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StartseiteEuropa heuteDer Blick der Anderen12.09.2013

Der Blick der Anderen

BBC diskutiert in einer Sondersendung aus Berlin Erwartungen an Deutschland nach der Wahl

Das Ergebnis der deutschen Bundestagswahl wird auch in Europa mit Spannung erwartet, noch ist die Krise um den Euro längst nicht beigelegt. Deutschlands Stimme hat dabei großes Gewicht. Ob die Stimme noch lauter zu hören sein sollte, darüber diskutierte die britische BBC gestern - in Berlin.

Von Stefan Maas

Das BBC-Fernsehen sendete gestern live aus Berlin. (picture alliance / dpa - Andy Rain)
Das BBC-Fernsehen sendete gestern live aus Berlin. (picture alliance / dpa - Andy Rain)

"Sollte Deutschland sich in der Syrienkrise mehr engagieren? Profitieren alle Deutschen vom Erfolg der deutschen Wirtschaft? Was kann die Welt von Deutschland lernen?"

Eine Stunde Zeit hat BBC-Moderator Ross Atkins, um seinen Gästen Antworten auf diese Fragen zu entlocken. Im dunkelblauen Anzug und mit türkiser Krawatte steht er im Zentrum eines mehrreihigen Stuhlkreises im Innenhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Um ihn herum: sein Publikum. Seine Experten. Denn bei "World have your say" darf sich jeder zu Wort melden. Natürlich sind viele der Gäste ausgewählt. Professoren, Politiker, Journalisten, Wirtschaftsleute und Studenten. Deutsche und ausländische, die hier leben. Dann aber haben sie alle die gleiche Chance, zu sagen, was sie bewegt. Fragen und Kommentare erreichen den Moderator live. Manche BBC-Zuschauer haben im Vorfeld Videobotschaften geschickt. Aus aller Welt. Denn die blickt auf Deutschland. Das wird hier schnell klar.

"I am disappointed…"

Er sei enttäuscht gewesen, dass Deutschland sich einer Militäroffensive gegen Assad nicht habe anschließen wollen, sagt ein Mann, der seine Botschaft aus dem Libanon geschickt hat. Er respektiere zwar die Entscheidung, hoffe aber, dass Deutschland andere Wege finde, der Opposition gegen den Diktator zu helfen.
Aber sollte sich Deutschland überhaupt international mehr engagieren?

"Germany should take a more active role…"

Ja, findet eine junge Lettin, die in Deutschland studiert. Ja, aber nicht zwangsläufig militärisch. Es gebe sicher andere Wege. Diplomatische.

"No."

Nein, sagt ein Deutscher, der in Dubai arbeitet. Der deutschen Wirtschaft tue diese Neutralität gut. Gerade im arabischen Raum. Deutschland müsse bei solchen Einsätzen auch seine Interessen im Blick haben, findet ein anderer. Genau das aber kommt im Ausland nicht immer gut an.
Deutschland sei heuchlerisch, schreibt ein junger Kanadier im Netz, Merkel scheue keine Kosten und Mühen, Banken in Griechenland zu helfen, aber tue nichts, wenn in Syrien Tausende sterben würden. Deutschland engagiere sich eher in Europa als in der Welt. Denn in Europa fühlen die Deutschen sich wohl. Und auch mit dem Euro. Das wird klar, als einer im Saal die Abschaffung des Euro fordert.

"We should get out of the Euro…"

Auf die Frage, wer im Publikum den Euro loswerden wolle, gehen lediglich drei Hände in die Höhe.
Das Verhältnis zu Europa und der Welt, das habe ihn am meisten überrascht. Stellt Moderator Ross Atkins nach der Sendung fest:

"Mir scheint es, dass Deutschland noch nicht bereit dafür ist, diese Führungsrolle in der Welt einzunehmen. Und viele Leute im Publikum haben gesagt: Wir können das in Europa machen. Da haben wir Einfluss. Damit sind wir einverstanden. Aber wir sind nicht bereit, diese Rolle auf der Weltbühne zu spielen … Das ist faszinierend. Da gibt es eine Kluft zwischen dem, was die Welt will - und was die Deutschen wollen."

Schon vorher hat er etwas gesagt, was jedem Briten noch vor gar nicht allzu langer Zeit niemals über die Lippen gekommen wäre.

"Every Briton sees Germany as the perfekt role model."

Deutschland als perfektes Vorbild. Nicht nur für die Briten. Das ist die große Botschaft, der vielen kleinen Botschaften, die während der Sendung den Moderator auf seinen iPad erreichen.
Dient Deutschland als Rollenvorbild, dann tut es Angela Merkel erst recht. Das verstehen vor allem einige junge Frauen im Publikum überhaupt nicht. Sie habe nichts für die Frauen getan, die Familienpolitik sei aus dem letzten Jahrhundert. Sie als schwarze Frau würde die Kanzlerin auch nicht wählen, erklärt eine Britin, die in Berlin lebt. Die Kanzlerin habe immerhin den Multikulturalismus für tot erklärt.

"I wouldn’t have voted for her…”"

Eine deutsche Innenansicht auf die Kanzlerin. Deren Bild im Ausland: ungetrübt.

""I do respect Angela Merkel…"

Für sie als konservative Frau sei Merkel ein Vorbild, erklärt eine junge Jordanierin per Video. Und dann zeigt sich, wie genau das Ausland auf unsere Kanzlerin schaut:

"I really liked the necklace…"

Also die Kette, die sie beim Kanzlerduell getragen habe, die habe ihr richtig gut gefallen. Über die habe im Netz wirklich jeder gesprochen.

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