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StartseiteForschung aktuellDer Duft der Geburt22.06.2010

Der Duft der Geburt

Forscher untersuchen Mikrobenbesiedlung von Neugeborenen

Biologie.- Die Fruchtblase ist für ein ungeborenes Baby der sicherste Ort der Welt. Sie hat immer Badewassertemperatur, ist stoßsicher und ist völlig frei von Bakterien. Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, welche Mikroben ein neugeborenes Baby zuerst besiedeln.

Von Christine Westerhaus

Welche Bakterien sich auf einem Neugeborenen niederlassen, hängt auch davon ab, ob ein Kind per Kaiserschnitt oder auf natürliche Weise auf die Welt kommt.  (AP)
Welche Bakterien sich auf einem Neugeborenen niederlassen, hängt auch davon ab, ob ein Kind per Kaiserschnitt oder auf natürliche Weise auf die Welt kommt. (AP)

Ein Baby wird geboren – die Lunge füllt sich zum ersten Mal mit Luft und versorgt das Herz nun selbst mit Sauerstoff. Auch die Haut des Babys muss sich an die neue Umgebung gewöhnen. Im Mutterleib schwamm es noch keimfrei im Fruchtwasser, doch die Außenwelt ist voll Krankheitserregern. Auf dem Weg durch den Geburtskanal bekommt das Baby aber schon eine Art bakteriellen Schutzmantel mitgeliefert. Es ist eingehüllt in den vaginalen Schleim seiner Mutter und der liefert die Gründerpopulation für diese schützende Hülle. Das haben Maria Dominguez-Bello von der Puerto Rico Universität in San Juan und ihre Kollegen beobachtet, als sie Abstriche von Neugeborenen machten.

"Die Babys, die den Geburtskanal passiert hatten, konnten wir anhand der Bakterien eindeutig ihren Müttern zuordnen. In der Nase, im Mund, im Darm - überall fanden wir bei diesen Neugeborenen die gleichen Mikroorganismen, die in der vaginalen Schleimhaut der Mutter vorkamen. Bei den Kindern, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, war das anders: Sie waren vor allem mit Hautbakterien übersiedelt, die wir weder der Mutter, noch irgendwem sonst zuordnen konnten."

In der vaginalen Schleimhaut kommen vor allem sogenannte Milchsäurebakterien vor. Diese Mikroben sind ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Darmflora. Außerdem sitzen sie auf der Haut und produzieren dort Milchsäure und andere Stoffwechselprodukte, die Krankheitserreger fern halten. Dass Babys während der Geburt mit Milchsäurebakterien beimpft werden, könnte also ein wichtiger Schutzmechanismus sein.

"Wir denken, dass es kein Zufall ist, dass in der Vagina vor allem Milchsäurebakterien vorkommen. Sie ist der Geburtskanal für alle Säugetiere. Deswegen wird es einen hohen Anpassungs- und Selektionsdruck auf sie geben, dass sie Neugeborenen einen guten Schutz liefert. Diese Gründerpopulation von Mikroorganismen wird vermutlich auch einen Einfluss darauf haben, welche Bakterien den Körper später besiedeln werden."

Bei Babys, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, fehlt diese Gründerpopulation jedoch. Dies könnte erklären, warum Kaiserschnitt-Babys in mancher Hinsicht empfindlicher sind als auf natürlichem Weg geborene. Maria Dominguez-Bello:

"Manche Studien haben gezeigt, dass Kaiserschnitt-Babys ein höheres Risiko haben, sich mit manchen resistenten Keimen zu infizieren oder Allergien zu entwickeln. Andere Untersuchungen fanden, dass diese Kinder häufiger Verdauungsprobleme haben, als auf natürlichem Weg geborene. Wir wollen nun diese Babys über einen längeren Zeitraum untersuchen um dann sagen zu können: Sehen wir nach einem Jahr immer noch einen Unterschied zwischen Kindern, die auf natürlichem Weg und solchen, die per Kaiserschnitt geboren wurden. Oder gleicht sich das an?"

Die Bakteriengemeinschaft hat auch einen Einfluss auf den Geruch eines Menschen. Denn nicht die Haut selbst, sondern die auf ihr lebenden Mikroben produzieren die Substanzen, die nach Schweiß oder stinkenden Füßen riechen.

"Die Gerüche, die Bakterien produzieren, sind sehr wichtig für das gegenseitige Erkennen und für die Attraktivität. Ich bin sicher, dass diese Düfte auch bei der chemischen Kommunikation zwischen Mutter und Kind eine Rolle spielen. Je nachdem, ob Babys auf natürlichen Weg oder per Kaiserschnitt geboren sind, werden sie unterschiedlich riechen und ich glaube, dass Mütter das auch wahrnehmen."

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