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Seit 16:00 Uhr Nachrichten
StartseiteLange NachtDer Salzburger Lump21.01.2006

Der Salzburger Lump

Eine Lange Nacht über Wolfgang Amadeus Mozart

Am 28. Januar 1756 um halb elf Uhr mittags getauft, am vorhergehenden Tag um acht Uhr abends geboren: Johannes Chrysostomus Wolfgang Gottlieb, ehelicher Sohn; Eltern: der ehrenwerte Herr Leopold Mozart, Hofmusiker und Maria Anna Pertlin; Eheleute. So steht es im Taufbuch der Dompfarre zu Salzburg. "Das größte Wunder, dessen sich die Menschheit überhaupt rühmen kann", hatte das Licht der Welt erblickt.

Von Nora Bauer

Wolfgang Amadeus Mozart, Komponist (AP Archiv)
Wolfgang Amadeus Mozart, Komponist (AP Archiv)
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Das Mozartjahr

Mozarts Leben, vom in ganz Europa gefeierten Wunderkind bis zum Namenlosen, der als Fünfunddreißigjähriger in einem Armengrab ohne Grabstein verscharrt wurde, dieses Leben und sein Werk wurde in 150 Forschungsjahren beschrieben in mehr als 13.600 Büchern und Beiträgen. Der authentische Mozart ist unter dieser Fülle von Informationen, Interpretationen und Mythen kaum noch auffindbar.

"Der große Mozart", nannte ihn schon zu Lebzeiten sein Kollege Josef Haydn - "er war klein, hager, bleich von Farbe und außer der Musik war und blieb er fast immer ein Kind", schrieb die Schwester Maria Anna nach seinem Tod. Irgendwo dazwischen befindet sich Mozart, der Mensch. Allenfalls sind es Schnittmengen aus Zeitzeugenberichten, den Briefen des Vaters, den Antworten des Sohnes, an denen man sich auf der Suche nach seinem Wesen orientieren kann. Seine Werke, der Inbegriff des Schönen, des Vollkommenen, des Harmonischen, sind die meistgespielte, meistgeliebte Musik der Welt.

Die Deutsche Mozart-Gesellschaft (DMG) wurde 1951 in Augsburg, der Geburtsstadt Leopold Mozarts, gegründet. Die DMG widmet sich nach ihrer Satzung der praktischen und wissenschaftlichen Pflege des Werkes von Wolfgang Amadé Mozart, der Erforschung des Lebens und Schaffens des Meisters und seiner Familie und der Erhaltung und Förderung der Mozart-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere des Geburtshauses von Leopold Mozart in Augsburg.


Das Mozartjahr in Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur

Nora Bauers liebster Mozart-Satz (aus der Sendung)
(18.11.1780)
"Teufel! - kan wieder nicht alles schreiben was ich schreiben möchte!"


"Jede Generation hat eine neue Antwort darauf gefunden, wie Mozart klingen soll."
(Silke Leopold)

Silke Leopold, Direktorin des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Heidelberg:
"Wenn wir ein für alle Mal die richtige Mozart-Interpretation hätten, dann könnten sich die Nachgeborenen alle einmotten lassen. Es braucht niemand mehr ein Mozart-Streichquartett zu spielen oder ein Klavierkonzert, wenn wir wissen, es gibt die gültige Interpretation. ... Das Ganze ist ein lebendiges System, ... das daraus besteht, dass wir eine Musik haben, die auf Papier aufgezeichnet ist, die wir lesen können, aber die erst durch die klangliche Realisierung Musik wird ... und dadurch entsteht ein immer fortwirkendes lebendiges Band zwischen uns und den Komponisten der Vergangenheit."

Silke Leopold (Hrsg.)
Mozart-Handbuch
2005 Metzler Bärenreiter
Mozarts Werk und Leben. Das nach Gattungen geordnete Handbuch liefert einen umfassenden und detaillierten Einblick in das Gesamtwerk des Komponisten. Mozarts Schaffen wird zugleich in sein Leben, seine Zeit und die Musik- und Kulturgeschichte eingebettet. Ein Nachschlagewerk und Lesebuch in einem, das auf anregende Weise Einzelwerkbesprechungen und Überblicksperspektiven verbindet, Wissen zusammenfasst und überraschende Thesen und Darstellungsformen entwickelt. Eine innovative Annäherung an das Genie Mozart

Guten Morgen, liebes Weibchen!
Mozarts Briefe an Constanze.
Hrsg. u. komm. v. Silke Leopold
2005 Bärenreiter
"Guten Morgen, liebes Weibchen!" Ein kleiner, scheinbar achtlos hingeworfener Zettel auf dem Küchentisch, um die Langschläferin Constanze liebevoll zu begrüßen. Er ist das erste Zeugnis einer Ehe, die gewiss nicht im Himmel geschlossen wurde, aber dennoch fast neun Jahre lang vertrauensvolle Intimität und gesellschaftliche Sicherheit bedeutete. Um Constanze Weber zu heiraten und mit ihr eine Familie zu gründen, riskierte Wolfgang Amadeus Mozart sogar den Bruch mit seinem übermächtigen Vater.

Wir wissen wenig über das Zusammenleben des Paares in Wien, wenig über die Höhen und Tiefen dieser Ehe, aus der sechs Kinder hervorgingen. In den Briefen aber, die Mozart in seinen letzten Lebensjahren auf seinen Reisen nach Prag, Berlin oder Frankfurt an Constanze schrieb, wie auch in denen, die er ihr von Wien aus nach Baden sandte, wird die menschliche und auch die erotische Vertrautheit Mozarts mit seiner Frau lebendig.

Es sind Zeugnisse einer zärtlichen, fast verzweifelten Liebe, in der Mozart in Zeiten wachsender Einsamkeit und zunehmender gesellschaftlicher Isolierung Halt suchte.
Mozarts Briefe an Constanze werden hier zum ersten Mal in einer gesonderten Edition zusammengefasst, mit einem ausführlichen Kommentar versehen und in attraktiver Ausstattung präsentiert.

Silke Leopold, Robert Maschka
Who"s who in der Oper
2004 DTV Bärenreiter
Sie leiden und sie lachen, sie lieben sich, streiten, vergewaltigen und töten; und sie singen die ganze Zeit dabei: Figuren, die in Opernhäusern auf der ganzen Welt ihr Publikum fesseln und begeistern. Dieses ABC der Opernfiguren stellt alle wichtigen Handlungsträger aus vier Jahrhunderten vor, von Monteverdis ersten Meisterwerken bis zu Philip Glass. Die Autoren zeichnen die Verhaltensweisen und Handlungen der Figuren nach, charakterisieren die singenden Helden und zeigen, wie sich ihre Interpretation und Wesensbeschreibung im Laufe der Operngeschichte gewandelt hat. Mit einem Verzeichnis der Komponisten und ihrer Opern sowie einem Figurenregister.

Volkmar Braunbehrens, Literaturwissenschaftler:
"Mozart ist jemand, der immer mit seinem Publikum spielt. Also ich glaube nicht, dass man sich so Mozart vorstellen kann: der sitzt am Klavier und versenkt sich völlig in seine Komposition und nimmt von dem Publikum nichts mehr wahr. Diesen Typus gibt es ja von Interpreten. Sondern er ist eigentlich eher jemand, der ständig genauestens seine Wirkung beobachtet. Er hat ja sehr viel improvisiert und bei dieser Improvisation hat man den Eindruck, dass Mozart sozusagen versucht, Dinge anzuspielen und sofort zu sehen, wie geht das Publikum damit um. "

Veröffentlichungen:

Volkmar Braunbehrens, Karl-Heinz Jürgens
Mozart, Lebensbilder.
2005 Lübbe
Wolfgang Amadé Mozarts kompositorische Fähigkeiten, seine musikdramatischen Einfälle, seine künstlerische Imaginationskraft und sein unerschöpflicher Schaffensdrang waren ebenso außergewöhnlich wie sein – kurzes – Leben. Bis in die Gegenwart sind seine Quartette und Quintette, seine Konzerte, Sinfonien und Opern in den Konzertsälen und Opernhäusern der ganzen Welt zu hören. Und der geradezu gigantische Umfang seines vielfältigen Werkes macht es selbst Fachleuten schwer, es zu beschreiben und zu analysieren.

Alles an Mozart war so außergewöhnlich, dass der Mythos seines Lebens den prallbunten Film "Amadeus" zu einem überwältigenden Kinoerfolg machen konnte. Doch ist man damit Mozart näher gekommen? Wer war dieser ungewöhnliche Mensch wirklich, wie hat er gelebt, wie gearbeitet, wie empfunden und gefühlt? Seine wahre Person verschwand schon kurz nach seinem Tod in einem undurchdringlichen Legenden-Dschungel. In dieses Dickicht Schneisen zu schlagen, hat sich Volkmar Braunbehrens vorgenommen.

In fünf Kapiteln beschreibt der Autor die Jugendjahre und wichtigsten Lebensstationen Mozarts, die Entstehung seines Werkes, die Aufführungen der Opern, die Reisen, das Privatleben, Mozarts Beziehungen zu seinem Vater und Förderer Leopold sowie die verschiedenen Deutungsversuche seines Œuvres. Außerdem arbeitet er in allgemeinverständlicher Weise das heraus, worin die Musik Mozarts sich von der seiner Zeitgenossen unterschied, wo sie neue, revolutionäre Wege beschritt.

So entsteht ein facettenreiches, von tiefer Sympathie getragenes und ausschließlich an den uns heute zur Verfügung stehenden Informationen orientiertes Lebensbild, das fehlendes Quellenmaterial nicht durch Spekulationen ersetzt und das dazu zwingt, von zahlreichen lieb gewonnenen, aber falschen Vorstellungen Abschied zu nehmen.

Die über 230, großenteils farbigen Fotos dieses reich illustrierten Bandes hat Karl-Heinz Jürgens aufgenommen. Seine eindrucksvollen Farbaufnahmen und die zahlreichen historischen Bilddokumente führen dem betrachtenden Leser in seltener Fülle und Anschaulichkeit die Persönlichkeit Wolfgang Amadé Mozarts vor Augen. Sie vermitteln ein überaus lebendiges und in ihrer fotografischen Dichte einzigartiges Bild dieses genialen Komponisten und Musikers.

Volkmar Braunbehrens
Mozart in Wien
2006 Piper
Um das Leben Mozarts ranken sich unzählige Gerüchte und romantische Legenden. Mit dieser umfassenden Biographie des Musikers in seinem letzten Lebensjahrzehnt gelingt es Volkmar Braunbehrens, Mißverständnisse und Fehlinterpretationen aufzuklären und Auskunft zu geben über Mozarts Lebensumstände: Wie es sich denn lebte im Wien der damaligen Zeit, wie Mozart wohnte, wie er arbeitete. Anhand der Originalquellen entsteht so ein lebendiges Bild Mozarts, das einen selbstbewußten Menschen zeigt, weithin anerkannt, geschätzt und gut verdienend im Wien des Josephinischen Zeitalters.

Volkmar Braunbehrens
Salieri.
Ein Musiker im Schatten Mozarts,
Piper Verlag, Serie Musik

"Gemeint und geschissen ist zweyerlei."
Nora Bauers liebster Mozart-Satz, der aber in der Sendung nicht zu hören ist.

Mozart-Zitate aus der Sendung:

(17.10.1777)
"Wie saßen in einem Gastzimmer. ein gewisser Pater Emilian, ein hofärtiger Esel und ein einfältiger wizling seiner Proffeßion war gar herzig. er wollte immer seinen spaß mit dem Bäsle haben, sie hatte aber ihren spaß mit ihm - - endlich wie er rauschig war, welches bald erfolgte, sang er einen Canon und sagte, ich habe in meinem leben nichts schöneres gehört. ich sagte, mir ist leid, ich kann nicht mitsingen, denn ich kann von Natur aus nicht intoniren. das thut nichts, sagte er. er fieng wieder an. ich war der dritte. ich machte aber einen anderen text drauf, Pater Emilian: o du schwanz du, leck du mich im arsch. sotto voce: zu meiner base. dann lachten wir wieder eine halbe stunde. "

(10.5.1780)
"Liebstes, bestes, schönstes, liebenswürdigstes, reizendstes, von einem unwürdigen Vetter in Harnisch gebrachtes bässchen. oder Violoncellchen! – eine zärtliche Ode! –

Dein süsses Bild, O Bäschen,
schwebt stets um meinen Blick
allein in trüben Zähren
dass du – - es selbst nicht bist.
ich sehe es wenn der Mond
mir glänzt, seh ichs und – weine
dass du - - es selbst nicht bist.
Bey Jenen Thales Blumen
die ich ihr leesen will,
bey Jenen Myrtenzweigen
die ich ihr flechten will
beschwör ich deine Erscheinung
auf, und verwandle dich
Verwandle dich, Erscheinung
und werd – O Bääschen selbst.
finis coronat opus, Edler vom Sauschwanz. "

"Meine und unser aller Empfehlung an ihren herrn hervorbringer und frau hervorbringer – Nemlich an den der sich die Mühe gegeben hat, ihnen zu machen, und an diejenige die sichs hat thun lassen. Adieu – Adieu – Engel. Mein Vatter giebt ihnen seinen Onckelschen Seegen. und meine schwester giebt ihnen tausend Cousinische küsse. und der Vetter giebt ihnen das was er ihnen nicht geben darf. Adieu – Adieu – Engel. "

(28.9.1782)
"Wertheste Frau Baronin, - wegen dem schönen rothen frok welcher mich ganz grausam im herzen kitzelt, bittete ich halt recht sehr mir recht sagen zu lassen wo man ihn bekommt, und wie theuer, denn dass hab ich ganz vergessen, weil ich nur die schönheit davon in betrachtung gezogen, und nicht den Preis – denn so einen frok muss ich haben, damit es der Mühe werthe ist, die knöpfe darauf zu setzen, mit welchen ich schon lange in meinen gedanken schwanger gehe. – ich habe sie einmal auf dem kohlmarkt in der Brandauischen knöpffabrique vis a vis dem Milano gesehen. – diese sind Perlmutter, auf der seite etwelche weisse Steine herum, und in der Mitte ein schöner gelber Stein. Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist. – woher kommt es doch, dass die, welche es nicht im Stande sind, alles auf so was verwenden möchten, und die, welche es im Stande wären, es nicht thun?– i kiß your hands, and hoping to see you in good health the Tuesday i am your most humble servant Mozart. "

(vermutl. 1782)
"Guten Morgen liebes Weibchen! Ich wünsche, dass du gut geschlafen habest, dass dich nichts gestört habe, dass Du nicht zu jäh aufstehst, dass du dich nicht erkältest, nicht bückst, nicht streckst, Dich mit Deinen Dienstboten nicht erzürnst, im nächsten Zimmer nicht über die Schwelle fällst. Spare häuslichen Verdruss, bis ich zurückkomme. Dass nur Dir nichts geschieht! Ich komme um - Uhr etc. "

(4.4.1787)
"Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht mir immer in allen Dingen das schlimmste vorzustellen – da der Tod genau zu nemmen der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein Paar Jahren mit diesem wahren, besten freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein bild nicht allein nichts schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel beruhigendes und tröstendes! und ich danke meinem gott, dass er mir das glück gegönnt hat mir die gelegenheit zu verschaffen, ihn als den schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen. "

Einspielungen / Die Hit-Liste der Autorin:

Klavierkonzert Nr. 24 in c-moll, KV 491, Glenn Gould, CBC Symphony Orchestra, Ltg.: Walter Süsskind

Klavierkonzert Nr. 21 in C-dur, KV 467, Alfred Brendel, The Academy of St. Martin in the Fields, Neville Marriner

Gesamtaufnahmen:
Malcolm Bilson / John Elliot Gardiner, (historische Instrumente)

Sämtliche Klaviersonaten:

Glenn Gould, CBS 79501

Die sechs Haydn gewidmeten Streichquartette (Nr. 16 – 21) eingespielt vom Alban Berg Quartett

Opern:
Die Zauberflöte, Philharmonia Orchestra, Ltg. Otto Klemperer

La Nozze di Figaro, Wiener Philharmoniker, Claudio Abbado oder The Academy of St. Martin in the Fields, Ltg. Neville Marriner

Cosi fan tutte, Ltg. Georg Solti

Konzerte für Horn:

Herrmann Baumann, Solist (Naturhorn, historische Instrumente)

Buch-Empfehlungen zur Sendung:

Peter Gay
Mozart.
Biographie.
List Taschenbücher bei Ullstein
2005 List TB.

Volkmar Braunbehrens
Mozart in Wien
Piper-Verlag

Volkmar Braunbehrens
Salieri, ein Musiker im Schatten Mozarts
Piper

Hanns-Josef Ortheil
Mozart im Innern seiner Sprachen
Sammlung Luchterhand

Ivan Nagel
Autonomie und Gnade
Über Mozarts Opern

Bärenreiter
Hrsg.: Joseph Heinz Eibl und Walter Senn
Mozarts Bäsle-Briefe

Bärenreiter
Wolfgang Amadeus Mozart
Briefe
Diogenes Verlag

Ernst W. Heine
Wer ermordete Mozart? Wer enthauptete Haydn?
Mordgeschichten für Musikfreunde.
1986 Diogenes

Eduard Mörike
Mozart auf der Reise nach Prag
Diogenes Verlag

Howard C. Robbins Landon,
Wolfgang Amadeus Mozart
Höhepunkte eines Künstlerlebens
2005 Bassermann

H.C. Robbins Landon
1761 - Mozarts letztes Jahr
dtv/Bärenreiter

Hinweis auf noch folgende Mozart-Sendungen:
im DeutschlandRadio Kultur:
Die Zauberflöte mit fremden Klängen - acht neue musikalische Kommentare.
Von Nora Bauer, am Dienstag 24.1.2006, 00:05 Uhr
im WDR III:
Mozarts verliebte Mannsbilder
Von Nora Bauer, am Donnerstag den 26.1.2006, 23:00 Uhr

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