Sendezeichen /

"Der Helmut Schmidt, der hat ein einmaliges Haar"

23. Oktober 1982: Willi Münch, Friseur im Bonner Bundeshaus, im Gespräch mit Thomas Hauschild.

Münch: Ich möchte sagen, 80 Prozent der Spitzenpolitiker zählen zu meinen Kunden. Von Theodor Heuss angefangen. Theodor Heuss, Konrad Adenauer, Heinrich Lübke, Gustav Heinemann, Herr Carstens, Herr Gerstenmaier, Herr Stücklen, Frau Renger, eigentlich alle.

Hauschild: Worüber unterhalten Sie sich eigentlich mit den Politikern, wenn die hier ...

Münch: ... nach Möglichkeit über nichts. Ich muss immer wieder sagen, wir sind der unpolitischste Salon im Bundesgebiet. Bei uns wird grundsätzlich nicht über Politik gesprochen.

Hauschild: Herr Münch, Sie haben ja viel erlebt in diesen 28 Jahren. Können Sie vielleicht mal ein Anekdötchen zum Besten geben?

Münch: Ja, selbstverständlich! Ich könnte es. Ich tue es aber nicht gern. Nämlich der Herr Lübke – leider lebt er nicht mehr, seine Gattin auch nicht. Aber der Herr Carstens lebt noch. Und wenn ich jetzt ein Anekdötchen über den Herrn Lübke erzähle, dann sagt der Herr Carstens sich, was ist das denn für ein Schwätzer! Wenn ich mal nicht mehr da bin, dann erzählt der Anekdötchen über mich! – Aus dem Grunde mache ich es nicht. Ich kann nur eins sagen, der Herr Lübke war ein sehr, sehr kritischer Kunde!

Hauschild: Vielleicht können Sie was übers Haar sagen! Ist es eigentlich schwierig, diese berühmte Tolle von Helmut Schmidt so glatt zu kriegen?

Münch: Nein, gar nicht. Überhaupt nicht. Der Helmut Schmidt, der hat ein einmaliges Haar. Das ist überhaupt keine Kunst, den zu frisieren. Und glauben Sie, mancher Politiker wünschte sich, er hätte dieses Haar von dem Helmut Schmidt!

Hauschild: Die schöne Frisur, die die Frau Renger trägt – die kommt ja immer wie vom Friseur in den Bundestag –, die ist von Ihnen?

Münch: Ja, selbstverständlich! Frau Renger wird hier frisiert! Aber ich muss dabei sagen, Frau Renger ist ein Talent, die kann sich ausgesprochen gut selber frisieren! Was die die Woche durch trägt, macht die selber! Die kann das selbst!

Sendezeichen aus 50 Jahren DLF
50 Jahre Deutschlandfunk

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Sendezeichen

Der Hunger klopft im Flur

1.September 1965: Der Berliner Schriftsteller und Grafiker Günter Bruno Fuchs liest im DLF.

"Funk muss in der Tiefe etwas Erotisches sein"

23.Juli 1974: Der Schriftsteller Horst Krüger zum Thema "Der Autor und der Rundfunk"