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StartseiteSport am WochenendeDer öffentliche Druck ist nicht groß genug02.06.2011

Der öffentliche Druck ist nicht groß genug

FIFA-Sponsoren murren nur im Hintergrund über den Korruptionsskandal

Die Großsponsoren blicken mit Sorge auf die Korruptionsskandale rund um die FIFA - und sie hätten die Macht, Druck auszuüben.

Von Heinz Peter Kreuzer

Kein Unternehmen ist enger mit der FIFA verknüpft als adidas. (AP)
Kein Unternehmen ist enger mit der FIFA verknüpft als adidas. (AP)

Der Getränkehersteller Coca Cola kritisiert den Korruptionsskandal beim Weltfußball-Verband FIFA als erschütternd und schlecht für den Sport. Man erwarte, dass die FIFA die Lage angemessen und gründlich klärt. Ähnlich klingt es beim Kreditkartenkonzern Visa und der Fluglinie Emirates. Und Sportartikelhersteller Adidas verbreitete dieses Statement:

"adidas und FIFA blicken auf eine langjährige und erfolgreiche Partnerschaft zurück, die auch fortgesetzt werden wird. So wird adidas u.a. Offizieller Sponsor der Frauen-Fussball-WM in Deutschland in diesem Jahr und des FIFA World Cup 2014 in Brasil sein. Allerdings ist der negative Tenor der öffentlichen Debatte um die FIFA weder gut für das Image des Fußballs, noch der FIFA und seiner Partner."

Professor Christoph Lütge, der an der TU München Wirtschaftsethik lehrt, kommentiert das so:

"Es gibt auch von anderen Sponsoren Hinweise dazu, dass sie sagen, ihr müsst was ändern bei der FIFA, das muss natürlich stärker zum Ausdruck kommen als bei adidas hier."

Aber das wollen die Konzerne nicht. Denn als TOP-Sponsor der FIFA darf ein Unternehmen für 25 Millionen US-Dollar jährlich bei allen wichtigen Turnieren einschließlich der Weltmeisterschaft werben. Für Alexander Krause, Pressesprecher bei der Sponsoringberatung Sport+Markt, ein Engagement von unschätzbaren Wert, bei dem das Preis-/Leistungsverhältnis stimme.

"Für Unternehmen, die weltweit aufgestellt sind, gibt es keine bessere Plattform als die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Mit keiner anderen Veranstaltung erreicht man so viele Menschen über so einen langen Zeitraum. das heißt, wir haben ein vierwöchiges Turnier, das man schon Monate im Vorfeld mit kommunizieren kann, das rund um den ganzen Globus so viele Menschen interessiert und begeistert unabhängig davon, ob ihr Land qualifiziert ist oder nicht."

Eine dreiviertel Milliarde Menschen verfolgte beispielsweise die WM-Endrunde in Südafrika. Da überlegen sich Unternehmen schon sehr gut, ob sie eine Partnerschaft beenden. Denn die Konkurrenz wartet auf einen freien Platz und da wird dann auch mit harten Bandagen gekämpft. Als 2007 Visa den Konkurrenten Mastercard ablöste, trafen sich die Parteien vor Gericht. ein US-Gericht warf der FIFA unsaubere Geschäftspraktiken vor, aber Visa blieb Sponsor.
Unternehmen haben sich auch bei anderen Skandalen zurückgehalten, wie zum Beispiel beim Korruptionsskandal des Internationalen Olympischen Komitees Ende der 90er Jahre. Dieser führte zu zaghaften Reformen der Olympischen Bewegung, die Sponsoren agierten aber ähnlich wie jetzt bei der FIFA. Der Wirtschaftsethiker Professor Lütge meint dazu:

"Sicherlich ist es klar, dass man auch versucht, sein Engagement als Sponsor nicht für vorübergehende Probleme aufs Spiel zu setzen, man will sich ja schon langfristig zu engagieren da will nicht unbedingt negative Schlagzeilen. Aber ich glaube schon, das es hinter den Kulissen massiven Druck gibt."

Öffentlichen Druck von Seiten der Unternehmen macht Christoph Lütge von anderen Faktoren abhängig. Im Moment würden sich die meisten Menschen mehr für den Sport als für das Geschehen auf dem sportpolitischen Parkett interessieren. Wenn eine Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen werde, interessiere nur noch das Spiel.

"Nachhaltig, langfristig ändern wird sich sicherlich erst dann etwas, wenn die Öffentlichkeit stärker davon Notiz nimmt und stärker auch diese offensichtlichen Skandale, die dort passieren, als Problem ansieht. Ich glaube, das ein Wahrnehmungswandel in der Öffentlichkeit erforderlich wäre, dass sich wirklich mehr Sponsoren unter Druck sehen und Reputation möglicherweise gefährdet sehen."

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