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Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteKalenderblattDer König als Retter der Demokratie23.02.2006

Der König als Retter der Demokratie

Vor 25 Jahren putschte die Guardia Civil in Spanien

Am 23. Februar 1981 stürmten zwei Hundertschaften der paramilitärischen Polizei Guardia Civil das spanische Parlament. Der Überfall war eine der härtesten Bewährungsproben, die das Land auf seinem Weg zur Demokratie zu bestehen hatte. Das Scheitern des Putsches war auch dem König zu verdanken: Juan Carlos stellte sich damals klar gegen die Aufständischen.

Von Julia Macher

Spaniens König Juan Carlos stellte sich 1981 gegen die Putschisten. (AP Archiv)
Spaniens König Juan Carlos stellte sich 1981 gegen die Putschisten. (AP Archiv)

"Alle ruhig! Alle auf den Boden!"

Als Oberstleutnant Antonio Tejero am 23. Februar 1981 um 18.23 Uhr mit zwei Hundertschaften der paramilitärischen Polizei Guardia Civil das spanische Parlament stürmte, waren dort alle 350 Abgeordneten anwesend. Schließlich sollte an jenem Montagabend Leopoldo Calvo Sotelo zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Doch dazu kam es nicht mehr. In einem Handstreich hatte Tejero die gesamte politische Elite als Geisel genommen. Polizisten zertrümmerten die Fernsehkameras. Nach wenigen Minuten trat einer von ihnen ans Rednerpult:

"Guten Tag! Es wird Ihnen nichts passieren. Wir warten, bis die zuständige Autorität hier ist. Die wird dann bestimmen, was weiter passiert und es uns mitteilen. Seien Sie beruhigt. Ich weiß nicht, ob es eine viertel Stunde dauern wird, 20 Minuten oder eine halbe Stunde – länger glaube ich kaum."

Doch im Parlament tauchte keine "zuständige Autorität" auf. Während Tejero die Abgeordneten mit der Pistole in Schach hielt, ließ Mitverschwörer Jaime Milans de Bosch in Valencia Panzer auffahren. Spanien bangte. Dabei kam der Putsch alles andere als überraschend. Seit Monaten befand sich das Land in einer tiefen Krise.

Wechselweise erschütterten Nachrichten über Attentate der Untergrundorganisationen ETA und GRAPO oder Berichte über den Foltertod eines baskischen Häftlings die Öffentlichkeit. Die Regionen forderten mehr Autonomie, die Rechte rief nach einem starken Mann. Die Zeit der politischen Mäßigung, die die ersten fünf Jahre nach Francos Tod geprägt hatte, war definitiv vorbei.

In Politik und Militär zirkulierten Pläne zum Sturz des Ministerpräsidenten Adolfo Suárez von der Mitterechtspartei UCD. Durch eine politisch-militärische Intrige, die so genannte "Operation de Gaulle", sollte auf gewaltlosem Weg eine "Regierung der nationalen Rettung" eingeführt werden - unter dem Vorsitz des ehemaligen Generalsekretär des Königs, General Alfonso Armada. Parallel dazu planten Milans und Tejero eine militärische Verschwörung. Wie sich diese Vorhaben überkreuzten, ist nie gänzlich geklärt worden. Doch Armada hatte auch hier seine Finger im Spiel. Nach Zeugenaussagen versicherte er den Verschwörern die Rückendeckung durch den König – und versuchte, als die beiden gut drei Wochen nach Suárez' Rücktritt losschlugen, den Monarchen davon zu überzeugen, dass nur ein General Armada die Situation retten könne. Juan Carlos allerdings versagte dem Putsch die Unterstützung und wandte sich in Militäruniform um zehn nach eins übers Fernsehen an das Volk:

"Die Krone, Symbol der Einheit Spaniens, kann auf keinen Fall Aktionen oder Handlungsweisen von Personen dulden, die mit Gewalt den Demokratisierungsprozess zu unterbrechen versuchen, der in der Verfassung bestimmt wurde, über die das spanische Volk in einem Referendum entschieden hat."

Die kurze Ansprache, die den Ruf des Bourbonenherrschers als Retter der Demokratie mitbegründete, war das eigentliche Ende des Putschversuches. Um fünf Uhr morgens rief Milans die Panzer in Valencia zurück, und nach siebzehneinhalb dramatischen Stunden durften die Abgeordneten das Parlament verlassen. Am Tag danach mahnte der König die Politiker:

"Eine harte und offene Reaktion gegen die Verantwortlichen des Aufstandes ist ebenso wenig ratsam, wie diese Reaktion auf die Streit- und Sicherheitskräfte generell zu übertragen."

Eine Empfehlung, der man folgte: Die Frage der Autonomien wurde ebenso vertagt wie eine Militär- oder Polizeireform. Und die Verschwörer kamen glimpflich davon. Selbst die Rädelsführer mussten nicht einmal die Hälfte ihrer 30-jährigen Haftstrafe absitzen. General Alfonso Armada widmet sich seit seiner Entlassung 1988 in Andalusien der Kamelienzucht.

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