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Der eitel-getriebene und sympathisch-ehrenwerte Rommel

Der Film "Rommel" läuft heute um 20:15 Uhr der ARD

Von Eric Leimann

Die Schauspieler Ulrich Tukur und Aglaia Szyszkowitz, Tukurs Frau Katharina John und der Produzent Nico Hofmann (v.l.n.r.) bei der Premiere des Films "Rommel" in Berlin.
Die Schauspieler Ulrich Tukur und Aglaia Szyszkowitz, Tukurs Frau Katharina John und der Produzent Nico Hofmann (v.l.n.r.) bei der Premiere des Films "Rommel" in Berlin. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Ulrich Tukur spielt in "Rommel" den Lieblingsgeneral Hitlers und der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Die einen halten die Darstellung für zu Rommel-freundlich, dennoch klagte im Vorfeld seine Familie gegen diese Version, weil sie seine Rolle im Widerstand falsch dargestellt sah.

- Rommel: Mein Führer, Sie wissen, ich bin der treuste Diener. Darf ich?
- Hitler: Bitte, nehmen Sie Platz.
- Rommel: Glauben Sie nicht, dass es an der Zeit ist, über andere Lösungen nachzudenken?
- Hitler: Was meinen Sie?
- Rommel: Zu verhandeln...
- Hitler: Mir verhandelt keiner mehr. Der Feind hat die Vernichtung Deutschlands beschlossen. Es kommt jetzt nur noch auf den fanatischen Widerstand eines jeden Einzelnen an. Sind Sie dazu bereit, Rommel?


Erwin Rommel, Offizier aus kleinbürgerlichen schwäbischen Verhältnissen, war in der Tat lange Zeit einer der treusten Diener Hitlers. Als Günstling des Führers legte er eine sagenhafte militärische Karriere im Zweiten Weltkrieg hin. Niki Steins Film konzentriert sich jedoch auf die letzten sieben Lebensmonate Rommels - als dieser den Atlantikwall für den Führer verteidigen sollte. Rommel erkennt, dass die Niederlage unvermeidlich ist und hat im Juli 1944 - immerhin - den Mumm, Hitler zum Umdenken bringen zu wollen.

- Rommel: Der Führer soll seine Zustimmung zu Friedensverhandlungen geben oder wir machen die Front auf.
- General: Sie wollen Hitler ein Ultimatum stellen?
- Rommel: Nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich werde ihm eine letzte Chance geben. Wenn er keine Konsequenzen zieht, werde ich handeln...


So entschieden dynamisch wie in dieser Szene spielt Ulrich Tukur Rommel keineswegs über die 117 Filmminuten. Im Gegenteil: Tukur legt den mythenumwobenen General als zweifelnden, tragischen Helden an. Zwar rückt er im Laufe des Films zunehmend von Hitler ab. Dennoch bleibt er ein Schwankender: mal eitel und getrieben, führertreu und ängstlich. Dann wieder verzeifelt, sympathisch, ehrenwert, mutig. Die vielschichtige Darstellung Ulrich Tukurs ist ein Gewinn für den Film. Sein Rommel wirkt fesselnd und überzeugend. Enttäuscht wird, wer das Nazireich mit all seinem Personal lieber eindeutig gefühlskalt und zweifelsfrei böse dargestellt wissen will.

"Ich wusste schon, es wird Ärger geben. Es gibt Menschen, die sagen, es handelt sich hier um einen Nazigeneral und aus. Den hat man entsprechend im Licht der Geschichte zu bewerten. Für mich handelt es sich um einen Menschen."

Dennoch sah die Familie Rommel das ehrenhafte Bild des entschlossen widerständigen Erwin Rommels durch den Film beschmutzt. Sie protestierte schon früh gegen das Projekt - beim federführenden SWR und der Produktionsfirma teamworx. Niki Stein ist Drehbuchautor und Regisseur des Films:

"Zu der Genese der Rommel-Darstellung muss man ja sagen, es gibt natürlich auch die ganz andere Seite: die breite Öffentlichkeit der unmittelbaren Nachkriegszeit, die ja Rommel viel viel mehr auf den Widerstandspodest gehoben hat als Staufenberg - also die, die es verdient hätten - die damals noch verteufelt wurden als Hochverräter. In dem Zusammenhang muss man Rommel sehen. Rommel war im Bewusstsein der 50er-Jahre eben kein Hochverräter sondern ein ehrenwerter Verräter. Ich kommentiere das nicht weiter, ich sehe das völlig anders. Weil er eben kein Verräter war. Weil er sich nicht beteiligt hat am Widerstand. Weil er seinen eigenen Widerstand gesucht hat."

Rommel wird am 14. Oktober 1944 wegen angeblicher Beteiligung am Attentat auf Hitler in der Nähe seines Wohnortes Herrlingen zum Selbsmord durch eine Giftkapsel gezwungen. Ob Rommel in die konkreten Attentatsplänen der Gruppe um Stauffenberg eingeweiht war, ist unter Historikern umstritten.

- Verschwörer 1: Rommel - halten sie es für möglich, ihn für die Umsturzpläne zu gewinnen?
- Verschwörer 2: Er tut alles für einen Erfolg im Westen. Er will die Invasion unbedingt verhindern.
- Verschwörer 1: Überzeugen Sie ihn. Wenn wir Rommel haben, haben wir auch die Unterstützung der Front.
- Verschwörer 2: Und die des Volkes. Vergiss nicht, er ist der populärste General im Reich.
- Verschwörer 1: Es ist ein verdammt weiter Weg vom Günstling des Führers zur Gallionsfigur des Umsturzes...


Als historisch verbürgt gilt, dass die Stauffenberg-Gruppe an Rommel herangetreten ist. Rommel soll zögerlich reagiert und schließlich mit Hinweis auf seinen soldatischen Eid abgelehnt haben. Dass der Film Rommels Leben auf die letzten sieben Monate - die der Opposiotion gegen Hitler - reduziert, ist gewagt. Den ganzen Rommel, also auch den Wüstenfuchs, Hitler-Fan und ehrgeizigen Aufsteiger, zeigt eine Dokumentation im Anschluss um 22.15 Uhr. Erst mit dieser Ergänzung ist der Film eigentlich komplett. Dennoch ist Niki Stein ein faszinierendes Stück Fernsehen gelungen. Es zwingt den Zuschauer dazu, einen Rommel auszuhalten, den man nicht ganz durchschauen, geschweige denn heroisieren oder kategorisch verurteilen kann.

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