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StartseiteKultur heuteDer große yogische Reinfall08.05.2010

Der große yogische Reinfall

David Sievekings Film "David wants to fly" über transzendentalen Meditationsbetrug

Der deutsche Nachwuchsregisseur David Sieveking hat eine Dokumentarfilm über Transzendentale Meditation, ihr Geheimnis und die Flugschule der Yogis gedreht, durchaus ernst und durchaus heiter.

Von Josef Schnelle

Wen Gott strafen will, dem erfüllt er seine Wünsche. David Lynch treffen und mit ihm übers Filmemachen reden. Das ist der große Traum des Jungfilmers David Sieveking. Und tatsächlich bekommt er am Rande eines Workshops der Maharishi University of Enlightment in Iowa die Gelegenheit, mit Lynch persönlich zu reden. Der Haken daran ist: David Lynch will nur über Transzendentale Meditation reden. Er ist nämlich neben der Popsängerlegende Donovan, den Ex-Beatles Paul McCartney und Ringo Starr sowie ein paar Milliardären der prominenteste Anhänger von Maharishi Mahesh Yogi, der zu seinen Lebzeiten als legendärer Guru schon in den 60er Jahren begonnen hatte, ein gigantisches spirituelles Spendenimperium aufzubauen. Er ist 2008 im niederländischen Vlodrop, seiner Weltzentrale, gestorben. Der kleine deutsche David setzt getreu seinem großen Vorbild nun auf Mantra und Meditation mit denen er seine Schaffenskrise überwinden möchte. Doch bald wachsen die Zweifel. Denn allein der Einführungskurs bei der Deutschlandzentrale in Hannover kostet ein Vermögen. Sieveking beginnt in diesem subjektiven Dokumentarfilm genauer hinzuschauen und entdeckt anstatt der Wonnen der Transzendentalen Meditation die milliardenschweren Deals und Geschäfte der Sekte und seltsame Leute wie Raja Emanuel, der für das TM-Heil Deutschlands verantwortlich ist und munter Erweckungsphrasen drischt.

Raja ist das altindische Wort für König oder Herrscher. In der TM-Bewegung werden Maharishis Anhänger für die Belegung eines Raja-Kurses gekrönt, der angeblich eine Million Dollar kostet. Vor Maharishis Tod war das der einzige Kurs, der persönlich vom Guru betreut wurde. David Sieveking macht sich mit seinen Recherchen, die er stets selbstironisch kommentiert, zunehmend unbeliebt bei der TM-Führung, besonders als er beginnt, mit Aussteigern und Kritikern der Sekte zu reden. Das berühmte "yogische Fliegen", das den Weltfrieden bringen soll, kommt über ein unbeholfenes Hopsen im Schneidersitz nicht hinaus. Gleichzeitig spielt Davids Freundin Beziehungs-Jo-Jo mit ihm. Mal will sie mit ihm in Berlin leben. Dann wieder sofort nach New York. Und manchmal trifft sie sogar den Kern der Dinge.

Irgendwo zwischen Enthüllungsaktionen im Stile von Michael Moore und stadtneurotischem Beziehungs-Small-Talk à la Woody Allen findet dieser essayistische Dokumentarfilm schließlich doch seinen Kern. Nach all der Scharlatanerie lässt sich David doch an den Quellen des Ganges zu wahrer Spiritualität anregen, die die TM-Führer mit unglaublichen Tricks doch nur vorgespiegelt hatten. Auch visuell verändert sich nun der Film. Wird offener und wirkt aufrichtig an der Schönheit der Natur und der Wahrhaftigkeit der Menschen interessiert. Doch den "lächelnden" Grundton verlässt er auch dann nicht. Sievekings Methode der komödiantischen Selbstbeobachtung führt geradewegs zu der Erkenntnis eines weisen Yogis, dass man gerade seinen Idolen besonders wenig trauen sollte. David Lynch bleibt trotzdem ein großer Filmemacher. Aber hat er nicht eben gerade wieder in Frankreich die Einführung von TM im Schulunterricht gefordert. Hobbyprovokateur oder Hardliner? Die Frage an den Fakir im kalten Ganges bleibt.

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