Kalenderblatt / Archiv /

 

Der vermutlich wichtigste deutsche Komponist seiner Zeit

Vor 400 Jahren ist der Komponist Hans Leo Haßler gestorben

Von Wolfram Goertz

Der Komponist Hans Leo Haßler
Der Komponist Hans Leo Haßler (Wikipedia/portrait.kaar.at)

Er war um 1600 einer der berühmtesten Komponisten Europas: Hans Leo Haßler. Der gebürtige Franke, der in Venedig studiert hatte, schrieb neben Chorliedern, die zu seiner Zeit in aller Munde waren, auch prachtvolle Messen.

Wir hören hier ein Cembalo, das Franciscus Patavinus im 16. Jahrhundert gebaut hat, es befand sich früher im Besitz der berühmten Familie Fugger in Augsburg. Jetzt wird es im Deutschen Museum in München aufbewahrt. Und wir hören die Variationen über das Lied "Ich gieng einmal spatieren", komponiert von einem Mann, der dieses Instrument damals ziemlich sicher selbst gespielt hat, denn er war seit 1585 Kammerorganist bei den Fuggers gewesen: Hans Leo Haßler.

Dieser Haßler war der vermutlich wichtigste deutsche Komponist zu seiner Zeit. Er schrieb das Chorliedwerk "Lustgarten neuer deutscher Gesänge", schrieb Madrigale und Tänze. Als Mann der Kirche komponierte er für die katholische Kirche prachtvolle Messen und Motetten und er bereicherte den evangelischen Kirchengesang durch weltliche Melodien, die später ein geistliches Gewand angelegt bekamen. So geht Johann Sebastian Bachs Choral "O Haupt voll Blut und Wunden", rhythmisch vereinfacht, in direkter Linie auf Haßlers Liebeslied "Mein G’müt ist mir verwirret" zurück.

Haßler, 1564 in Nürnberg geboren, war ein waschechter Franke und hatte Eltern, die ihren Kindern qualifizierten Musikunterricht angedeihen ließen. Das machte sich bezahlt: Hans Leo ging zuerst zu dem berühmten Leonhard Lechner, der wahrlich nicht jeden als Schüler akzeptierte; als er 20 Jahre alt war, zog es ihn nach Venedig zu den Brüdern Andrea und Giovanni Gabrieli. Danach konnte Haßler alles. Und diese Kompetenz war extrem wichtig, denn ohne es zu ahnen, befand sich Haßler in einer musikgeschichtlich exponierten Phase – dem Übergang von der späten Renaissance hin zur opulenten Klangwirkung des Frühbarock. Aber es gab auch schon erste Zeichen des schlichten Lieds. Wer mal in einem Schulchor gesungen hat, kam an "Tanzen und Springen" nicht vorbei, dessen rhythmischer Witz eingängig wie ein Ohrwurm ist. Seit vielen Jahren befindet sich das vitale Kleinod im Repertoire der King’s Singers.

Nach dem Fortgang aus Augsburg wirkte Haßler in Nürnberg als Organist an der Frauenkirche, ging dann nach Ulm und wurde 1608 in Dresden "Musikus und Kammerorganist" des Kurfürsten Christian II. von Sachsen. 1612 reiste er mit dessen Nachfolger, Johann Georg I., zur Wahl des Kaisers Matthias nach Frankfurt am Main, wo er am 8. Juni an Tuberkulose starb.

Mit einigen Werken formulierte Haßler Ansprüche, die über seine Zeit weit hinausgingen: Jene Cembalo-Variationen über "Ich gieng einmal spatieren" reichen in ihrer Dauer von 42 Minuten weit über sein Jahrhundert hinaus. Alle haben es gekannt und heimlich bewundert, Sweelinck, Scheidt, Pachelbel und vermutlich auch Johann Sebastian Bach, dessen "Goldberg-Variationen" an Haßler wie im Flug über die Zeiten anknüpfen.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kalenderblatt

Insel SamoaKaiserliche Polizeitruppen in Übersee

Blick auf Apia - Samoa, 2014

1899 einigten sich die drei konkurrierenden Kolonialmächte Deutschland, Amerika und Großbritannien über eine Aufteilung Samoas, bei der West-Samoa an Deutschland fiel und am 1. März 1900 offiziell deutsche Kolonie wurde. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges war es dann schon wieder vorbei mit Deutsch-Samoa.

Komponist Anatoli LjadowHochbegabter Faulpelz der Musikgeschichte

Eine Geige, eine Flöte, eine Mundharmonika und ein Banjo liegen auf einem Notenblatt.  

Der russische Komponist Anatoli Ljadow, der heute vor 100 Jahren gestorben ist, trägt wohl selbst die Schuld daran, dass er heute nicht zu den ganz Großen zählt: Seine legendäre Faulheit stand ihm immer im Weg. Ljadow zog es vor, den Müßiggang zu pflegen.

Vor 350 Jahren Die Französische Ostindienkompanie wurde gegründet

Undatierte Radierung von Ludwig XIV., dem König von Frankreich (1643 bis 1715).

Seit Beginn des 16. Jahrhunderts bereisten Schiffe aus Europa die Weltmeere, um in Asien Handel zu treiben, zum Beispiel die Ostindienkompanien der Niederländer und der Briten. Auch Frankreich wollte ein Stück von diesem profitablen Kuchen abbekommen und gründete 1664 die Französische Ostindienkompanie.