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Der Dlf-Nachrichtenfragebogen"Dieses Land braucht eine vielseitige kritische Berichterstattung"

Von Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei
Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke. (imago)
Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke. (imago)

Zu viel tendenziöse Berichterstattung und zu wenig Hintergrund, das kritisiert Sahra Wagenknecht am Nachrichtengeschäft. Unterschiedliche Sichtweisen kämen kaum noch vor. Auch könne die Verflachung von Nachrichten zu einem Problem für die Demokratie werden.

Im Deutschlandfunk-Nachrichtenfragebogen nehmen Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft Stellung zum Informationsgeschäft. Was finden sie gut, was bedenklich? Welche Trends erkennen sie und welche Nachricht würden sie gerne einmal hören? Im zweiten Teil beantwortet Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, unsere Fragen. 

Welche Medien nutzen Sie, um sich zu informieren?

Ich nutze sowohl Print als auch digitale Medien, um mich zu informieren. Ich habe FAZ, Handelsblatt, junge Welt und Regionalzeitungen aus NRW - mein Wahlkreis ist in Düsseldorf - im Abo. Darüber hinaus nutze ich das Internet, um aktuell auf dem Laufenden zu bleiben. Hier lese ich auch interessante Blogs wie nachdenkseiten.de. Facebook und Twitter sind ebenfalls wichtig, um Diskussionen zu verfolgen. Im Auto höre ich Radio, oft auch den Deutschlandfunk. Ich schaue sehr wenig fern, schalte nur gezielt ein, natürlich die Nachrichten, manchmal auch politische Talkrunden. Aber lieber lese ich, gerne interessante Neuerscheinungen auf dem politischen Büchermarkt.


Wovon gibt es zu viel in den Nachrichten?

Zu viel tendenziöse Berichterstattung. Ein besonders drastisches Beispiel dafür waren häufig die Nachrichten zum Konflikt in Syrien. Außerdem gibt es für meinen Geschmack zu viele aufgebauschte Lifestyle-Meldungen. Das zunehmende Magazin-Format in den Nachrichten führt dazu, dass viel Zeit für relativ belanglose Meldungen verwendet wird, die für Hintergrundinformationen dann fehlt. 


Was kommt zu kurz?

Leider oft die Hintergründe der Schlagzeilen und aktuellen Meldungen. Beispielsweise wird die Entstehungsgeschichte bei Konflikten oft nur so verkürzt angetippt, dass kaum noch ersichtlich ist, welche Interessen dahinter stehen. Dadurch drohen Ereignisse zu reinen Meldungen zu verkommen, die nur konsumiert werden, die aber nicht als das gesehen werden, was sie eigentlich sind: Resultate politischer Entwicklungen, die nicht naturgegeben, sondern beeinflussbar sind. Ein solcher Eindruck wird umso mehr verstärkt, je geringer die Bandbreite derjenigen ist, die zu Wort kommen und je weniger Zeit für Stellungnahmen abseits der reinen Berichterstattung zur Verfügung steht. 


Was stört Sie besonders am Nachrichtengeschäft?

Dass sich die Aufbereitung von Nachrichten immer mehr angleicht und es eine Tendenz gibt, immer unkritischer dem Mainstream zu folgen. Ich habe den Eindruck, dass unterschiedliche Sichtweisen in der Medienlandschaft kaum noch vorkommen. Die Qualität der Berichterstattung leidet darunter, dass Nachrichtenredaktionen stark unter ökonomischem Druck stehen. Wenn beispielsweise Regionalredaktionen eingestampft werden und Nachrichten über Redaktionsverbünde aufbereitet werden, schadet dies erheblich der Medienvielfalt und oft leidet auch die Qualität. Die zunehmende Kommerzialisierung sorgt dafür, dass gerade kritische Berichterstattung zum Mainstream auf der Strecke bleibt. Das Übermaß an Angebot im Internet macht es außerdem deutlich schwieriger, dass gut recherchierter Qualitätsjournalismus noch finanzierbar bleibt und breit wahrgenommen wird, obwohl das eine Voraussetzung für die Herausbildung eines kritischen Bewusstseins ist.


Wie sieht der Nachrichtenmarkt in zehn Jahren aus?

Es steht zu erwarten, dass sich der Trend zu digitalen Medien weiter verstärkt. Dies muss nicht gleichbedeutend sein mit einem Verlust an Qualität in der Berichterstattung, aber die Gefahr der Verflachung von Nachrichten besteht, zumal es offensichtlich noch kein Geschäftsmodell für Qualitätsjournalismus im Netz gibt. Für die Demokratie kann eine solche Entwicklung zum Problem werden. 


Welche Nachricht hat Sie in Ihrem Leben am meisten bewegt?

Die Nachricht mit den größten Auswirkungen für mein Leben war sicherlich die Nachricht vom Fall der Mauer, wobei sie mich erst mit 12 Stunden Verzögerung erreicht hat.


Welche Nachricht würden Sie gerne einmal ganz offiziell im Deutschlandfunk hören? 

Heute ist der erste Tag, an dem es weltweit keinen einzigen Krieg und keinen Kriegstoten gibt. 


Was möchten Sie den Nachrichtenmachern beim Deutschlandfunk als Wunsch mit auf den Weg geben?

Bitte machen Sie weiter. Sie haben eine verantwortungsvolle Aufgabe. Dieses Land braucht eine qualitativ hochwertige und vielseitige kritische Berichterstattung. 

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