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Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteForschung aktuellDer Diesel-Pilz aus Patagonien05.11.2008

Der Diesel-Pilz aus Patagonien

Südamerikanische Pilzart produziert explosives Gas

Biologie. - Biodiesel aus Pflanzen könnte ein Kraftstoff der Zukunft sein. Allerdings ist seine Herstellung recht kompliziert. Im Regenwald von Südamerika gibt es aber einen Organismus, der einen Diesel-ähnlichen Stoff aus Pflanzenmaterial direkt herstellen kann. Gefunden hat den Pilz ein Mikrobiologe aus den USA.

Von Michael Böddeker

Bevor Pilz-Diesel aus der Zapfsäule kommen könnte, ist noch viel Forschungsarbeit nötig. (AP)
Bevor Pilz-Diesel aus der Zapfsäule kommen könnte, ist noch viel Forschungsarbeit nötig. (AP)

Eigentlich hatte der Mikrobiologe Gary Strobel im Dschungel von Patagonien nach etwas anderem gesucht. Pilze, die in Bäumen leben, können antibiotisch wirksame Gase absondern. Strobel glaubte zunächst, einen solchen Pilz entdeckt zu haben. Die große Überraschung kam erst später, im Labor:

"Als wir die Zusammensetzung des Gases untersucht haben, das der Pilz absondert, waren wir sehr überrascht. Wir haben darin viele Kohlenwasserstoffe gefunden, die es auch im Dieselkraftstoff gibt. Die Mischung ist explosiv."

Gliocladium roseum heißt der Pilz, der diese explosive Mischung erzeugt. Als sogenannter Endophyt lebt er natürlicherweise - von außen nicht sichtbar - innerhalb einer Pflanze, nämlich in der Chilenischen Scheinulme. Im Labor dagegen kultivierte Strobel den Pilz auf unterschiedlichen Nährmedien. Dadurch fand er heraus, welche Ausgangsmaterialien der Pilz in Kraftstoff verwandeln kann. Hafermehl mag der Pilz besonders gerne, aber auch Zellulose kann er verarbeiten. Gary Strobel:

"Und das ist gerade das Spannende an der Entdeckung. Zellulose ist das häufigste organische Material der Welt. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen entstehen viele, viele Tonnen Zellulose, die bislang nicht genutzt werden."

Denn genutzt wird in der Regel nur der Teil der Pflanze, der dem Menschen als Nahrung dient - etwa das Korn des Getreides. Zellulose aber befindet sich in allen Zellwänden, und damit überall in der Pflanze. Der von Strobel entdeckte Pilz nimmt die Zellulose auf, und sondert flüchtige Stoffe als Gas ab. Wenn man diese dann isoliert, hat man einen Diesel-ähnlichen Kraftstoff.

Zwar gibt es andere Ansätze zur Gewinnung von Kraftstoff. Hefepilze können Zucker zu Alkohol vergären, zum Beispiel zu Ethanol. Diese Methode ist Strobel zufolge aber weit weniger effizient.

"Das Problem bei Ethanol ist, dass es weniger Energie enthält als ein vergleichbarer Kohlenwasserstoff wie Ethan. Ethan ist explosiv. Es steckt also in diesem von Pilzen erzeugten Diesel pro Molekül viel mehr Energie."

Allerdings ist die Gesamtmenge an "Pilz-Diesel" relativ gering. Im Regenwald wird es daher auch kaum zu Explosionen kommen. Zudem lässt sich der Pilz aus dem Urwald noch nicht so gut handhaben wie Hefepilze oder Bakterien, die schon seit langem biotechnologisch erforscht und eingesetzt werden.

"Der Pilz produziert nicht genug Treibstoff. Man kann ihn nicht einfach nehmen, auf einen Haufen Holz setzen, und ein paar Tage später hat man dann etwas, das man in den Tank füllen kann", "

sagt Gary Strobels Sohn, Scott Strobel. Er untersucht an der Universität in Yale die Gene des Pilzes, und möchte die Effizienz der Umwandlung erhöhen.

" "Das geht, indem man die Gene des Pilzes ankurbelt. Oder man überträgt die Gene in einen anderen Organismus, der sich besser handhaben lässt, wie in das Bakterium Escherichia coli oder in Hefe."

Der Pilz aus Patagonien könnte die Menschheit also eines Tages etwas unabhängiger vom Erdöl machen. Doch auch woher dieses Erdöl überhaupt stammt, kann nun vielleicht besser erklärt werden, sagt Gary Strobel. Die gängige Lehrmeinung ist, dass es im Laufe vieler Millionen Jahre aus biologischen Materialien entstanden ist, die hohem Druck und einer hohen Temperatur ausgesetzt waren.

"Aber nun haben wir einen Mikroorganismus, der genau dasselbe kann. Und da fragt man sich, ob nicht vielleicht auch bei der Entstehung von Erdöl Mikroorganismen beteiligt waren."

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