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StartseiteDie neue PlatteDer vermeintliche Klang des Orients08.09.2013

Der vermeintliche Klang des Orients

Les Passions de l’Ame präsentiert österreichische Barockmusik aus der Zeit der Türkenkriege

"Die besondere Würze", so heißt das Programm, mit dem sich das Orchester für Alte Musik Bern, ‚Les Passions de l’Ame‘ unter der Leitung von Meret Lüthi vorstellt. Kurzweilig und mit großer Kenntnis der Musik der Zeit präsentiert das junge Ensemble Stücke von Biber, Fux und Schmelzer.

Mit Christiane Lehnigk

Statue des Kaisers Karl VI. im Prunksaal der alten Hofbibliothek am Wiener Josefsplatz. (picture alliance / dpa / Beate Schleep)
Statue des Kaisers Karl VI. im Prunksaal der alten Hofbibliothek am Wiener Josefsplatz. (picture alliance / dpa / Beate Schleep)
<p>‚Spicy‘ oder ‚Die besondere Würze‘, so heißt das Programm, mit dem sich das Orchester für Alte Musik Bern, ‚Les Passions de l’Ame‘ unter der Leitung von Meret Lüthi vorstellt. Die CD entstand im April dieses Jahres und kam in dieser Woche bei ‚Deutsche Harmonia Mundi/Sony Music Switzerland‘ heraus. Im Mittelpunkt steht ‚Exotische‘ Musik von Johann Heinrich Schmelzer, Andreas Anton Schmelzer, Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Joseph Fux, "Österreichische Barockmusik, gewürzt mit orientalischer Exotik, Virtuosität, Scordatura, programmatischen Ansätzen, Hackbrett und Schlagwerk, gespielt auf Violinen von Jacobus Stainer", so lautet der Untertitel des Programms. Im Studio begrüßt Sie dazu Christiane Lehnigk. <br /><br />&quot;1. MUSIK: Johann Heinrich Schmelzer<br />aus: ‚Die Fechtschule‘. Balletto a quattro<br />Aria 1, ‘13"<br />Les Passions de l’Ame<br />Leitung: Meret Lüthi<br />CD <1>&quot;<br /><br />Am Anfang des CD-Programms von ‚Les Passions de l’Ame‘ geht es noch, wie hier in der ‚Fechtschule‘ von Johann Heinrich Schmelzer, gesittet zu. Und die musikalischen Gemälde dieser virtuosen österreichischen Barockmusik steigern sich dann über Tierlaut-Imitationen bis hin zur Türkenschlacht. Es ist in der Tat exotische Musik für zum Teil umgestimmte Geigen und nicht alltägliche Begleitinstrumente, die das junge Ensemble aus Bern hier vorstellt. Das ist kein Novum im Schallplatten-Repertoire, aber eine mit viel Liebe und Frische gestaltete Einspielung, die zeigt, dass es um den Zustand der Alte-Musik-Szene nicht so schlecht bestellt sein kann, wenn junge Ensembles solch ein Niveau haben und sich mit großer Leichtigkeit einer solchen Musik widmen. Es ist eben kein swingender italienischer Barock, wenn auch solche berühmten Virtuosen wie zum Beispiel Biber von den bald in ganz Europa vorherrschenden Italienern beeinflusst war. Biber war Schüler von Vejvanovský und Schmelzer, wirkte erst am Hof des Olmützer Bischofs Karl des II. von Liechtenstein-Kastelkorn und dann in Diensten des Erzbischofs Max Gandolph Graf von Kuenburg in Salzburg. Von Kaiser Leopold dem I. wurde ihm für sein kompositorisches Werk ein Adelsprädikat verliehen. Zwischen Biber und dem bekannten Geigenbauer Jakobus Stainer soll es eine einflussreiche Begegnung gegeben haben, die, so das Ensemble, nicht ohne Folgen geblieben sein dürfte. Denn man kann davon ausgehen, dass Komposition und Bauart der Instrumente sich gegenseitig weitgehend beeinflusst haben dürften. ‚Les Passions de l’Ame‘ bekam für diese Aufnahme originale Instrumente vom Winterthurer Musikkollegium zur Verfügung gestellt, die von Stainer in den Jahren 1659 bis 1660 gebaut wurden und mit der Kompositionszeit der Stücke weitgehend übereinstimmen.<br /><br />Hier ein Ausschnitt aus Bibers ‚Sonata violino solo representativa‘, in der der Komponist die Sprache der Musik um die Klänge von Vögeln und anderen Tieren erweitert hat. Doch die Imitation war nicht in einem Notenbild abbildbar, vielmehr obliegt es dem Interpreten, sie nach Können und Geschmack auszufüllen, was Mereth Lüthi hier mit großer Finesse tut.<br /><br />&quot;2. MUSIK: Heinrich Ignaz Franz Biber <br />aus: Sonata violino solo representativa<br />2. Nachtigal<br />3. Cu Cu<br />4. Fresch<br />5. Adagio<br />6. Die Henn. Der Hann – Presto, 4‘35"<br />Les Passions de l’Ame<br />Leitung: Meret Lüthi<br />CD <11-15>&quot;<br /><br />Dies war ein Ausschnitt aus der ‚Sonata violino solo representativa’ von Heinrich Ignaz Franz Biber mit den Sätzen Nachtigal, Cu Cu, Fresch, Die Henn und der Hann. Es spielte das Ensemble ‚Les Passions de l’Ame‘ unter der Leitung der Geigerin Meret Lüthi. Meret Lüthi, die sowohl eine Ausbildung in moderner Violine wie in Barockgeige hat, gründete das Ensemble 2008, mit dem Wunsch, sich mit erfahrenen Spezialisten aus dem Bereich der Alten Musik bekanntem und unbekanntem Repertoire vor allem aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert zu widmen. Seinen Namen hat die Formation einem Aufsatz von René Descartes entnommen, in dem er die menschlichen Leidenschaften analysieren und wissenschaftlich erläutern wollte.<br /><br />Es scheint sie offenbar noch zu geben, die paradiesischen Zustände in der Schweiz, in denen sich wie hier die Stadt Bern ein Ensemble wie ‚Les Passions de l’Ame‘ hält und ihm auch eine eigene Konzertreihe zugesteht, davon können die meisten anderen europäischen Kollegen nur träumen. Neben den Natur- und Tierschilderungen gab es ein weiteres Faszinosum in der Musik des österreichischen Raums im 17., Anfang des 18. Jahrhunderts, und das war die Welt des Orients, insbesondere der als exotisch empfundenen türkischen Kultur und vor allem auch die Militärmusik der Janitscharen. Und so gibt es auch einen musikalischen Kommentar zur berühmten Türkenschlacht bei Wien 1683, der von Andreas Anton Schmelzer stammen könnte, einem Sohn Johann Heinrich Schmelzers, der unter anderem als musikalischer Berater Kaiser Leopold des I. fungierte. Die Türken waren über mehrere Jahrhunderte lang eine Bedrohung für die österreichische Metropole gewesen, aber die Kultur des osmanische Reiches faszinierte wiederum und ließ auch eine Reihe von Mythen entstehen. Die zweite Belagerung Wiens konnte erfolgreich beendet werden.<br /><br />Diese Sonate, bei der für die Violine auch eine Skordatur vorgesehen ist, um besondere Klangeffekte zu erzielen, ist eine Art Kontrafaktur der 10. Sonate ‚Rosenkranz-Sonate‘ von Biber, in der jetzt der Kreuzigung Christi die Türkenschlacht unterlegt wurde, mit einem neuen Siegeschoral am Schluss.<br /><br />&quot;3. MUSIK: Andreas Anton Schmelzer<br />aus: Sonata ‚Die Türkenschlacht bei Wien 1683‘ <br />Schluss (4.-8.Satz), 6‘38"<br />Les Passions de l’Ame<br />Leitung: Meret Lüthi<br />CD <26-30>&quot;<br /><br />Dies war ein Ausschnitt aus der Sonata ‚Die Türkenschlacht bei Wien 1683‘, zugeschrieben Andreas Anton Schmelzer. Das Orchester für Alte Musik Bern hat diese CD mit Werken von Biber, Fux und Schmelzer mit einer kleinen Besetzung eingespielt, das sind:<br /><br />Meret Lüthi – Leitung und Violine<br />Sabine Stoffer – Violine<br />Matthias Jäggi – Viola<br />Felix Knecht – Violoncello<br />Love Persson – Violone<br />Ieva Saliete – Cembalo und Orgel<br />Julian Behr – Theorbe und Barockgitarre<br />Margit Übellacker – Hackbrett und<br />Peter Kuhnsch – Schlagwerk.<br /><br />Das kurzweilige und mit großer Kenntnis der Musik der Zeit eingespielte Programm stellt auch noch ein weiteres Stück im vermeintlichen Stil des Orients vor, die Partita ‚Turcaria‘ von Johann Joseph Fux, der in Wien als Kapellmeister am Stephansdom und als kaiserlicher Hofkapellmeister wirkte. <br /><br />&quot;4. MUSIK: Johann Joseph Fux<br />aus: Turcaria. Partita a tre, K 331<br />Janitschara, 1’29”<br />Les Passions de l’Ame<br />Leitung: Meret Lüthi<br />CD <22>&quot;<br /><br />Die Neue Platte im Deutschlandfunk. Wir stellten Ihnen heute die CD des Orchesters für Alte Musik Bern, Les Passions de l’Ame unter der Leitung der Geigerin Mereth Lüthi vor. Die Aufnahme mit dem Titel ‚Spicy. Exotic Music for Violin‘ erschien jetzt bei Deutsch Harmonia Mundi/ Sony Music Switzerland.<br /><br /><br /><strong>Spicy. ‚Exotic‘ Music for violin<br />Biber. Fux. Schmelzer</strong><br />Les Passions de l’Ame<br />Meret Lüthi<br />DHM / Sony Music Switzerland 88883748742</p>

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