trainiert und belohnt oder lebten zumindest wie der Bonobo Kanzi mit Menschen zusammen. Die Frage ist jedoch, ob Affen auch von selbst eine natürliche Sprache entwickeln, in denen Laute symbolisch für bestimmte Inhalte stehen.

Eine Studie an grazilen Affen in Ostafrika, den Grünen Meerkatzen, schien das bereits vor vielen Jahren belegt zu haben. Denn die Meerkatzen gaben bellartige, sogenannte Barklaute von sich, wenn sich ein Leopard gefährlich näherte. Die Affen sprangen dann zu ihrem Schutz auf Bäume. Näherte sich eine Schlange, gaben sie einen anderen Alarmruf von sich.

Daraufhin stellten sich die Tiere auf ihre Hinterbeine und versuchten die Schlange zu vertreiben.

Die Laute der Meerkatzen bezogen sich offenbar eindeutig auf bestimmte Objekte: neben den Lauten für Leoparden und Schlangen gab es auch noch einen speziellen Laut für Adler. Es sah auch so aus, dass die jungen Tiere die Bedeutung der Laute allmählich immer besser lernten. Die erwachsenen Tiere reagierten nämlich nur dann auf deren Rufe, wenn auch tatsächlich ein Leopard oder eine Schlange zu sehen war. Damit schienen diese Signale die Definition sprachlicher Symbole zu erfüllen: Lauten wird innerhalb einer Gruppe durch den gemeinsamen Gebrauch eine bestimmte Bedeutung zugewiesen. Manche Wissenschaftler sprachen daher in Bezug auf Grüne Meerkatzen von "symbolischem Wortgebrauch".

"Das scheint doch nicht ganz so klar zu sein. "

Die Göttinger Ethologin Julia Fischer hat die Lautäußerungen der Grünen Meerkatzen neu untersucht. Sie sichtete kritisch das Lautmaterial der frühen Meerkatzenstudien und studiert selbst seit einigen Jahren eine ähnliche Meerkatzenart in Westafrika. Beide Male stieß ihr Team bei den Tieren neben den Leoparden-und Schlangenrufen häufig auf eigenartige Zwitscherlaute .

"Das sind eher so beunruhigende Laute, die unspezifisch sind. Also immer wenn sie beunruhigt sind gewissermaßen, kommt ein Zwitscherlaut. Und die Spezifizität kommt dann eher erst, wenn sie gewissermaßen sich entschieden haben, was sie jetzt als Nächstes machen: bei Schlangen ist das ja so, dass sie da hingehen, und versuchen die Schlange zu vertreiben, dass dann eher so diese spezifischeren Laute kommen. Und bei den "Bark-Lauten", das ist sicherlich eher, wenn sie etwas sehr gefährlich finden, also auch eher ein Ausdruck von großer Aufgeregtheit und großem Entsetzen."

Für Julia Fischer stehen die Laute der Grünen Meerkatzen nicht so eindeutig für Leoparden oder Schlangen, wie es die frühere Studie nahe legte. Die Tiere, die die Laute produzieren, tun das eher aus emotionalen Gründen: Sie drücken ihre Aufregung aus. Bei ihnen kann Julia Fischer daher noch keinen wirklichen Symbolgebrauch erkennen. Anders bei den Tieren, die die Rufe hören. In einem Experiment zeigte Julia Fischer eine halbe Stunde, bevor sie den Meerkatzen ihre eigenen Laute vorspielte, Modellattrappen von Leoparden oder Schlangen.

"Und dann sehen wir, dass sie das dann gewissermaßen "sagen": "Oh, ich habe vorhin einen Leoparden gesehen, jetzt kommt ein unspezifischer Laut, das muss wegen des Leoparden sein". Und dann gehen sie eben hoch in die Bäume und bleiben auch sehr lange und regen sich sehr doll auf. Also man sieht gewissermaßen: die Zuhörer sind durchaus intelligent und flexibel und verarbeiten Informationen aus verschiedenen Quellen und da ist auch die Kontinuität, da unterscheidet es sich nicht fundamental von dem, wie vielleicht Menschen bestimmte Signale verarbeiten."

Menschen beziehen Laute oder andere Signale auf den Kontext, in dem sie auftreten und rekonstruieren daraus ihre Bedeutung. Wenn Meerkatzen Laute hören, handeln sie ähnlich. Als Hörende beziehen sie den Laut auf eine Gesamtsituation, sie handeln aber insgesamt keine fixe Bedeutung für den Laut aus. Die Studien zu den Grünen Meerkatzen sind ein gutes Beispiel dafür, wie differenziert der Übergang von tierischen zu menschlichen geistigen Leistungen zu sehen ist. Die Laute der Grünen Meerkatzen sind weit mehr als nur angeborenen Reflexe oder instinkthafte Äußerungen. Aber sie sind auch nicht mehr als Vorformen einer wirklichen Symbolsprache.

Mit solchen Lautfolgen testen Forscher, ob Tiere auch über einen zweiten Aspekt von Sprache verfügen: den der syntaktischen Gliederung. Können Tiere komplexe Lautfolgen erkennen und regelhaft ordnen?So wie Menschen zum Beispiel Nebensätze in Hauptsätze einbauen?

Zwei Studien legen inzwischen nahe, dass europäische Stare und bengalische Finken komplexere Lautstrukturen erkennen können. Der an der Universität Wien lehrende amerikanische Evolutionsbiologie Tecumseh Fitch meint jedoch nach jahrelanger Forschung: Die Strukturierungsfähigkeit von Tieren ist letztlich sehr begrenzt.

"In der menschlichen Sprache, Musik oder Kunst gibt es weitreichende baumartige Strukturen. Wir nehmen Teile und bauen sie in ein größeres Ganzes ein, dieses dann in ein noch größeres Ganzes und das wieder in ein neues Ganzes und so weiter und so fort. Bei den Tierarten, mit denen ich bisher gearbeitet habe, scheint es nicht der Fall zu sein, dass so ein gewaltiger Drang, hierarchisches Strukturen in Reizen ausfindig zu machen existiert. Das trifft auf Schimpansen genau so zu wie auf intelligente Papageien und Tauben."

Wenn aber Tiere nur Vorformen der menschlichen Sprache besitzen - können sie dann überhaupt begrifflich denken? Können sie ohne Worte Sinneserfahrungen sinnvoll ordnen und zu neuen Einheiten zusammenfassen?

Der Philosoph Colin Allen von der Indiana Universität in Bloomington, USA, beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Kognition von Tieren. Für ihn existieren zumindest Ansätze des begrifflichen Denkens, jedenfalls dann, wenn man es folgendermaßen definiert: Jemand ist in der Lage, das, was er bisher als gegeben angenommen hat, neu zu bedenken, weil er auf einen Konflikt oder Widerspruch gestoßen ist.

"Ich bin davon überzeugt, dass Tiere eine Überraschungsreaktion zeigen, wenn etwas nicht ihren Erwartungen entspricht. Ich war kürzlich an einer Studie beteiligt, die untersuchte wie gut grüne Meerkatzen sich individuell an ihren Alarmrufen erkennen können. Dabei spielten wir einem Tier in schneller Abfolge den Ruf eines anderen Tieres vor. Nur ein paar Sekunden später spielten wir dann den Ruf desselben oder eines anderen Tieres von der entgegengesetzten Seite aus vor. Das Tier wurde nur aufmerksam und schaute nur in die Richtung des zweiten Rufes, wenn er vom selben Tier stammte. Es gab ja einen Widerspruch, einen Konflikt: Schließlich konnte der Rufer nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein. Das Tier musste also hinschauen, um heraus zu bekommen, was da los war. Das zeugt auf jeden Fall davon, dass diese Tiere nicht nur passiv auf Laute reagieren, sondern dass sie aktiv nach Informationen suchen."

Der Widerspruch zwischen zwei sinnlichen Reizen scheint in dem Tier etwas bewegt zu haben. Colin Allen sieht hier sogar erste Ansätze von Bewusstsein und von dem Vermögen, Wahres und Falsches voneinander zu unterscheiden. Allen:

"Begriffe und Bewusstsein sind gewissermaßen zwei Seiten der gleichen Münze. Die Fähigkeit, eine Diskrepanz in Informationen aufzuspüren, lässt sich auch verstehen als Fähigkeit, anzunehmen, dass etwas, was in einer bestimmten Art und Weise erscheint, in Wirklichkeit auch ganz anders sein könnte."

Raben nutzen das zum Beispiel auch gezielt gegenüber Anderen, wenn sie Futter verstecken: Bemerken sie, dass Artgenossen in der Nähe sind, während sie es zum ersten Mal versteckten, verstecken sie es anschließend neu, um es sicher für sich zu haben.

Auch Tiere, die täuschen, operieren mit dem Unterschied zwischen Erscheinung und Wirklichkeit. Etwa Vögel, die so tun, als sei ihr Flügel gebrochen, um die Aufmerksamkeit eines Raubfeinds vom bedrohten Nest weg auf sich zu lenken. Der Bochumer Philosoph Albert Newen denkt in die gleiche Richtung wie Colin Allen und hat gezielt das Begriffsvermögen eines berühmten Tieres analysiert.

Die amerikanische Tierpsychologin Irene Pepperberg im Dialog mit dem Graupapagei Alex, der inzwischen tot ist. Pepperberg fragt Alex, wie viel Schlüssel sie in der Hand hält. Der Papagei antwortet richtig mit "Zwei." Sie fragt, worin sie sich unterscheiden. Alex antwortet richtig mit "Farbe".

Vor allem Farbwörter meint Albert Newen, verwendete Alex tatsächlich in einem streng definierten Sinn wie Begriffe.

"Der Begriff von "Rot" verlangt, dass man viele Dinge als rot erkennt, nicht nur den roten Ball, sondern auch die rote Puppe, den roten Stuhl, den roten Tisch. Und dass man, wenn man jetzt auf den roten Ball schaut, andererseits nicht nur die Eigenschaft "rot" detektiert, sondern auch die Eigenschaft rund zu sein und meinetwegen aus Holz zu sein oder aus Plastik. Diese Unterscheidungsfähigkeiten, also dieselbe Eigenschaft, rot zu sein bei vielen Dingen und bei ein und demselben Objekt, nämlich rund sein versus rot sein - das ist sozusagen eine Grundvoraussetzung, um über Begriffe zu verfügen."

Zu beidem war Alex in der Lage. Er konnte die Farbkategorie auch auf neue Situationen übertragen, sie also generalisieren. Und er erfüllte noch ein dritte Bedingung dafür, dass etwas als Begriff anzusehen ist: Er verfügte über ein Netz verschiedener Begriffe und unterschied sie klar voneinander.

"Wir müssen also meinetwegen rot, gelb, grün unterscheiden können und dann ist ein hinreichendes Kriterium zu sagen, diese einzelnen Farben als Ausprägung werden der Kategorie "Farbe" im Unterschied zur Kategorie "Form" zugeordnet. Bei Alex kann man das also prüfen, wenn man ihm zwei Objekte zeigt, die beide rot sind, aber das eine ist rund um das andere ist viereckig, das eine aus Holz, was andere aus Glas und fragt: "Was ist gleich? Dann antwortet er mit "Farbe". Er kann also rot, gelb und blau als der Kategorie"Farbe" zugehörig einordnen und das ist auf jeden Fall hinreichend, um zu sagen, er hat einen Begriff von Rot und er hat einen Begriff von Gelb."

Hat der sprechende Papagei Alex damit schon den Sprung zu einem menschenähnlichen Geist geschafft? Für Albert Newen bleibt ein wichtiger Unterschied.

"Wenn sie jetzt die Entwicklung von Kleinkindern betrachten, dann gibt es da eine Unterscheidung von wahrnehmungsbasierten Begriffen und theoriebasierten Begriffen. Kleinkinder lernen, den Begriff der Insel zunächst so, dass sie damit verbinden die Eigenschaft: Sonne, Sand, Strand, Muscheln, Palmen und ein bisschen Wasser. Aber erst mit sieben bis neun Jahren sehen sie, dass Insel ein Stück Land ist, das von Wasser umschlossen ist, dann erst verstehen sie ein definitorisches Kriterium. Diese Art von Verständnis finden wir im Tierreich nicht. Also wahrnehmungsbasierte Begriffe beobachten wir am Beispiel von Alex, auch bei den Schimpansen lässt sich das finden, aber es fehlt dieser Schritt zu einer wahrnehmungsunabhängigen, theoriebasierten Dimension."

Bei Tieren lassen sich also Vorformen von fast allen geistigen Fähigkeiten finden, insoweit sie auf Wahrnehmungen bezogen sind: auf wahrnehmbare Farben, Objekte, Mengen, Formen, auf Futter und andere Tiere. Aber sie verselbstständigen die dabei angewendeten Fähigkeiten eben nicht zu einer eigenständigen geistigen Welt. Sie besitzen Begriffe, um Wahrnehmungen zu sortieren, aber sie arbeiten nicht selbst wieder mit Begriffen, Regeln, Beziehungen und abstrakten Symbolen oder mit den Kategorien von wahr und falsch. Menschenaffen, sagt der amerikanische Forscher Michael Tomasello, können zwar zum Teil die Absichten ihrer Artgenossen lesen. Aber sie vereinen ihre Absichten nicht untereinander, um immer neue und bessere Begriffe, Symbole, Regeln oder gar Institutionen zu schaffen. Wobei die Distanz zwischen tierischem und menschlichem Geist von Tierart zu Tierart unterschiedlich groß ist. Das, meint Albert Newen müsse in Zukunft stärker berücksichtigt werden, indem man sich auf sogenannte Profilvergleiche konzentriert.

"Wir sollten aufhören, nach diesem Merkmal zu suchen, dass die anthropologische Grenze hergibt, dieses eine Merkmal gibt es nicht. Wir können aber fruchtbar etwas das kognitive Profil von Vögeln mit dem kognitiven Profil von Menschen vergleichen. Was wir dazu machen sollten, ist Basisfähigkeiten wie Objekterkennen, räumliche Orientierung, grobes Verstehen von Anzahlen, auch soziale Signale zu erfassen, miteinander zu vergleichen. Welche Fähigkeiten finden wir dort? Und dann können wir dasselbe auch bei komplexen Fähigkeiten machen wie Kausalität, vorausschauendes Denken oder auch Vorstellungsvermögen. Natürlich wird es manchmal schwieriger, das auch zu testen, aber die Grundidee ist: Für all diese verschiedenen Fähigkeiten können wir jeweils die Ausprägung zeigen und dann gibt es bei einer bestimmten Vogelart eben bestimmte besonders interessante Leistungsstärken und beim Affen gibt es andere Leistungsspitzen und beim Menschen gibt es erstaunlicherweise eben dann sehr viele Leistungsspitzen und das zeichnet uns tatsächlich aus."

Literatur:
Julia Fischer:
Affengesellschaft, Berlin 2012

Albert Newen:
Das Verhältnis von Mensch und Tier, in: Spektrum der Wissenschaft, April 2011
Michael Tomasello:
Warum wir kooperieren, Berlin 2010

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