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StartseiteLange NachtDer Mond im Regentropfen03.11.2012

Der Mond im Regentropfen

Eine Lange Nacht über den Zenbuddhismus

Zen hat mit Stille zu tun, mit harter Arbeit und der Sehnsucht nach Erleuchtung. Die Zentradition Chinas und Japans ist unendlich reich an Geschichten. Von exzentrischen Meistern, die jahrelang auf ihren Kissen saßen, fest gegründet wie ein Berg. Von Mönchen, die durch die Berge schweiften, ungebunden wie Wolken.

Von Manuel Gogos

Shaolin-Kloster in China (picture alliance / dpa /Bernd Settnik)
Shaolin-Kloster in China (picture alliance / dpa /Bernd Settnik)

Amerikanische Beatniks wie Allen Ginsberg oder Jack Kerouac sind die Ersten, die dem Zen im Westen verfallen. Sie lieben das alles: die Samurais, das Bogenschießen, die Teezeremonie. In der Meditation lauscht man mit dem ganzen Körper jener "Musik des Zufalls", die der Avantgardekomponist und Musikerfinder John Cage dem Zen verdankt.

Heute ist Zen eine starke religiöse Bewegung mit unzähligen Anhängern überall in Europa und Amerika. Ein Lifestyle. Ausgerechnet christliche Missionare waren es, die das Zen nach Europa brachten. Jetzt sind es Laien, die den Ton angeben. Und Frauen, denen man vor hundert Jahren noch die Fähigkeit absprach, überhaupt zur Erleuchtung zu kommen. Praktizierende berichten von ihren ganz alltäglichen Erfahrungen: Wie schöpft man Kraft? Kann man Weisheit ausbrüten? Ist Erleuchtung die glückliche Heimkehr zu sich selbst - oder die letzte große "Ent-Täuschung"?


An dich, der du gern erbauliche Geschichten aus dem alten Japan hörst.


Zen ist eine traditionsreiche Religion, eine historische Synthese aus indischem Buddhismus und chinesischem Taoismus. Aber Zen, das ist auch eine große Faszinationsgeschichte im Westen. Der Psychologe C. G. Jung soll noch auf seinem Sterbebett über Zen gelesen haben, und der Philosoph Martin Heidegger wird mit dem Ausspruch zitiert: "Wenn ich den Zenbuddhismus recht verstehe, so ist es genau das, was ich in all meinen Schriften zu sagen versuchte." Zen ist auch eine neureligiöse Bewegung mit unzähligen Anhängern überall in Europa und Amerika - ein Lifestyle, auch das ist Zen heute.

Tatsächlich hat Zen mit Stille zu tun, mit harter Arbeit und der Sehnsucht nach Erleuchtung. In der Zentradition gibt es viele Anekdoten, die von den alten Zenmeistern handeln, schlichten Menschen und zugleich großen Exzentrikern. Die durch die Berge schweiften, ungebunden wie Wolken.

Doch Zen-Geschichten handeln auch von der anderen Seite jener, die jahrelang unbeweglich auf ihren Kissen saßen, fest gegründet wie ein Berg. Wie es von Bodhidharma berichtet wird, dem ersten Patriarchen des Zen in China, einer legendären Gestalt, die das Zen von Indien, dem Geburtsland des Buddhismus, nach China gebraucht haben soll.

Doris Zölls, Zen-Lehrerin und spirituelle Leiterin im Benediktushof, Würzburg: "Und man setzt den Beginn des Zen mit Boddhidarma an. Der im 6. Jahrhundert von Indien nach China kommen sollte. ... Man hatte ein Bild von einem Chan-Meister. Dieses Bild baute man in eine Biografie ein. Es ist viel legendär. Aber das heißt nicht falsch. Man versuchte, die Essenz des Zen an einer Biografie darzustellen. Boddhidarma wird ja dargestellt mit ausgerissenen Wimpern. Die - legendär - auf den Boden fielen und daraus wuchsen Teebäume. Und aus diesen Teebäumen wurde die Tradition des Teetrinkens entwickelt. Joshu sagte einmal auf die Frage hin: Was ist Buddha? - Trink eine Tasse Tee. Was es ausdrücken soll, ist diese Wachheit. Diese Bewusstheit. Diese stechenden Augen sind Ausdruck, dass wir uns nicht in Träume verlieren, sondern dass wir wach bleiben."

Die Zentradition ist unendlich reich an Geschichten dieser Art. Die höchst lebendig geblieben sind, auch, weil sie Bestandteil des berühmt-berüchtigten "Koan-Trainings" sind, dem sich die Zen-Adepten noch heute unterziehen. So lautet eine dieser Rätselfragen: Warum brachte Bodhidharma den Buddhismus aus dem Westen? Klaus Wansleben, Zenlehrer in Köln und Bonn.

Klaus Wansleben: "Diese Frage taucht im Zen als Koanfrage auf. Das wird also als Koan gestellt und der Schüler muss eine entsprechende Lösung bringen. Aber die Frage ist einfach müßig. Der Zenschüler überlegt dann viel, und kommt nie zum Ziel. Das Ziel ist aber einfach: was soll das eigentlich, lass den doch aus dem Westen kommen, was kümmert mich das? Und die Lösung besteht darin, dass der aufsteht, und einige Schritte tut, so, als wenn er käme."

Doris Zölls: "Ein Koan ist eigentlich eine Begegnung zwischen Meister und Schüler, wo der Meister den Schüler bringen will in die unmittelbare Erfahrung. Wenn man ein Koan sozusagen "lösen" soll, dann ist es notwendig, dass wir das Denken sozusagen aufgeben und ganz in die Geschichte eintauchen. Sozusagen zu dem Mönch werden. Der verzweifelt ist. Der aus dieser Verzweiflung zum Meister geht. Und der gibt einen Impuls, um ihn in den Augenblick zu bringen: In dieses Erleben muss man eintauchen. Es sind ganz viele Koans, die immer wieder einen neuen Aspekt des Lebens zeigen. Man spielt sozusagen alle Situationen des Lebens durch."

Besteht nicht auch darin eine besondere Kraft des Zen, dass diese Geschichten da sind. Dass Zen auch eine große Erzähltradition ist? Die Zen-Meisterin und dreifache Mutter Doris Zölls:

"Ja. Weil die Geschichten in die Unmittelbarkeit führen. Wenn man Kindern Märchen erzählt, dann erfassen die Kinder das Märchen nie analytisch. Sondern immer aus ihrem Bewusstsein heraus. Sie sind der Wolf. Sie sind das Rotkäppchen."

Könnte man das tatsächlich vergleichen? Die kindliche Vorstellung von Rotkäppchen und der böse Wolf, und die Rollenspiele in der Begegnung zwischen Zen-Schülern und Meistern: "Ich bin Bodhidharma. Ich bin der Hund"?!

"Geschichten führen wirklich ins Erleben. Und wenn Zen mit Geschichten arbeitet, dann deswegen, weil es lebendig ist. ... Und die Koans sind nichts anderes als Geschichten, die uns in das Erleben hinein führen. Deswegen können Kinder alle Koans lösen."



Für dich, die du manchmal mondsüchtig bist.

Doris Zölls: "Der Mond steht für das wahre Wesen allen Seins. Und wie in jedem Fluss und Bach, in jeder Pfütze sich immer nur der eine Mond spiegelt, so drückt sich in allen Formen das wahre Wesen aus. Und doch ist es nicht möglich, dieses wahre Wesen zu fassen. Ich kann den Mond im Wasser nicht fassen. Ich seh sein silbriges Licht, ich seh es flackern, und wenn ich hinlange, ist es nicht da. Es ist da und gleichzeitig nicht da. Und dieses wahre Wesen zu erfahren ist eigentlich die Übung, die wir im Zazen praktizieren. Der Mond ist eine poetische Form, dies auszudrücken."

Die Japaner übernahmen den Zenbuddhismus in einem großen kulturellen Gesamtpaket aus Schrift und Kleiderordnung, filigranem Porzellan und Tee, Kriegstechniken und konfuzianischen Gesellschaftsformationen. Im Hinblick auf die Kunst ist Zen in einem ähnlichen Zwiespalt wie im Hinblick auf die schöne Literatur. Warum sollte man als Künstler ein Werk aus sich herausstellen, sich "verdoppeln", anstatt einfach zu werden? Dennoch hat Zen in seiner Geschichte permanent kreative Überschüsse produziert und unzählige Spuren hinterlassen in der Baukunst, in der Landschaftsgestaltung, in der Poesie, in ungezählten Haikus, und im No-Spiel. Wie es der berühmte Mond-Gesang des Prinzen Genji im Wechselgesang mit einem ganzen Chor aus Mönchen zum Ausdruck bringt.

Kodo Sawaki, geboren noch im alten Japan des 19. Jahrhunderts, gestorben 1965, war wie einer der alten Zenmeister, einer der letzten des alten Schlags: furchtlos und unkonventionell, und: auf die Gegenwart pochend.

Kodo Sawaki: "Du redest über das Leben Buddhas und die heroischen Taten der Zenmönche der alten Zeit. Du erzählst, was du von den Sutren gelesen hast. Aber wen interessiert das schon? Die Buddhalehre liegt nicht in der Ferne. Sie ist kein getrockneter Kabeljau, unsere Buddhas leben nicht im Jenseits. Du glaubst, dass Dogen Zenji ein großartiger Zenmeister war? Aber was ist mit dir selbst? Das Problem, um das es gehen muss, bist du selbst. Es ist DEIN Problem, und um dieses Problem muss sich dein Leben drehen."

Sawaki wird 1880 im Shinto-Viertel der Stadt Tsu, Präfektur Mie, geboren. Sein Geburtsname ist Saikichi, sein Vater arbeitet als Hersteller von Rikscha-Teilen. Als seine Mutter Shige verstirbt, da ist er vier Jahre alt, und mit sieben verstirbt auch der Vater. Sawaki wird von einem befreundeten Lampion-Händler adoptiert - der nur offiziell mit Lampions handelt, in Wirklichkeit aber mit Glücksspiel sein Geld verdient. So kommt Sawaki nach Isshinden, ins Bordell-Viertel der Stadt, in dessen Seitengassen Schaubudenbesitzer bei den Glücksspielern um Kunden werben. Bald schon arbeitet der junge Sawaki als Handlanger und Schmierensteher.

Eines Tages wurde er Zeuge, wie ein Mann in den Fünfzigern, der sich im Bordell im zweiten Stock nebenan eine Prostituierte gekauft hatte, im Augenblick der größten Lust plötzlich tot zusammenbricht. Da spürt Sawaki die Vergänglichkeit der Welt zum ersten Mal, jäh, tief, bis in die Knochen. Und in seinem Inneren beginnt sich der Wunsch zu regen, den Buddhaweg zu gehen. Er macht sich auf den Weg ins Eiheiji, und wie in alter Zeit hat auch er zwei Tage ohne Essen und Trinken um Einlass zu bitten, ehe er endlich als Mönch aufgenommen wird.



Für dich, der du dich manchmal von der dunklen Seite des Mondes angezogen fühlst.

Zen und Militarismus, das ist eine unheimliche, eine unheilige Allianz. Der neuseeländische Zen-Mönch und Hochschullehrer Brian Victoria hat in ein ganzes Buch darauf verwendet, dieser unheiligen Allianz des "Samurai-Zen" nachzuspüren. Nicht wenige namhafte Zen-Meister betätigten sich in jenen Jahren als Kriegstreiber. Es gibt wirklich böse Beispiele, wie aus der Feder Harada-Roshis, einem der Begründer der Sanbokiodan-Schule, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Westen sehr einflussreich wird.


Für dich, der du Einlass begehrst in die Welt von Weisheit und Wahrheit

Es war gerade einmal einige Jahre her, dass Japan den Friedensvertrag von San Francisco geschlossen hat, als der niederländische Kriminalautor Janwillem van de Wetering Ende der 1950er-Jahre nach Japan kommt, um nach einem Studium der vergleichenden Religionswissenschaften in London und einer psychischen Erkrankung in einem Kloster das Zen zu erlernen. Er reist mit dem Schiff über Bombay und Singapur entlang der alten Route der niederländischen Handelsgesellschaften. Unter einer Million Einwohnern von Kioto gibt es seinerzeit nur neunundzwanzig Ausländer, und einer davon ist er.

"Ein Klostertor in Kioto, dem geistlichen Zentrum Japans. Tokio ist die weltliche Hauptstadt; Kioto hingegen ist eine heilige Stadt, so heilig, dass die amerikanischen Bomber sie verschont haben. Kioto hat achttausend meist buddhistische Tempel. Vor einem dieser Tempel, einem Zen-Kloster, stand ich. Ich war allein, sechsundzwanzig Jahre alt, sauber angezogen, gewaschen und rasiert; ich wollte mich um eine Stelle als Mönch oder Laienbruder bewerben. Es war ein heißer Sommermorgen im Jahre 1958. Ich hatte meinen Koffer niedergestellt; er enthielt nichts als ein paar Kleidungsstücke, Bücher und Waschzeug. Das Taxi, das mich hergebracht hatte, war abgefahren. Um mich herum sah ich grauweiß getünchte Mauern, gedeckt mit Ziegeln aus gebranntem Ton. Jenseits der Mauern standen schön geformte Kiefern, sorgsam beschnitten von geübten Händen; dahinter ragte das Tempeldach auf, mit dichtem Balkenwerk und sacht abfallenden Seiten, die sich an den Kanten abrupt aufwärts bogen. Geheimnisvolle Bauwerke mit rätselhaftem Inhalt. Gebäude, in denen die Weisheit zu Hause ist. Das suchte ich: Weisheit, Friede, Abgeklärtheit."

Aus der Perspektive Europas und Amerikas ist das literarische Alter Ego van de Weterings ein Pionier. Einer der Ersten, der - lang schon vor populären Filmen wie "Erleuchtung garantiert" von Doris Dörrie aus dem Jahre 2000 - das Purgatorium intensiver Zenübungen erlebt: Um drei Uhr aufstehen, harte Arbeit, und so viel Meditation, als sollten einem die Beine absterben.



Für dich, der du mit dem ganzen Körper zuhörst.

Die Ersten, die dem Zen im Westen verfallen, sind die amerikanischen Beatniks wie Allan Ginsberg, Jack Kerouac oder Gary Snyder. Sie entdecken und lieben all das: die Kunst des Bogenschießens, die Kampfkunst der Samurai, die unendliche Geschmacksverfeinerungen in der Teezeremonie. Sie sitzen ihrem verehrten Professor Suzuki zu Füßen und verstehen Zen auf ihre eigene Art:

Die Avantgardisten der Beat-Generation huldigen der Spontaneität, und sie feiern ihr eigenes Genie. Dabei berufen sie sich gern auf Han Shan, den unbezähmbaren, frei schweifenden Meister des alten China, dem Jack Kerouac auch seine Buch "Dharma bums" gewidmet hat.

"Eines Tages Ende September 1955 sprang ich zwölf Uhr mittags vor Los Angeles in einen Güterzug, erwischte einen offenen Wagen, legte mich hin und blickte gedankenverloren zu den Wolken auf. Ich war sehr fromm in jenen Tagen, und setzte meine religiösen Überzeugungen beinahe vollkommen in die Tat um. Ich glaubte, dass ich ein Pilger aus alter Zeit wäre, der in modernen Gewändern die Welt durchwandert."


An dich, der du Zen magst, sanft wie ein Reh

Shunryu Suzuki - der "kleine Suzuki", wie er sich in Anspielung auf den großen Professor D. T. Suzuki selbst bescheiden nennt, ist eine der zentralen Gestalten, die die Praxis des Zen in den Westen brachten. Insbesondere mit dem Buch "Zen-Geist. Anfänger-Geist" - in mehr als einer Million Exemplaren in einem Dutzend Sprachen verkauft - hat er die Geschichte des Zen im Westen nachhaltig bestimmt.

"Ich möchte nicht über chinesisches Zen sprechen, und auch nicht über die Geschichte des Zen. Hier im Westen können wir nicht auf die gleiche Weise wie in Japan definieren, was Zen-Buddhisten sind. Amerikanische Zen-Studenten sind keine Priester und doch auch keine richtigen Laien. Ich denke, ihr seid besondere Leute und wollt eine besondere Praxis die nicht genau die Praxis eines Priesters ist und nicht genau die eines Laien. Ihr seid auf Eurem Weg. Ich habe das Gefühl, besonders ihr jungen Amerikaner habt eine große Gelegenheit, den wahren Lebensweg herauszufinden. Des Anfängers Geist hat viele Möglichkeiten, der des Experten hat nur wenige - das ist das Geheimnis der Zen-Praxis."


Für dich, den das Leben weich gekocht hat.

Uchiyama Roshi "In Japan werden zwei Arten von Zazen übermittelt. Eine versteht Zazen als Ekstase, die andere als Alltag. Die Anhänger der ersten Sichtweise drücken Samadhi oft durch Kunst und Literatur aus. Das Zen, das D. T. Suzuki der Welt präsentieren, ist von dieser Sorte. Das Zazen, das von Dogen Zenji weitergegeben wurde, ist die Übung andauernder Aufmerksamkeit. Religiöse Übung ist keine Show."

Sprechendster Ausdruck dieser Wertschätzung des alltäglichen, anscheinend Nebensächlichen und Profanen ist die große Bedeutung, die Zen dem leiblichen Wohl wie dem Kochen beimisst.

Doris Zölls: "Das Essen ist ein elementarer Ausdruck des Lebens. Wie's bei uns heißt: Liebe geht durch den Magen. Im Essen wird Gemeinschaft gepflegt. Im Essen wird Genuss gepflegt. Im Essen kommt auch die Gier sehr deutlich heraus. Da kann ganz stark geübt werden, mit der Gier umzugehen. Also die Angst, nicht genug zu bekommen, da kann ich wunderbar üben. Ich kann beim Essen wunderbar üben, einfach bewusst da zu sein."


An dich, der du gern Zen magst, markig wie ein Samurai

Auch in Europa beginnt die Geschichte des Zen vor fast fünfzig Jahren. Auch hier spielt ein Kloster eine wichtige Rolle: die Gendronniere; ein japanischer Meister, Meister Deshimaru, der die Genronniere gründete; und ein Haufen Reis.

Wo Suzuki sanft wie eine Taube lehrt, beeindruckt Deshimaru mit der Energie eines Samurai.

Über die Europäer sagte er, sie seien wie schales Bier. Dagegen er, mit derben, aber markanten Gesichtszügen, wie man ihn noch heute auf den Altären der unzähligen Deshimaru-Gruppen überall in Europa sehen kann. Seine Schüler ließ er Whisky trinken, auch und gerade wenn sie Makrobioten sind, Veganer oder Abstinenzler.


An dich, der du dein Christentum mit Zen vereinbaren willst


Kommt man heute irgendwo in Deutschland in ein Kloster oder Tagungshaus, wird man häufig einen eigenen Raum finden mit schwarzen Sitzkissen und Holzschemeln, in dem regelmäßig meditiert oder Kontemplation geübt wird. 30 Prozent der Deutschen geben an, dass eine meditative Praxis ihren Alltag maßgeblich bestimmt. Eine neue spirituelle Kultur hat sich etabliert, die sich aus der Begegnung des Westens mit den religiösen Systemen Asiens und insbesondere mit dem Zenbuddhismus herausgebildet hat. Aber Verbindungen dieser Art sind kein Tête-à-tête, keine Kurzschlusshandlungen, die sich aus einem zeitgenössischen Hang zum Synkretismus ergeben. Sie sind religionshistorisch hart erstritten, es war ein langer Weg bis hierher.

Untrennbar verbunden mit der Einführung der Meditation nach Europa ist der Jesuitenpater Hugo M. Enomiya-Lassalle. Die Hörsäle und Tagungshäuser waren überfüllt, als er in den späten 70er-Jahren seine Einführungen in den Zenbuddhismus gab.

Lassalle kommt immer mehr zu der Überzeugung, dass Zen und christliche Mystik aus derselben Quelle schöpfen. Diese Intuition des Missionars ist durchaus ungewöhnlich für eine Zeit vor dem zweiten Vatikanischen Konzil, in der man christlicherseits noch selbstverständlich annimmt, dass außerhalb der Kirche kein Heil liegt.

Seine Begegnung mit dem japanischen Zenmeister Yamada Koun ist ein in der bisherigen Geschichte der Religionen einmaliges Ereignis - erstmals überträgt der Amtsträger einer Religion die Lehr-Befugnis an den Geistlichen einer anderen Religion.



Für dich, der du Bestätigung nicht bei den Lehrern suchst, sondern in der Familie

Im Westen braucht Zen neue Bilder und Visionen. Es sucht nach neuen Formen, verlangt nach einem neuen Ausdruck. Dies ist nur in der Abarbeitung am Christentum und anderen westlichen Bewegungen wie der Psychologie möglich. Zen wurde von Mönchen und Geistlichen überliefert. Aber heute wird die Bewegung von Laien getragen.

"Ich bin nicht in Japan gewesen. Das ist heute möglich, weil Zen eben sehr stark zum Westen hin verlagert wurde. Ich bin mit Hildegard ja viel in Indien gewesen, der Zenmeister Lassalle sagte uns, dass die Erleuchtung in Indien ebenso zu Hause ist wie in Japan. Erleuchtung ist bei allen Menschen vorhanden, jeder Mensch ist erleuchtet."

Klaus Wansleben war Schüler des Jesuiten-Paters Enomiya-Lassalle. Heute ist er selbst 85 Jahre alt, Zenmeister und vielfacher Großvater. Ein Mann, bei dem sich Altersweisheit und Zenweisheit paaren.

Wansleben ist ein Mann, dessen Gedächtnis fast hundert Jahre zurückreicht und der doch mitten in der Gegenwart lebt. "Leben und Tod sind eine ernste Sache", sagt er, und spielt mit seinem Handy. Morgens, gleich nach dem Wachwerden, während seine Frau Hildegard Kaffee kocht, schreibt er Haikus.

Klar weit der Himmel
Grenzenlos die Empfindung zu sein
Haferbrei im Topf
Wer da keine Freude empfindet,
der sollte weiterschlafen.


Auch Doris Zölls, spirituelle Leiterin im Benediktushof Würzburg, betont, das Zen trotz seiner monastischen Tradition im Westen wesentlich von Laien getragen wird. Wenn man sich in den heutigen Meditationszentren zu intensiven Übungsperioden - den sogenannten Sesshins - versammelt, so ist der Tagesablauf zwar wie in traditionellen Zen-Klöstern reglementiert. Allerdings nur auf Zeit.

"Was man betonen muss, das Zen als es in den Westen gekommen ist ins Laientum gekommen ist. Das ist entscheidend. Und in dem Moment, wo es im Laientum angekommen ist, nimmt es eine ganz andere Struktur an. ... Es gab immer Laien, die Zen praktizierten neben dem Kloster. Aber in dem Moment, wo sie Meister wurden, gingen sie in die monastische Tradition hinein um die Weitergabe zu regeln. In Japan gab es Harrada Roshi im 19. Jahrhundert, der war noch in klösterlichen Bezügen, und gab dann aber seine Lehre weiter an Yasutani-Roshi, und dann an Yamada Koun, das waren schon Laien. Und die bauten eine eigene Schule auf. Zu ihnen kamen Laien aber auch Priester und Nonnen aus dem Westen und lernten dort das Zen kennen und brachten es in den Westen."

Im Zen gilt es, Ruhe zu finden, nicht indem man Situationen meidet, in denen man mit anderen in Wettbewerb tritt. Zen im familiären oder beruflichen Alltag zu üben nicht etwa eine halbherzige Kompromisslösung; vielmehr ist die Übung inmitten des Alltags anspruchsvoller.

"Zazen ist eine Lebenshaltung. Ich glaube, dass sie sehr großen Herausforderungen standhalten muss, wenn sie im Alltag praktiziert werden muss. Man ist immer in der Auseinandersetzung. Da ist es glaube ich fast noch schwerer. Es ist schon ein Unterschied, ob ich in ein Kloster eintrete und meinen Besitz abgebe, ist es ja die Übung, nicht am Besitz zu haften, wenn ich im Laien-Zen nicht am Besitz haften darf, und dennoch Besitz anhäufe, um die Lebensbezüge leben zu können, brauche, wenn wir in einer Kleinfamilie leben, dann haben wir die Verantwortung für die Familienmitglieder, dass die zu Essen haben, eine gute Ausbildung - in dieser Situation dem Besitz nicht zu verfallen, nicht der Gier zu verfallen, noch mehr anzuhäufen, ist noch mal eine ganz andere Herausforderung."


Für dich, der du dich nach Erleuchtung sehnst

Klaus Wansleben: "Diese Erleuchtung war so in unserer Vorstellung ein neues Land, wo man sich hin retten konnte aus dem Dilemma der Zeit, hier war die Rettung und die große Hoffnung ein neues Bewusstsein. Das musste wachgerufen werden, das war eigentlich das Ziel."

Was zieht Menschen eigentlich zum Zen? Was lässt sie stundenlang, tagelang, jahrelang auf einem Kissen hocken? Wieso nehmen es hochgebildete, selbstbewusste Menschen, die permanent in Zeitnot sind in Kauf, ausgerechnet damit ihre Zeit zu verbringen: Mit nichts tun. Selbst dann, wenn sie Japan nicht die Bohne interessiert, wenn Klosterromantik sie kalt lässt, und wenn sie paradoxe Koanfragen artifiziell finden oder ‚weit hergeholt'? Wie es scheint, ist es das Versprechen der Erleuchtung, das Menschen zu locken vermag. Erleuchtung - ein klangvolles Wort, voller Versprechungen. Aber es ist auch ein schwieriges, schwindelerregendes Wort, überwuchert von tausenderlei Vorstellungen. Was kann Menschen auf die Spur der Erleuchtung bringen? Vielleicht die spezifische Ahnung, dass dieses Leben noch nicht voll gelebt, diese Wirklichkeit noch nicht voll realisiert ist. Dass es eine größere Freiheit geben muss, eine reinere Liebe. Pater Lassalle hat diese Ahnung den "Ruf des Kuckucks" genannt. Und Sokei-An schreibt:

"Es ist, als hätte man einen Kompass in sich; das Boot mag in viele Richtungen streben, doch die Nadel des Kompasses zeigt immer nach Norden."


Doris Zölls: "Das ist, glaube ich, der Kern. Dass in uns eine Sehnsucht erwacht, sozusagen ins reine Land zu kommen. Diese Sehnsucht treibt uns. Es ist nicht mein Ich, das mich treibt. Das heißt: Zen packt mich. - Den einen packt's, den anderen nicht. Das treibt mich. Das treibt mich.

Bei mir war es so, dass meine Kinder nicht schliefen. Also sieben Jahre meines Lebens habe ich nicht eine Nacht durchgeschlafen. Und dann sagte mein Mann: Geh halt einmal irgendwo hin, wo du schlafen kannst. Dann wollte ich aber nicht in irgendein Hotel, wo ich tagsüber dann Small Talk machen sollte. Und dann meinte er du in Würzburg gibt es ein Kloster, da redet den ganzen Tag kein Mensch mit dir. Und dann saß ich da vor dieser Wand. Und dann kam - mein ganzes Leben passierte Revue! Ich erkannte mich in meinem Egoismus. Das war so wie an die Wand geschrieben. Das war so grausam, dass ich dieses Wochenende nur heulte. Die ganze Nacht durch. Anstatt zu schlafen... Dann ging ich nach Hause und sagte: Das mache ich nie wieder. Und nach einem Jahr bat mein Mann mich, mitzugehen, er möchte ein Sesshin machen, ich sollte doch mitgehen. Und dann dachte ich mir, das lasse ich nicht mehr zu, dass das hochkommt. Und ich war nur damit beschäftigt, ja nichts hochkommen zu lassen. Ich hatte Schmerzen ohne Ende. Irgendwann brach ich zusammen. Schier. Nicht körperlich, sondern innerlich brach ich zusammen. Und dann hatte ich eine sehr tiefe Erfahrung. Dann war's geschehen."

Klaus Wansleben: "Ich kenne beide Richtungen. Shikantaza ist das stille Sitzen. Das halte ich für sehr notwendig. Das ist ja auch im Koan-Zen so, dass das stille Sitzen dominiert. Also dieses sture, meinetwegen, 500 Koans lösen, und dann zu sagen jetzt bist du wer, halte ich für falsch."

Doris Zölls: "Im Grunde genommen sind solche Erfahrungen ja in jedem Moment da. Wir erleben Erleuchtung ja permanent. Nur nicht bewusst. Denn was ist Erleuchtung? Erleuchtung ist das Erkennen, was das Leben in seinem wahren Wesen ist. Also den Mond zu erkennen. Zu erkennen, dass sich das Leben in mir lebt. Das ist Erleuchtung. Bewusstwerden dessen, was schon immer ist. Also kann ich nie Erleuchtung "erreichen" oder Erleuchtung "haben". Jeder Moment ist erleuchtet. Nur gibt es Momente, wo es mir bewusst wird und andere, wo es mir nicht bewusst wird. Zen geht ganz langsam vor, um die Struktur des Geistes wirklich zu erkennen und nicht in einer sogenannten Erleuchtung stecken zu bleiben, sondern zu wissen: Das ist ein Moment des Erwachens, ich schau durch ein Tor, für einen Augenblick, und das darf ich nicht festhalten. Sondern sofort wieder loslassen. Sonst trage ich nämlich eine Konserve mit und ich erfahre nie wieder etwas."

Das Sitzen in Meditation oder Zazen bleibt in Soto wie Rinzai die eigentliche Herzkammer des Zen-Weges. Allerdings wäre es nicht ganz richtig, in dem Zusammenhang von einer "Meditations-Technik" zu sprechen. Vielmehr bleibt das Sitzen letztlich ein Geheimnis.

Für dich, der du nicht länger vor deinem Leben weglaufen willst

"Man kann seinen Kopf nicht finden, wenn man wie wild in den Straßen herumrennt. All die Jahre bist du einkaufen gegangen, bist auf die Schnauze gefallen, warst eifersüchtig und hast mit Händen und Füssen um dich geschlagen. Jetzt setzt dich einfach hier hin. Wie lange bist du herumgeirrt, bis du an diesen Punkt gelangt bist. Die Endstation deines Lebens, da, wo es nicht mehr weitergeht. Der 'deep shit point' - das ist der Punkt, um den es bei der Buddhalehre geht."

Für dich, der du die Weisheit suchst

Wenn im Zen der ‚Anfängergeist' eine zentrale Rolle spielt, dann können die Meditationsmeister durchaus auch von den Anfängern lernen! Oder man kann sich auf Augenhöhe begegnen. Wie in der Geschichte der Freundschaft zwischen dem Sänger Konstantin Wecker und dem amerikanischen Zenmeister Bernie Glassmann.

Konstantin Wecker: "Ich sitze hier - und das habe ich auch dem Bernie immer wieder gesagt - ich bin kein Erleuchteter, kein guter Meditierer - wenn's das überhaupt gibt, gute und schlechte Meditation sollte man sich sowieso abschminken, das ist ja wieder ein Begriff aus der Leistungsgesellschaft, das hat in der Meditation gar nichts zu suchen. Aber ich meditier auch nicht lang, zwanzig Minuten, und dann auch nicht jeden Tag, weil wenn ich in der Nacht vorher getrunken hab, meditiert es sich sehr schlecht am Tag danach.

Ich versuche meistens - es gibt ne bestimmte Zen-Methode, einfach den Atem zu zählen bis zehn, eins zwei, obwohl ich schon beim vierten Durchgang nicht mehr weiß, ob die Sieben hinter der Sechs kommt, und dann erjagen einen natürlich die vielen sinnlosen Gedanken, die einen am laufenden Band quälen, ich singe auch, es gibt bei mir keine Meditationseinheit, bei der ich nicht chante. Wenn ich das morgens mache, ist es auch gleichzeitig ein bisschen ein Einsingen (lacht)...

Und meine Meditation ist natürlich auch das Improvisieren am Klavier. Ich setz mich hin ans Klavier und mir fallen Melodien ein. Es gibt Pianisten, die spielen viel besser als ich, aber denen fallen eben keine Melodien ein. Es ist ein besonderes Talent. Und ebenso ist es mit der Lyrik. Es kann manchmal Jahre dauern, wie jetzt vor der letzten CD 'Wut und Zärtlichkeit', sechs Jahre nichts geschrieben. Aber ich musste warten, bis etwas in mir geschrieben ist, und dann kommt es raus. - Das ist mein Zugang zur Spiritualität immer schon gewesen."


In Deutschland wird Bernie Glassman mit seinen Auschwitz-Retreats bekannt, wo die Zen-Adepten auf der Rampe sitzen, mit Kindern und Enkeln von Tätern wie Opfern, um sich dem Geist und den Geistern des Ortes auszusetzen. Glassman hat Auschwitz seinen unerbittlichsten Lehrmeister genannt. Und hier laufen auch die so unterschiedlichen Lebensläufe von Konstantin Wecker und Bernard Glassman zusammen.

"Heute weiß ich, dass es im Zen nicht nur um Erleuchtung geht. Erleuchtung ist noch nicht einmal das Wichtigste. Worum es wirklich geht, ist, Einsicht in die Einheit allen Seins und damit die Verbundenheit allen Lebens zu erhalten. Meine Schüler brauchen meine Unterstützung als Lehrer heute nicht mehr. Was sie brauchen, ist vielmehr jemand, mit dem sie einfach mal gemütlich zusammensitzen und über Gott und die Welt reden können. Sie brauchen ebenso wenig wie ich die Formalitäten der Schüler-Lehrer-Beziehung, sie brauchen keine weiteren Belehrungen, keine Verneigungen und keine Rituale. Ich möchte kein Zentrum mehr leiten, sondern ein offenes Haus haben, in dem mich Menschen, wann immer sie wollen, besuchen können. Wir halten ein Schwätzchen, essen gemeinsam was Leckeres und paffen dann gemütlich eine Zigarre zusammen."


Für dich, der du eher auf Punk stehst

Für Brad Warner, Jahrgang 1964, war Japan das gelobte Land. Nicht des Zenbuddhismus wegen. Sondern, weil es das Mekka ist für alle Fans von B-Movie-Monsterfilmen. Warner war als Bassist teil der Punkrockszene in Akron, Ohio. Und seine Formation Zero Defex die härteste, schnellste und lauteste Hardcore-Punk-Band überhaupt. Mit seinem Solo-Projekt "Drop the A-Bomb on Me" landete er sogar so was wie einen Hit, ehe er nach Japan geht, um als Animateur für "Godzilla" und "Ultraman" zu arbeiten. Und so wird Zen auch in Japan wiedergeboren: im Geist der Populärkultur.

Brad Warner: "Nichts ist heilig. Zweifel, an allem, ist absolut notwendig. Alles, egal wie großartig oder schön es sein mag, muss infrage gestellt werden. Je stärker ihr Glaube, desto schlimmer können Menschen sein. Und hier noch eine meiner Überzeugungen: Alles ist heilig. Jeder Grashalm, jede Küchenschabe, jedes Staubkorn, jedes Schlammloch vor einem Graffiti besprühten Lagerhaus ist Gott. Und wenn du dich nicht vor einem überfahrenen Tier verbeugen kannst, hast du kein Recht, in Leder gebundene Wälzer in bunten Glaskästen zu verehren. Alles ist profan. Du ziehst die Pogues den Backstreet Boys vor, doch das Universum tut das nicht. Sobald wir irgendetwas für heiliger halten als alles andere, fahren wir auf dem schnellsten Weg der Hölle entgegen."


Am Ende hat schon der Buddha so seine Lehre beschrieben: als ein Fahrzeug, das uns über den Fluss bringt. Am anderen Ufer angekommen wird man den Teufel tun, sich weiter damit zu belasten. Sokei-an:

"Auch im Zen akzeptiert man zuerst eine neue Ideologie. Als ich anfing, Buddhismus zu studieren, erschienen mir Zen und Buddhismus von meiner Warte aus so groß wie das ganze Universum. Sich selber finden ist ein sehr interessanter Prozess. Es ist eine wunderbare Arbeit. Heutzutage gebe ich ehrlich zu, dass Buddhismus und Zen nur einige alte Möbelstücke in der Ecke meines Geistes sind. Nun rede ich über Buddhismus und Zen in Vorträgen, doch wenn ich allein bin, spreche ich nicht darüber und denke auch nicht daran. Ich genieße meinen eigenen Geist heutzutage von morgens bis abends mehr als Zen und Buddhismus. Ich erfreue mich an etwas, das keinen Namen hat, aber ganz natürlich ist. Doch das ist ein Geschenk des Buddhismus, deshalb schätze ich seine Freundlichkeit sehr."

Literaturliste

Dogen Zenji's Shobogenzo
Die Schatzkammer der Erkenntnis des Wahren Dharma.
Theseus Verlag, Zürich 1977.

Kodo Sawaki
An Dich.
Angkor Verlag, Frankfurt 2011.

Shunryu Suzuki
Zen-Geist, Anfänger-Geist.
Unterweisungen in Zen-Meditation
Theseus-Verlag 2002.
"Was wir Ich nennen, ist nur eine Schwingtür, die sich bewegt, wenn wir ein- und ausatmen." Die Frage nach dem eigenen Geist oder Sein ist "Zen-Geist". Und mit der Suche nach dem eigenen Geist beginnt die Zen-Praxis, der "Anfänger-Geist". Shunryu Suzuki, einer der bedeutendsten Zen-Meister des 20. Jahrhunderts, lehrt die zentrale Botschaft des Zen: jeden Augenblick offen und neu zu erleben, frei von Gewohnheiten und Vorstellungen.

Taisen Deshimaru
Autobiographie eines Zen-Mönchs
Theseus-Verlag 1986

Jan Willem van de Wetering
Der leere Spiegel.
Erfahrungen in einem japanischen Zen-Kloster.
Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1981.

Leonard Cohen
Buch der Sehnsüchte
Blumenbar-Verlag, München 2008
Das Buch der Sehnsüchte entstand größtenteils während eines fünfjährigen Aufenthalts von Leonard Cohen in einem zen-buddhistischen Kloster auf dem Mount Baldy im Süden Kaliforniens. Dort wurde er 1996 unter dem ironischen Namen Jikan - der Stille - zum Mönch ernannt. Die erstmals auf Deutsch veröffentlichte Sammlung von Gedichten, Epigrammen, Zen-Sprüchen, Songs und Essays wird ergänzt durch Zeichnungen und handschriftliche Texte eines der größten Singer/Songwriter der Gegenwart. Ein poetisches Werk von höchstem Rang. Leonard Cohens erstes neues Buch seit 20 Jahren ist ein Gesamtkunstwerk: Gedichte und Zeichnungen des bekennenden Zen-Mönchs und berühmten Bohemiens.Cohens Lyrik ist subversiv und träumerisch, lakonisch und radikal. Ein Buch über Männer und Frauen, Meditation und Zigaretten, Lieben und Sterben, über Sehnsüchte und das Selbst. The New York Times.

Konstantin Wecker / Bernhard Glassman
Es geht ums Tun und nicht ums Siegen
Kösel-Verlag, München 2011
Bewegte Zeiten: Was gestern noch unvorstellbar schien, kann heute schon Realität sein, was heute gilt, hat vielleicht morgen schon keinen Bestand mehr. Immer mehr Menschen fragen sich: In welcher Welt wollen wir leben? Können wir noch so weitermachen wie bisher?
Konstantin Wecker, der sich seit Jahrzehnten auf und hinter der Bühne für Zivilcourage und soziale Gerechtigkeit einsetzt, und Zen-Meister Bernard Glassman, eine der eindrucksvollsten Persönlichkeiten des sozial engagierten Buddhismus, machen sich auf die Suche nach Antworten. Bernie Glassman gilt dabei als einer der rebellischsten und kreativsten Freigeister des Zen. Lieber als in die Meditationshalle geht er in die Elendsviertel der Großstädte oder führt Menschen zum Meditieren nach Auschwitz.
Die zwei Männer verbindet viel: ihre geradezu ungebändigte Kraft, sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen. Eine durch Krisen und Schicksalsschläge gereifte Lebenserfahrung. Und die Erkenntnis, dass wir einzig durch liebevolles Handeln und tätiges Mitgefühl die Welt verändern können.
Die beiden Rebellen entwerfen die Vision einer Revolution aus Liebe: eine leidenschaftliche Anstiftung, sich einzumischen und aktiv zu werden.
Liedermacher meets Zen-Meister: Zwei Rebellen und ihre Anstiftung zum Einmischen
Zwei leidenschaftliche Kämpfer für mehr Gerechtigkeit: Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit

Abt Muho
Zazen oder der Weg zum Glück.
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2008
Abt Muho geht der Frage nach, was den Kern des Glücks ausmacht. Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben in jedem einzelnen Augenblick mit Glück zu erfüllen. Anhand seiner Lebensgeschichte und mit vielen Beispielen aus dem Alltag des Zenklosters Antaiji erläutert Muho, wie wir mit Hilfe des Zazen unser Leben bereichern können.

Brad Warner
Hardcore Zen.
Punk Rock, Monsterfilme & die Wahrheit über alles.
Aurum-Verlag, Bielefeld 2010
Alles außer Erleuchtung! So könnte man Brad Warners provokatives Zen-Buch umreißen. Hinterfrag' Autorität. Hinterfrag' die Gesellschaft. Hintrerfrag' die Realität. Hinterfrag' dich selbst. Hinterfrag' deine Schlussfolgerungen, deine Urteile, deine Antworten. Und wenn du alles gründlich hinterfragt hast, wird dich die Wahrheit vielleicht spontan am Kopf treffen... Aber sie wird nicht das sein, was du erwartest. Ein Buch für eine neue Generation von Buddhisten!

Brian Victoria
Zen, Nationalismus und Krieg.
Eine unheimliche Allianz.
Theseus-Verlag 1999

Arul M. Arokiasamy
Warum Bodhidharma in den Westen kam, oder: Kann es ein europäisches Zen geben.
Ch. Falk Verlag, Seeon 1995
Es gibt heute in der westlichen Welt viele Zen-Schulen, Zen-Stile und Meister. Welche davon sind legitim? Das Buch versucht Antwort auf die Fragen zu geben, es setzt sich mit den verschiedenen Zen-Richtungen auseinander, erläutert, was man unter dem dem westlichen Zen, dem japanischen und koreanischen zu verstehen hat.

Doris Zölls
Der Mond in der Silberschale
Zen, die Tiefe des Lebens erfahren
Theseus-Verlag, Berlin 2006
Doris Zölls, Myô-en An, Zen-Lehrerin der Sanbo-Kyodan-Schule und von Willigis Jäger als seine Nachfolgerin anerkannt, gibt in ihrem Buch eine zeitgemäße Einführung in den Zen-Weg. Sie beschreibt die drei Stationen des Zen-Weges, die gleichsam die Stationen jeglichen spirituellen Pfades sind: 1. Wir suchen unser wahres Wesen. Eine Suche, die darin mündet, dass wir uns selbst erkennen. 2. Wir finden unser wahres Wesen, so dass wir das Leben in seiner Tiefe leben und erfahren können. 3. Wir leben unser wahres Wesen, was bedeutet, dass wir unser Leben zu seiner Erfüllung bringen. Doris Zölls vermittelt das nötige Rüstzeug, das uns hilft, diesen Weg inmitten unseres alltäglichen Lebens mit Bodenhaftung, Gelassenheit und Offenheit zu gehen.

Willigis Jäger
Das Leben ist Religion.
Stationen eines spirituellen Weges
Kösel-Verlag, München 2005
Willigis Jäger - der weit bekannte spirituelle Lehrer - der viele Menschen begleitende Benediktinermönch und in neue geistige Horizonte vorstoßende Zen-Meister wird im März 2005 achtzig Jahre. Erstmals berichtet er in diesem Buch von den wesentlichen Stationen seines Lebens und spirituellen Weges. In existenziellen Entscheidungen und Aufbrüchen werden Konturen eines Lebens der Hingabe, der Öffnung und Kontemplation greifbar.

Willigis Jäger macht mit seinem Weg Mut, in der Begegnung der Kulturen und Religionen den gemeinsamen Wurzelgrund jeden Lebens zu entdecken. So wird sein Wagnis zum Modell: Spirituell Suchende erhalten Anregungen, auch in ihrem eigenen Alltag verlebendigende, religiöse und spirituelle Wege zu riskieren.

Karl Baier
Meditation und Moderne
Königshausen & Neumann, Würzburg 2009
In den vergangenen Jahrzehnten wurde Meditation weltweit zu einem Kernbereich moderner Spiritualität. Meditation und Moderne enthält die bisher ausführlichsten Analysen zur Geschichte dieses Phänomens.
Als Hintergrund wird der Wandel der spirituellen Praxis vom Hochmittelalter bis zur Etablierung des neuzeitlichen Paradigmas von Meditation in Westeuropa nachgezeichnet. Die für die Moderne wichtigen Innovationen entstehen zunächst im außerkirchlichen Bereich mit Schwerpunkten in Nordamerika und Asien. Eine Schlüsselrolle spielt dabei im 19. Jahrhundert der Mesmerismus, der Okkultismus und New Thought sowie den modernen Yoga beeinflusst. Gemeinsam mit der Körperkultur-Bewegung wird in diesen Strömungen die Basis für die moderne Meditationskultur gelegt.
Im 20. Jahrhundert setzen Reformbemühungen in den Großkirchen, in Philosophie und Psychotherapie den Trend zur Meditation fort. Das Bekanntwerden des Zen läutet die Meditationsbewegung der 1970er und 80er-Jahre ein, mit deren Darstellung das Buch endet.

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