Kalenderblatt / Archiv /

 

Der Heldentenor

Vor 100 Jahren wurde Ludwig Suthaus geboren

Von Renate Hellwig-Unruh

Bayreuth bildete den Höhepunkt von Suthaus' Laufbahn.
Bayreuth bildete den Höhepunkt von Suthaus' Laufbahn. (Deutschlandradio)

Ludwig Suthaus galt als Naturtalent. Und Wilhelm Furtwängler hielt den Tenor für einen der besten seines Fachs. Die ganz große internationale Karriere blieb Suthaus zwar versagt, der Zweite Weltkrieg kam dazwischen, doch seine Leistungen als Wagner-Sänger bleiben unbestritten.

"Und ich muss Ihnen sagen, ich habe gerade den 'Tristan' nicht weniger als über 230 Mal gesungen, unter 28 Dirigenten, weltberühmt, Mailänder Scala, wo sie wollen. Und es waren immer neue Inszenierungen, da wissen sie, was man an Substanz hergeben muss in dieser Partie."

Ludwig Suthaus' Einspielung des "Tristan" 1952 unter Wilhelm Furtwängler ist ein Meilenstein der Schallplattengeschichte. Diese Aufnahme, in der neben Suthaus auch Kirsten Flagstadt und der junge Dietrich Fischer-Dieskau singen, gilt bis heute für Kenner als unübertroffen.

"Zuerst muss ich ihnen sagen, ich habe mit dem großen Meister Furtwängler nie eine Probe gemacht. Es ging direkt an die Aufnahme, natürlich Probeaufnahmen, aber eine direkte musikalische Probe haben wir nie gemacht, sondern das ging so. Es waren am Tag 6 Stunden, ich glaube 16 oder 18 Tage lang, und es war sehr, sehr anstrengend."

Der Ruhm des Wagner-Tenors Suthaus gründet auf einem relativ schmalen diskographischen Erbe. Neben Studio-Produktionen der "Walküre" und dem erwähnten "Tristan" sind nur einige wenige Live-Mitschnitte überliefert, die allerdings einen Eindruck von seiner Gesangkunst vermitteln. Viele Wagner-Partien verlangen allein schon durch ihre Länge eine fast übermenschliche Kraft. Dank seiner meisterhaften Atem- und Legatotechnik besaß Ludwig Suthaus diese Kraft. Und ganz nebenbei machte er auch deutlich, dass teutonisches Pathos durchaus mit italienischem Belcanto zusammengehen kann.

Ludwig Suthaus, geboren am 12. Dezember 1906 in Köln, sollte eigentlich Steinmetz werden. Doch im Haus seines Lehrmeisters wurde viel gesungen - Suthaus' außergewöhnliche Stimme fiel sofort auf. Neben seiner Ausbildung nahm der 17-Jährige daraufhin Unterricht bei Julius Lenz, Gesangslehrer an der Kölner Musikhochschule. Von ihm wurde er zuerst als Bariton eingestuft und ausgebildet. Doch bald kamen Suthaus Bedenken:

"Und habe meinem Lehrer, der mir den Tenor nicht abnehmen wollte, auf Anhieb die Bohème-Arie mit dem hohen C vorgesungen und anschließend die Postillion-Arie mit dem hohen D. Ja nun, sehr großes Erstaunen, ja, sie sind ja doch ein Tenor."

Sein erstes Engagement führte ihn 1928 nach Aachen, wo er sich ein breit gefächertes Repertoire erarbeitete. Suthaus' nächste Station war die Stuttgarter Oper. 1942 wurde der parteilose Sänger entlassen. Begründung: Er sei aus künstlerischen und politischen Gründen nicht mehr tragbar. An der Berliner Staatsoper schätzte man seine Qualitäten durchaus. Und in Bayreuth debütierte er noch 1943 als Stolzing in den "Meistersingern von Nürnberg".

"Ein nette Sache muss ich ihnen erzählen, dass ich dem großen Meister Furtwängler mal gesagt habe, hören Sie mal, das eben ist aber furchtbar breit, wo soll ich den Atem hernehmen. Und da sagt er zu mir: Singen Sie den mal unter Knappertsbusch, da werden Sie sehen, der nimmt das noch breiter. Ich zu Knappertsbusch, wie ich nach München kam, es waren Festspiele, da sagte er: Mensch, was schleppen Sie, schneller, schneller, schneller. Also sehen Sie, auch große Leute können sich irren."

Bayreuth bildete den Höhepunkt seiner Laufbahn. Nach dem Krieg führten Gastspiele Ludwig Suthaus nach London, Wien, Mailand, Moskau und San Francisco. 1949 wechselte er von der Berliner Lindenoper zur Städtischen Oper im Westteil der Stadt.
Nach einem Autounfall musste Ludwig Suthaus seine Sänger-Laufbahn jäh beenden. Er starb, erst 64-jährig, am 7. September 1971 in Berlin. Mit seiner "Tristan"-Einspielung unter Furtwängler hat er sich einen Platz im Sänger-Olymp gesichert.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kalenderblatt

Isabelle Eberhardt Schweizer Schriftstellerin und Wüsten-Reisende

A photo made available on 18 March 2012, shows camels barely visible during a sand storm in Kuwait City, Kuwait, 17 March 2012. According to the Kuwaiti Directorate General for Civil Aviation (DGCA), Kuwait's airports operated normally on 17 March despite the low visibility caused by the sandstorm.

Die Perspektive einer jungen Frau aus großbürgerlichem Hause um 1900 hieß: Heirat und Unterordnung. Eine Vorstellung, die für Isabelle Eberhardt ein Graus war. Sie wollte ein eigenständiges Leben führen. Sechs Jahre lang reiste sie durch Nordafrika. In Tagebüchern und Kurzgeschichten hielt sie ihre Erlebnisse fest. Mit nur 27 Jahren starb sie vor 110 Jahren.

"Vor Sonnenaufgang"Hauptmanns Durchbruch auf der Freien Bühne

Der Schriftsteller Gerhart Hauptmann auf einer undatierten Aufnahme.

Die Theaterzuschauer am 20. Oktober 1889 staunten nicht schlecht: Sie hatten "Vor Sonnenaufgang" gesehen, ein modernes, zeitkritisches Stück, in dem Themen wie Armut und Alkoholismus vorkamen, und in dem die Schauspieler nicht gekünstelt, sondern ganz lebendig sprachen. Der Autor: Gerhart Hauptmann. Er wurde berühmt mit seinem Bühnenerstling.

Karthargo Der ruinierte Ruf der Vandalen

Historische Steine liegen in der Ausgrabungsstaette von Karthago in Tunesien.

Vor 1575 Jahren eroberten die Vandalen die nordafrikanische Stadt Karthago, die nach Rom und Konstantinopel bedeutendste Metropole der spätantiken Welt. Die Stadt wurde zum Königssitz in der über 100 Jahre andauernden Herrschaft in Nordafrika und die Vandalen wurden zum Namensgeber für raubende und verwüstende Banden - obwohl sie eigentlich anders waren.