Das Feature / Archiv /

 

Der Held aus Quirnbach

Die späte Ehrung des Lothar Hermann

Von Gaby Weber

Nazi-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann am Schreibtisch in seiner Zelle im Gefängnis Ramle in Israel.
Nazi-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann am Schreibtisch in seiner Zelle im Gefängnis Ramle in Israel. (picture alliance / dpa)

Im August 2012 wollte die jüdische Gemeinde von Buenos Aires ihn endlich feierlich ehren: Lothar Hermann, der Sohn eines jüdischen Viehhändlers aus Quirnbach und einstiger KZ-Häftling, war der erste Hinweisgeber auf den Aufenthaltsort des Kriegsverbrechers Adolf Eichmann.

Doch die Gäste wurden ausgeladen und nicht neu eingeladen, als die Ehrung am Ende doch stattfand.

So wurde der Großnichte Liliana Hermann, die die Familiengeschichte aufklären will, im Hinterzimmer des Gemeindezentrums eine Gedenktafel überreicht. Die Familie Hermann hatte in Buenos Aires in der Nachbarschaft Eichmanns gelebt und Lothar Hermann teilte bereits 1957 dem Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer dessen Anschrift mit.

Der informierte die Israelis, denn es bestand Haftbefehl und Bauer fürchtete, dass ein deutsches Auslieferungsbegehren Eichmann warnen würde. Doch die Regierung von David Ben Gurion hatte kein Interesse an der Verfolgung von Naziverbrechern, weil sie ihre Beziehungen zur Adenauerregierung nicht gefährden wollte.

Erst drei Jahre später landete Eichmann in Israel und wurde vor Gericht gestellt. Hermann wurde für seine entscheidenden Hinweise nicht gedankt. 1961 wurde er sogar, fand die Großnichte heraus, verhaftet und misshandelt. Erst 1972 erhielt er von der israelischen Regierung die ausgelobte Belohnung, und auch das geschah heimlich.


DLF 2013

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Das Feature

DeniaEin Platz an der Sonne für die SS

Valencianisches Kunsthandwerk und preussischer Chauvinismus: handbemalte Kachel an der Fassade eines Bungalows in Dénia-Las Rotas.

Dénia an der Costa Blanca ist ein beliebtes Ferienziel, das seit vielen Jahrzehnten Urlauber und Rentner aus dem Norden Europas anlockt. Die größte Gruppe der hier lebenden Residenten bilden die Deutschen. Die Anfänge der deutschen Ansiedlung in dem Sonnenparadies sind jedoch nur wenigen bewusst und bis heute wird nicht gerne darüber gesprochen.

Lebensgeschichten Bleib bei mir, denn es will Abend werden

Ruth und Hans-Ulrich Schneider beim Nordic Walking auf einem Feld.

Alt sein ist schlimm, und am schlimmsten im Heim. So heißt es doch. Oma sagte noch mit 65: Bevor ich zu alt werde oder zu krank, bringe ich mich um. Altenheime... trübe, überfüllte Orte der Dumpfheit, der Einsamkeit? Traurige letzte Häuser? Möglich, doch auch: Häuser, in denen Menschen wohnen und mit ihnen gute und schlechte Gefühle.

Pädagogik"Verlangt von Automaten, daß sie denken können"

Schulalltag in vergangenen Zeiten: Unterricht im ungeheizten Klassenraum

Wilhelm Lamszus, Lehrer, Reformpädagoge und Autor, unter anderem des Antikriegsromans "Das Menschenschlachthaus", sieht nur eine Möglichkeit: "In die Schule müssen wir uns begeben." Dort, wo starre Lehrpläne, Wiederkäuen, ewige Examina die seelischen Kräfte der Schüler erstarren lassen. In der Schule entsteht der Kinder Land.