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Der Beginn der Finanzkrise - 1982

21. November 1982. Aus der "Themen der Zeit"-Sendung: "Die große Schuldenkrise" von Dieter Kampe.

Während des letzten Jahres sind die Banken plötzlich auf die Titelseiten der Zeitungen gerückt. Man spricht über sie und fragt, wie sicher die Finanzmärkte der Welt eigentlich sind. Die monatelange Unfähigkeit, den zahlungsunfähigen Elektrokonzern AEG wieder auf die Beine zu stellen, die spektakulären Verluste im Polen-Geschäft und die Unsicherheit vieler Dritte-Welt-Kredite lösen Besorgnis aus.

"Wenn Sie Ihrer Bank 100 Mark schulden, dann haben Sie ein Problem", formulierte einmal der nun schon legendäre Wirtschaftstheoretiker John Maynard Keynes und fuhr fort: "Wenn Sie Ihrer Bank jedoch eine Million schulden, dann hat die Bank ein Problem." Die aktuellen Entwicklungen haben leider dazu geführt, dass wir diesen netten Aphorismus heute fortschreiben können. Wenn nämlich ein Land einer Bank mehrere Hundert Millionen Mark schuldet, dann haben alle ein Problem. Das Schuldnerland, die Gläubigerbank, die anderen Banken und zu guter Letzt auch die Sparer. Sollte das Schuldnerland nämlich nicht in der Lage sein, den dreistelligen Millionenkredit zurückzuzahlen, dann kämpft die betreffende Bank um ihre Existenz, reißt leicht andere Banken mit in den Strudel der Finanzkrise und gefährdet dann die Spareinlagen auch der Kleinanleger – sofern diese nicht schon vorher durch Kontenplünderung den völligen Zusammenbruch des Kapitalmarktes bewirkt haben.

Jahrelang steuerten westdeutsche Banken einen Expansionskurs. Neue Märkte, neue Geschäftsverbindungen, neue Kreditinteressenten galt es zu finden und zu binden. Im letzten Jahr wurde das Steuer herumgerissen. Das Ziel heißt jetzt: Sicherung der Gewinne, bessere Grundkapitalausstattung und mehr Sicherheit!

Sendezeichen aus 50 Jahren DLF
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