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Der Strom hängt durch

Nana Brink kämpft mit der Energieversorgung in Washington

Von Nana Brink

Elektrizität ist nicht überall in der Hauptstadt selbstverständlich
Elektrizität ist nicht überall in der Hauptstadt selbstverständlich (Jan-Martin Altgeld)

Es ist jedes Mal dasselbe. Ich steige aus dem Flugzeug und die Kiste mit meinen amerikanischen Tönen öffnet sich. Die Sprache, die Autos, die Polizeisirenen auf der Autobahn. Dann wie in jeder Wohnung, in der ich bislang gewohnt habe: die Klimaanlage, die plötzlich anspringt.

Die Eismaschine, die nachts um zwei Uhr Würfel produziert. Sicher kann man sie programmieren wie die Kaffeemaschine oder den Fernseher. Ich kann es nur nicht. Vorsicht (!) – nicht weil ich das "f... manual" nicht finde. Sondern heute heißt es: "no signal". Ich blicke aus dem Fenster und kann mir vorstellen, warum. Es liegt am Herbst-Sturm. Ich mache das Fenster auf.

Der Herbststurm hat meine amerikanische O-Ton-Box heute sehr bereichert. Die Bäume biegen sich geräuschvoll hin und her. Genau wie die Stromleitungen neben ihnen. Während die Bäume noch einigermaßen europäisch – oder soll ich sagen: global – klingen, verhält es sich bei den Stromleitungen völlig anders. Sie surren und sirren und seufzen, als wären sie wild entschlossen, ein neues Stück Musikgeschichte zu schreiben. Ich überlege schon, mein Mikrofon zu holen, um diese fantastische Tonmischung in meine Atmo-Box zu legen. Dann erlischt plötzlich das "no signal" am Display. Stromausfall.

Ich muss lachen. Angekommen! Bei meinem letzten längeren Aufenthalt in Washington fiel während einer Schlechtwetterperiode der Strom gern mal kurzzeitig aus. Oder auch mal länger. In der Hauptstadt der Supermacht. Knapp drei Kilometer vom Weißen Haus entfernt. Sicher haben die da Notstrom-Aggregate. Kann ja gar nicht anders sein. In der Hauptstadt der Google- und Apple-Supermacht. Mit den schnellsten Kampfjets und High-Tech-Soldaten, die aussehen, als kämen sie aus einem Science-Fiction-Film und nicht aus Afghanistan.

Dann mache ich das Fenster wieder zu und blicke auf die quasi stumm geschalteten, tanzenden Stromleitungen. Ich war noch nie in Neu-Delhi oder in Kalkutta, aber so stelle ich mir die Stromzufuhr in die Slums vor. Zwischen zwei Holz(!)masten baumeln armdicke schwarze und silberne Kabel. Sie hängen durch, verwickeln sich ineinander oder baumeln um die Stützen des nächsten Pfostens. Wenn der Fernseher ginge, könnte ich jetzt eine Karte mit orangefarbenen und feuerroten digitalen Sturmwolken sehen. "No signal".

Dafür sehe ich ein Kunstwerk. Eine Installation aus dahinfließenden Kabeln ... Okay, Okay. Der Stromausfall ist schon wieder vorbei.

PS: Stromausfälle in den USA sind keine Seltenheit. Die Ursache dafür sind weniger die Stürme, als die maroden jahrzehntealten Leitungen, die auch in der Hauptstadtregion zu größten Teils überirdisch laufen. Der letzte große Ausfall im Juni dieses Jahres ließ 1,5 Millionen Menschen bis zu zwei Tage ohne Strom.


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