• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 09:30 Uhr Nachrichten
StartseiteEuropa heuteGiannis macht den Laden dicht21.01.2015

Der griechische SparkursGiannis macht den Laden dicht

Steuererhöhungen, Stellenstreichungen und hohe Arbeitslosigkeit prägen den Alltag vieler Griechen. Viele wollen den Preis für den Sparkurs der Regierung nicht mehr bezahlen und sie glauben nicht, dass Griechenland dadurch sein Schuldenproblem löst. Besonders für Kleinunternehmer ist es schwierig, die höheren Steuern aufzubringen. Wie zum Beispiel für den Computerfachmann Giannis Gialelis. Er wird sein Geschäft in Kürze schließen müssen.

Von Alkyone Karamanolis

Volles Haus - wie früher einmal. Doch es sind keine Kunden, die bei Giannis Gialelis vorbeischauen, sondern Nachbarn, die sich verabschieden. Verkauft wird hier ohnehin nichts mehr, vor wenigen Stunden hat Giannis Gialelis seine Lizenz abgegeben. Nach zwölf Jahren ist seine Zeit als Unternehmer vorbei.

"Es ging einfach nicht mehr. Steuern und Sozialversicherung standen in keinem Verhältnis zu meinen Einnahmen."

Er räumt ein paar verstaubte Festplatten aus einem Regal. Giannis Gialelis hat Computer und Zubehör verkauft.

"Das Finanzamt geht von einem Mindestgewinn in Höhe von 10.000 Euro im Jahr aus. Der wird besteuert, auch, wenn man belegen kann, dass der tatsächliche Gewinn niedriger war. Dann kommt noch die Vorauszahlung für das kommende Jahr dazu und eine Sondersteuer für Freiberufler."

Giannis Gialelis greift nach einem Blatt Papier und einem Bleistift und beginnt zu notieren: rund 4.000 Euro fürs Finanzamt, dazu 5.000 Euro im Jahr für die Sozialversicherung und selbstverständlich die laufenden Kosten: Miete, Strom und Telefon. Er zieht einen Strich unter die Rechnung und legt den Stift beiseite. Zuletzt habe er jeden Monat Geld aus der eigenen Tasche zugeschossen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Denn sein Umsatz ist in der Krise um rund 80 Prozent eingebrochen.

"Am Ende war ich froh, wenn ich im Monat ein oder zwei Computer verkauft habe und zwar das Billigste vom Billigen. Auf mehr als 700 Euro Umsatz im Monat kam ich selten – und die Gewinnspanne im Computerhandel ist sehr gering. Oft sind ganze Tage vergangen, ohne dass ein Kunde den Laden betreten hat – oder es kam zum Beispiel jemand, um eine Computer-Maus für vier Euro zu kaufen. "

Giannis Gialelis lacht nervös – das ist seine Art, mit der Krise umzugehen.

Wo er am Sonntag sein Kreuzchen setzen wird, verrät der Computerfachmann nicht. Insgesamt aber sind die Kleinunternehmer gespalten: So wie bisher kann es nicht weitergehen, sagen sie – viele aber fürchten die ungewisse Zukunft mit einer neuen Regierung. Dabei ist die bisherige Bilanz dramatisch: Seit Ausbruch der Krise hat fast jedes vierte mittelständische Unternehmen in Griechenland schließen müssen. Die sinkenden Löhne haben die Nachfrage einbrechen lassen, doch während die Einnahmen der Unternehmen in den Keller gingen, stiegen die Steuern. Ein tödlicher Cocktail, resümiert Wirtschaftsprüfer Thanasis Fotiou.

"Früher gab es Freibeträge: für Kinder, für Sonderausgaben in der Familie, für Solarpaneele und andere energiesparende Maßnahmen, all das gibt es nicht mehr. Alle Selbstständigen werden mit 26 Prozent besteuert, und zwar ab dem ersten Euro, denn auch einen Sockelfreibetrag gibt es nicht mehr."

Auch Thanasis Fotiou hat rund die Hälfte seiner Kunden verloren – sie haben dichtgemacht. Andere bleiben ihm das Honorar schuldig. Gerade heute habe wieder einer angerufen, der Konkurs anmelden müsse und nicht einmal das Geld habe, um die nötigen Schritte einzuleiten, sagt der Wirtschaftsprüfer und blättert in einer Akte. Er werde trotzdem helfen, schließlich kenne hier jeder jeden, er habe auch einen Namen zu verlieren. Doch auf diese Weise sind Fotiou seit Ausbruch der Krise rund 100.000 Euro Umsatz entgangen. Sein Blick gleitet zur Fensterfront hinter seinem Schreibtisch. Die Straße davor ist menschenleer:

"Früher waren um diese Zeit Leute unterwegs, es herrschte Leben. Die Läden waren voll, die Cafés und die Tavernen hatten Kundschaft, eine Freude war das. Jetzt ist alles tot."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk