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StartseiteDie neue PlatteDer rehabilitierte Kapellmeister17.04.2011

Der rehabilitierte Kapellmeister

Sonaten und geistliche Werke Johann Rosenmüller

Er gilt als der bedeutendste deutsche Komponist in der Zeit zwischen Schütz und Bach und hatte zu Lebzeiten großen Einfluss auf die musikalische Entwicklung in Deutschland: Johann Rosenmüller. Fast hätte ihm ein Skandal einen Strich durch seine Karriere gemacht.

Von Christiane Lehnigk

Notenblatt (Deutschlandradio / Bettina Straub)
Notenblatt (Deutschlandradio / Bettina Straub)
<p>&quot; Johann Rosenmüller<br />Sonata Ottava à 4<br />Gli Incogniti<br />Leitung: Amandine Beyer <br />CD <7> Ausschnitt &quot; <br /><br />Ein Unbekannter ist er inzwischen nicht mehr, in den letzten Jahren hat es einige Wiederveröffentlichungen seiner Werke gegeben, und ein Alte-Musik-Ensemble hat sich sogar nach ihm benannt. Dennoch warten noch viele Kompositionen auf ihre Entdeckung. Er gilt als der bedeutendste deutsche Komponist in der Zeit zwischen Schütz und Bach und hatte zu Lebzeiten großen Einfluss auf die musikalische Entwicklung in Deutschland: Johann Rosenmüller. Im sächsischen Vogtland geboren, erhielt Rosenmüller seine akademische Ausbildung an der Leipziger Universität und beim damaligen Thomaskantor Tobias Michael. Die Chancen standen gut, seinen bald kränkelnden Lehrer einmal zu beerben und zum Thomaskantor ernannt zu werden, war er doch schon als Lehrer an der Thomasschule und als Organist an der Nikolaikirche tätig. Eine erste Italienreise ließ ihn den modernen konzertierenden Stil kennenlernen, der ihn nachhaltig beeinflussen sollte.<br /><br />Doch dann kam ein Skandal dazwischen und machte alle Pläne zunichte. Rosenmüller wurde als Päderast und Sodomit bezichtigt und musste das Land schnell verlassen. So ging er über Hamburg nach Italien und mutierte dort zu Giovanni Rosenmiller, als der er am Markusdom in Venedig als Posaunist angestellt wurde und später, noch vor Vivaldi, am Waisenhaus für Mädchen, dem berühmten Ospedale della Pietà als 'maestro di coro' unterrichtete. In der Dogenstadt blieb er von 1657 bis 1682 und lernte den venezianischen Stil kennen, den er mit der ernsten, manchmal auch etwas schwerfälligen deutschen Musik auf ideale Weise zu vermischen vermochte. Rosenmüller stand aber weiter in Verbindung mit Deutschland, verschickte seine Kompositionen, unterrichtete deutsche Musiker, die sich auf "Fortbildung" befanden und war als Musikagent für deutsche Fürsten tätig. Diese Verbindungen verschafften ihm schließlich zu einer Rehabilitierung und er konnte als Kapellmeister nach Wolfenbüttel zurückkehren, wo er allerdings dann schon zwei Jahre später verstarb.<br /><br />Den Großteil seiner Werke machen geistliche Stücke und Instrumental-Sonaten aus. Unveröffentlichte Solo-Motetten hat Amadine Beyer in den Mittelpunkt ihres neuen Programms gestellt, bei dem Gli Incogniti erstmals mit Sängern zusammen arbeiten.<br /><br />Es ist eine geradezu zauberhafte Musik, hier mit reinen Streichern besetzt, abwechselungsreich, virtuos, aber dennoch bodenständig und mitunter sehr Opernhaft-dramatisch. <br /><br />'Beatus Vir?', so lautet der Titel der CD. Ob der Mann wirklich gesegnet ist, der seinen Köcher mit ihnen, seinen Söhnen gefüllt hat, die in ihrer Jugendzeit wie die Pfeile in der Hand eines Starken sind, diese Frage muss in dieser Psalmvertonung 'Nisi Dominus' von Rosenmüller offen bleiben. Es singt Raquel Andueza.<br /><br />&quot; Johann Rosenmüller<br />‘Nisi Dominus'<br />Raquel Andueza, Sopran<br />Gli Incogniti<br />Leitung: Amandine Beyer<br />CD <6> Ausschnitt &quot;<br /><br />Unbekannte sind sie nicht mehr, die Musiker des international zusammengesetzten Ensembles Gli Incogniti, das die Geigerin Amandine Beyer 2006 gegründet hatte. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich ein ganz eigener Musizierstil, der sich durch große Leichtigkeit, Präzision, Stilsicherheit und historisch geschulten Geschmack auszeichnet. Amandine Beyer kommt aus der Schule von Chiara Banchini, die sie inzwischen auf ihrem Lehrstuhl an der Basler Schola Cantorum 'beerbt' hat. Das, was sie an dieser Musik von Rosenmüller so fasziniert, sei die konzertante Behandlung der Gesangsstimmen, diese Extravaganz, Sensibilität und Virtuosität. Hören Sie hier noch einmal Raquel Andueza, diesmal zusammen mit dem Bass-Bariton Wolf Matthias Friedrich mit einem Ausschnitt aus der Motette ‘Salve mi Jesu'.<br /><br />&quot; Johann Rosenmüller<br />‘Salve mi Jesu'<br />Raquel Andueza, Sopran<br />Wolf Matthias Friedrich, Bass<br />Gli Incogniti<br />Amandine Beyer<br />CD <8>&quot;<br /><br />Ebenso, wie das Ensemble Gli Incogniti unter der Leitung der Geigerin Amandine Beyer haben auch 'I Fideli' bei ihrer Rosenmüller-CD geistliche Vokalwerke für ein bis drei Stimmen mit Sonaten vermischt und sogar vokale Concerti nur mit Instrumenten besetzt. Auch hier stehen die Kompositionen aus der venezianischen Zeit Rosenmüllers im Mittelpunkt, die den italienischen Stil auf so individuelle und farbenprächtige Art aufgreifen. Bei 'I Fideli' dominieren verschiedenartige Instrumente aus der Zink-Familie und Posaunen, meisterhaft gespielt von den Zinkenisten Josué Meléndez Peláez und Bork-Frithjof Smith sowie den Posaunistinnen Christina Hess und Catherine Motuz.<br /><br />Das folgende Duett, 'Surgamus ad laudes' wird in der instrumentalen Ausführung zu einer 'Sonata concertata' mit ausdrucksvollen rezitativischen Soli und motivisch dicht gearbeiteten Allegro-Abschnitten.<br /><br />&quot; Johann Rosenmüller<br />Surgamus ad laudes<br />Josué Meléndez Peláez, Zink<br />Bork-Frithjof Smith, Zink<br />Javier Núnez, Orgelpositiv<br />CD <3>&quot;<br /><br />Das Ensemble ‘I Fideli' hat die die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts in ihren Repertoire-Mittelpunkt gestellt. Es wurde ebenso wie 'Gli Incogniti' im Jahre 2006 gegründet. Hier war es das Ziel des Zinkenisten Josué Meléndez, die Literatur für sein Instrument in verschiedenen Kombinationen wieder zu beleben. Im 16. Jahrhundert waren Stadtpfeifer, Piffari, Ministriles und Town Waits in ganz Europa und der Neuen Welt verbreitet, in der typischen Besetzung mit verschiedenen Zinken, Pommer, Posaune und Dulzian. Im 17. Jahrhundert reduzierte sich das dann auf Zinken und Posaunen und die Bläser wurden dann auch in der Oper engagiert, oder bei festlichen geistlichen Konzerten eingesetzt, denkt man zum Beispiel an Monteverdis Marienvesper im Markusdom.<br /><br />Hören Sie zum Abschluss noch einen Ausschnitt aus dem groß angelegten ‘Laudate pueri Dominum' für Sopran, Countertenor und Bass, sieben Instrumente sowie Basso continuo mit Lorenza Donadini - Sopran, Javier Robledano Cabrera - Countertenor sowie, Lisandro Abadie - Bass. Den 112. Psalm hat Rosenmüller mindestens zehn Mal vertont, diese Fassung ist besonders brillant und farbenreich gestaltet mit einem flotten Dreivierteltakt und Koloraturen in den vokalen wie instrumentalen Stimmen.<br /><br />Das international zusammengesetzte Vokalensemble harmoniert sehr gut miteinander und gestaltet die jeweiligen Partien mit großem Gespür für die Musik der Zeit, allein die Countertenor-Partie könnte vielleicht etwas kräftiger besetzt sein.<br /><br />&quot; Johann Rosenmüller<br />Laudate pueri Dominum<br />I Fedeli<br />CD <8> Ausschnitt/Schluss &quot;<br /><br />Die Neue Platte im Deutschlandfunk, im Mittelpunkt standen heute Sonaten und geistliche Werke von Johann Rosenmüller mit 'Gli Incogniti' unter der Leitung der Geigerin Amandine Beyer, erschienen bei ZIG ZAG Territoires, sowie eine Pan Classics-Produktion mit 'I Fedeli', beide im deutschen Vertrieb von Note1. <br /><br /><strong>Diskografie:</strong><br /><br />Johann Rosenmüller <br />Gli Incogniti<br />Amandine Beyer <br /><em>Beatus Vir?<br />Motets & Sonates</em><br />Raquel Andueza, Sopran<br />Wolf Matthias Friedrich, Bass<br />Zig Zag <br />LC-10894<br /><br />Johann Rosenmüller<br />Lo Zuane Tedesco<br />I Fedeli<br /><em>Geistliche Werke & Sonaten</em><br />Panclassics</p>

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