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Der letzte "Kleine Strolch"

Ein Besuch beim früheren Kinderstar Jean Darling

Von Simone Wienstroer

Jean Darling 2003 mit einem Pappbild von Stan Laurel (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)
Jean Darling 2003 mit einem Pappbild von Stan Laurel (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)

Sie sind die wohl berühmteste TV-Rasselbande aller Zeiten: "Die kleinen Strolche". Jean Darling spielte sich mehrere Jahre als blond gelocktes, unartiges Gör. Inzwischen ist sie die letzte noch lebende Schauspielerin aus der Stummfilmzeit der Serie.

"Silence on the set! Camera ... action!"

Sie war ein Kinderstar in den goldenen Zeiten des Stummfilms. Mit leuchtenden blauen Augen erzählt die 90-jährige Schauspielerin Jean Darling von den Filmaufnahmen der Comedyserie "Die kleinen Strolche". Erstmalig in der Filmgeschichte durfte eine Gruppe von Kindern hier vor laufender Kamera so viel Unsinn treiben, wie sie wollte. Das Erfolgsrezept der Strolche bestand in einer entwaffnenden Natürlichkeit der kleinen Akteure.

"Bei den 'Kleinen Strolchen' hatten wir einen großartigen Regisseur, Robert MacGowan, der Sinn für das Skurrile hatte. Er wusste genau, wie Kinder sich verhalten und er hat uns machen lassen. Er sagte zum Beispiel: 'Jean, geh bitte da hinüber'. Und Jean ging da hinüber - und stolperte auf ihrem Weg. Oder sah plötzlich einen Gegenstand, den sie vom Boden aufheben wollte. Eigentlich haben wir nicht geschauspielert. Wir haben gespielt.

In meiner ersten Strolche-Komödie musste ich gemeinsam mit einer Ziege Fahrstuhl fahren. Ich habe geheult - und die Szene ruiniert. In der zweiten Folge gab es einen Kuchen, auf dem Schleifen drapiert waren. Wenn man an den Schleifen zog, gab es einen Knall. Als es knallte, habe ich geheult - und die Szene ruiniert. An die dritte Folge kann ich mich kaum erinnern - ich weiß nur, dass ich geheult und die Szene ruiniert habe."

Mit seiner Serie leistete Produzent Hal Roach in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit. Tatsächlich traten hier zum ersten Mal Schwarze und Weiße gleichberechtigt auf. Der Strolch Ernie Morrison war der erste schwarze Serienstar überhaupt.

Die Produktionsstudios von den "Kleinen Strolchen" und "Laurel und Hardy" lagen direkt nebeneinander. So kam es, dass Jeans alleinerziehende Mutter Dorothy einen prominenten Verehrer hatte.

Mann: "What's your name?"
Stan Laurel: "Stanley Laurel."

In Stan Laurel fand Jean einen wunderbaren Kumpan mit großem Verständnis für kindliche Eigenheiten. Zum Beispiel, als die vierjährige Jean sich stur dazu entschied, nur noch einen Badeanzug zu tragen.

"Da kam eines Tages Stan Laurel zu mir. Er trug auch einen Badeanzug! Und er sagte zu mir: Ich finde, das ist eine sehr gute Idee von dir, Jean, diese Sache mit dem Badeanzug. Jetzt muss ich nicht mehr bügeln und meine Hemden und Socken in die Reinigung bringen. Herrlich. Wirklich eine prima Idee."

Auch nach ihrer Zeit bei den "Kleinen Strolchen" blieb Jean Darling den Künsten treu. Sie studierte Gesang und trat am Broadway auf, arbeitete zusammen mit Irving Berlin und Cole Porter. Sie heiratete einen Zauberkünstler, mit dem sie in einem selbst genähten Gorillakostüm gemeinsam auf Tour ging. Heute ist der ehemalige Stummfilmstar regelmäßig ein gern gesehener Ehrengast bei den weltweit stattfindenden Laurel-und-Hardy-Conventions.

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