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StartseiteBüchermarktDer Zirkusbrand. Eine wahre Geschichte28.07.2003

Der Zirkusbrand. Eine wahre Geschichte

Deutsch von Thomas Gunkel

Am Anfang des Buches sieht man die Reproduktion eines historischen Plakats: Ein lachender Clown wirbt für den "Ringling Bros and Barnum & Bailey Circus", der zwei Tage in Hartford gastiert, einer Stadt im US-amerikanischen Connecticut. Aus diesem Anlass präsentiert das Unternehmen nichts Geringeres als "The Greatest Performance in the History of THE GREATEST SHOW ON EARTH" - "Die größte Darbietung in der Geschichte der größten Schau auf Erden". Aufgeführt werden soll das circensische Wunder am 5. und 6. Juli des Jahres 1944. Die Vorstellungen sind für den Nachmittag und für den Abend angesetzt. Tatsächlich ist der Zirkus berühmt für seine staunenswerten Sensationen: es gab - und dies nur unter anderem - ein von Strawinsky komponiertes Elefantenballett, den Riesengorilla Gargantua, der zweimal täglich in der Manege seiner Braut M´Toto angetraut wurde, und das Nonplusultra der Drahtseilakrobatik, die seiltanzende Familie Wallenda.

Hartmut Kasper

Die Geschichte spielt im Krieg. Arbeitskräfte sind knapp, Benzin auch. Die amerikanischen Zirkusse konkurrieren mit der Kriegsschau der Streitkräfte, in der Panzer, Flugzeuge und Haubitzen vorgeführt werden, um zum Zeichnen von Kriegsanleihen zu ermuntern.

Zwei Jahre vor dem Gastspiel in Hartfort hatte der Zirkus gebrannt. Viele Tiere waren dabei verendet, das Zelt vernichtet, aber man hatte bei Segelmachern ein neues anfertigen lassen: das - wie der Zirkus sagte - größte Zelt der Welt.

Und dies neue Zelt war, wie das abgebrannte zuvor, wasserundurchlässig gemacht worden mit achttausend Kilogramm Paraffin und zwanzigtausend Liter bleifreiem Benzin - einer leichtentzündlichen Mischung.

Siebzig Zeltarbeiter hatten geholfen, das Wachs in großen Kesseln zu schmelzen, es mit Benzin zu verdünnen, mit Schaufeln umzurühren, die Mischung dann auf die ausgebreitete Leinwand zu gießen und sie mit dem Besen überall zu verteilen. Das Verfahren war billig und erfolgreich.

Dieses Zelt also wird nun in Hartfort aufgebaut:

Die Arbeiter (...) steckten rund um das Zelt die Seitenstangen ein und zogen dann die Leinwand mit Hilfe zweier Elefanten, die sich in ihr gepolstertes Geschirr stemmten, zu den Hauptmasten hinauf.

Die Mitarbeiter kleben Plakate, verschenken Freikarten, und so werden alle Vorbereitungen getroffen für die größte Katastrophe in der Geschichte des Staates Connecticut. Bis zum Abend werden 169 Menschen, überwiegend Frauen und Kinder, tot sein: verbrannt, zerquetscht, zu Tode getrampelt. Etwa ein weiteres halbes Tausend verletzt, für ihr restliches Leben gezeichnet.

Stewart O´Nan wurde 1961 in Pittsburgh geboren. Seine erster Roman, "Engel im Schnee", brachte ihm den William Faulkner-Preis ein. In seinem früheren Leben als studierter Maschinenbauer hatte er die Flügel der Space Shuttles auf ihre Belastbarkeit getestet. Nun testet er die Haltbarkeit von Menschen. Jedenfalls erläuterte er seinen literarischen Beweggrund in einem Interview so:

Ich will sehen, wie lange Menschen brauchen, bis sie an ihre Grenzen kommen. Und was sie dann machen.

Der Zirkusbrand von Hartfort gehört zu den beispiellosen Unglücksfällen, wie sie sich einer ganzen Nation ins Gedächtnis prägen. Den prominentesten unter diesen Katastrophen liegt oft etwas wie ein Paradox zu Grunde: die unsinkbare Titanic versinkt im eisigen Wasser, das triumphale technische Fluggerät - wie die Hindenburg oder die Challenger - versagt vor aller Augen und geht in Flammen auf. Das Vergnügen schlägt in Grauen um.

Nachdem die erste Abendvorstellung glücklich über die Bühne gegangen ist und gute Presse hatte, füllt sich das Zelt zur Nachmittagsvorstellung am Donnerstag. Das Zelt fasst etwa 9000 Menschen. Der Sommer ist heiß, man kaut Popcorn, blättert im Programmheft, spielt mit dem angeleinten Chamäleon, das man für 50 Cent beim Bauchladenverkäufer erworben hat.

Das Programm beginnt mit einer Raubtierdressur-Verulkung, in der ein Dutzend beinfrei auftretender Ballettmädchen als Tierbändigerinnen verkleidet sich um einen einzelnen Mann im Löwenkostüm bemühen. Daran schließt eine echte Dschungelkatzennummer an; als nächstes gehen die Wallendas auf ihr Seil. Und dann beginnt das Feuer.

Das Feuer loderte noch an der unbehandelten Zeltwand hinter der südwestlichen Seitentribüne, (...) ungefähr zwei Meter über dem Boden. (...) Drei Platzanweiser von der Nordseite liefen hinter die Seitentribüne und schnappten sich die darunter stehenden Wassereimer. (...) Der Platzanweiser, der als Erster eintraf, nahm einen und versuchte zu löschen, doch das Wasser schwappte nur bis zum unteren Rand der Flammen. Er richtete nichts aus. Das Feuer war auf Augenhöhe, einen Meter breit und anderthalb Meter hoch. Ein weiterer Platzanweiser versuchte sein Glück, dann noch einer. Der Dritte schüttelte den letzten Schwall auf die Leinwand, aber das Feuer war schon außer Reichweite. Die Männer versuchten, die Seitenwand herunterzuziehen. Es war zu spät; die Flammen hatten das Dach erreicht (...). Jetzt konnte man den Leuten auf dieser Seite nur noch helfen, nach draußen zu kommen.

Die Wallendas bemerken den Brand und brechen ab, das Orchester stimmt außerplanmäßig "The Stars and Stripes Forever" an und wird es spielen, bis die Flammen seine Tribüne erreicht haben, die Zuschauer werden zum Verlassen des Zeltes aufgefordert. Die meisten schaffen es unbehelligt, sehr viele aber nicht.

O´Nan schildert das Inferno distanziert. Feuer und Panik werden nicht meditiert, sondern genannt. Die Aufzählung der Geschehnisse wird mit Zitaten aus psychologischen und soziologischen Untersuchungen zum Thema Verhalten in der Masse und Massenpanik untertitelt.

"Demoralisierung" heißt demnach ein Fachterminus für diesen Zusammenbruch grundsätzlicher menschlicher Maßstäbe, wie sie beispielsweise gebieten, dass man in einer lebensbedrohlichen Lage eine Mutter mit zwei kleinen Kindern an der Hand nicht von ihren Kindern trennen soll, um sich selbst Durchgang zu verschaffen, die Kinder noch zu Boden stürzen lässt und zu Tode tritt. Dergleichen geschieht jetzt dutzendfach , und was O´Nan nun im Einzelnen berichtet, ist bei aller Distanziertheit seiner Darstellung nur schwer zu ertragen.

Wenn die Sessel kippen, Kinder mit den Beinen in die Löwengitter rutschen, Menschen in der Gluthitze schläfrig werden und endlich ohnmächtig, die langen Haare Feuer fangen, das Zelt sich teils in Fetzen und aus eigenem Feuerantrieb in den Himmel erhebt, zu größeren Teilen aber in Flammen auf die in der Masse gefangenen Menschen stürzt und sie unter sich begräbt, die Pauken in der Hitze platzen, dann ist man als Leser froh um jeden Helden. Und auch von denen hat O´Nan reichlich: Männer, Frauen, Zirkusangestellte, die das Leben anderer unter Bedingungen retten, die schon nicht mehr wirklich anmuten. Und so endet es:

Die Flammen fraßen sich prasselnd, mit dem leisen Rauschen aufkommenden Windes, über die mit Paraffin beschichtete Leinwand. Die Gebete verstummten, und dann waren nur noch Schreie zu hören. Die Leute draußen waren wie gelähmt, als sie hörten, wie Frauen und Kinder stöhnten und um ihr Leben schrien. (...) Mehrere Überlebende sagten, die Schreie der bei lebendigem Leib verbrennenden Tiere würden sie ihr ganzes Leben nicht vergessen. Doch es sind gar keine Tiere verbrannt.

O´Nan hat diese Handlungen und Ereignisse nicht erfunden. So ist das Buch auch kein Roman, sondern, wie es im Untertitel heißt, "Eine wahre Geschichte". Als er nach Hartfort zog, stellte er fest, dass es kein Buch über den Zirkusbrand gab, und das habe er nicht richtig gefunden:

Wenn ich mich entschied, das Buch zu schreiben, übernahm ich die Verpflichtung, die Geschichten Hunderter von Überlebenden zu erzählen. Ich würde - und dieser Gedanke war mir ziemlich unangenehm - der Hüter des Brandes werden, von dem stillschweigend erwartet wurde, dass er die Geschichte erzählt und sie durch seine Erzählweise, durch seine schriftstellerischen Entscheidungen, seine Interpretation des Brandes zugleich mit Bedeutung erfüllt.

O´Nan entscheidet sich für das Projekt, denn er liebt die Recherche, so sehr, dass seine Frau wissen will, er schreibe Bücher überhaupt nur, um einen Vorwand für Nachforschungen zu haben. Und über den Zirkusbrand gibt es viel zu recherchieren. Also annoncierte er in einer Zeitung, er suche Menschen, die ihm etwas über die Geschichte des Brandes erzählen könnten. Innerhalb von zwei Wochen erhielt er 500 Antworten.

Durch diese vielen Erinnerungen zerfiel das große Ereignis, wie O´Nan bemerkte, in ein Puzzle. Als die Historikerin Barbara Tuchman vor 25 Jahren ihr Buch "Der ferne Spiegel" schrieb, das große Portrait des 14. Jahrhunderts, da setzte sie, um das "Thema in den Griff zu bekommen", das Leben einer authentischen Person zum Medium der Untersuchung ein, einen gewissen Herrn de Coucy, den "erfahrensten und klügsten Ritter Frankreichs". Den Zirkusbrand durch solch eine Hauptfigur zu begreifen, hatte zwischenzeitlich die Schriftstellerin Mary-Ann Tirone Smith mit ihrem Buch "Masters of Illusion: A Novel of the Connecticut Circus Fire" versucht; sehr erfolgreich war sie nicht.

Auf die Frage, ob er sich das neue Buch verfilmt vorstellen könnte, antwortet O´Nan:

Hollywood hängt an der Vorstellung vom Großen Helden - dieses Buch hat so etwas nicht. Es ist ein Buch über jeden.

Und so verzichtet O´Nan denn auf einen Protagonisten und damit auf die Bündelung aller Geschehnisse in einer Lebensgeschichte. Zwar steht dem Hauptteil des Buches eine Liste mit 34 Hauptpersonen voran, die in Familien sortiert sind. Aber diese 34 Menschen sind nicht das komplette Ensemble der Tragödie. Sie tauchen erst im Horizont des Brandes auf oder kurz davor: auf dem Weg zum Zirkus, auf dem Parkplatz, an den Kassenhäuschen. Und die meisten von ihnen gehen im Brand unter, so wie ungezählte andere, aber anonyme Personen auch, die nur einen Absatz oder einen einzigen Satz haben, Mikrobiographien, die mit Subjekten einsetzen wie "ein Mann", "eine Frau", "ein Kind", "jemand".

Dazu kommen Scharen von Mitspielern: die Zirkusleitung, Artisten, Tribünenarbeiter und Tierpfleger; Bürgermeister, Polizisten, Feuerwehrleute; Priester, Ärzte und Krankenschwestern; Journalisten, Pressefotographen, Rechtsanwälte, Kriminalbeamte und mögliche Brandstifter.

Der Effekt ist frappierend: Die biographischen Fragmente greifen zu kurz, als dass der Leser eine Beziehung zu ihnen aufbauen könnte wie zu einer plastischen Romanfigur. Wie ihre entstellten Leiber, wird ihr Leben nur momentan und als Torso sichtbar, und von manchen erscheint nur die Hand, die im Gewühl entgleitet, ein ausgebrannter Schädel, ein abgerissener Fuß. Mitleid kommt kaum in Frage, es bleibt nichts als Entsetzen.

Der Sog der Erzählung entwickelt sich langsam, doch unwiderstehlich; eine Strömung, aus der keine einzelne Figur herausragt, an der man sich als Leser festhalten könnte. Und allein gelassen in den ungezählten Desastern verliert man bald jede Orientierung. Bis endlich, in den Notaufnahmen der Krankenhäuser und in der Leichenhalle, etwas wie Ordnung zurückkehrt in eine versehrte Realität.

Etwa die Hälfte des Buches ist diesem einen, katastrophalen Tag gewidmet. O´Nan listet auf, kommentiert, korrigiert wie ein auktorialer Erzähler die Irrtümer der Zeitzeugen, zitiert aus der Zeitung, die am nächsten Tag neben dem Zirkusbrand meldet, dass in Hamburg 41.385 Menschen einem Bomberangriff zum Opfer gefallen sind, ohne das örtliche Unglück dadurch zu relativieren.

Und er hat einen Ton gefunden, der so wenig expressionistisch wie naturalistisch klingt, selbst da weder schamlos noch obszön wird, wo es an die Beschreibung der vom Feuer verzerrten, veränderten, ineinander geschmolzenen Leichen geht.

Das große Feuer hat nicht nur sein Nachspiel in der Leichenhalle, sondern etliche Nachspiele: bei der Polizei, die gegen die Zirkusleitung, deren Mitarbeiter und der Brandstiftung Verdächtige ermittelt; in den Biographien der Überlebenden; besonders aber in der Geschichte jenes unbekannten toten Mädchens, dessen Gesicht nach und nach zum Gesicht des Zirkusbrandes werden sollte.

Sechs der 169 Toten nämlich sind nicht identifiziert worden, darunter eben jenes Kind, das unter einer Ziffer geführt und so als "die kleine Miss 1565" bekannt wird.

Sechs Jahre alt, (...) weiße, blaue Augen, ein Meter sechzehn, 18 Kilogramm, einigermaßen gut entwickelt, 52 Zentimeter Kopfumfang, blondes oder helles schulterlanges, lockiges Haar. Alle Milchzähne vorhanden bis auf die mittleren Schneidezähne unten (...). Braune Schuhe, geblümtes Kleid.

In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden sich immer wieder Menschen um das schöne tote Mädchen kümmern, dessen Gesicht nur auf einer Seite verbrannt ist, und in Erfahrung zu bringen suchen, wer sie war.

O´Nan geht den Spurensuchern nach, die der kleinen Miss die Treue halten. Er zeigt sie am Grab des Kindes und lässt sie hier und da triumphieren. Freilich erweisen sich alle ihre Erfolgsmeldungen bald als vorschnell und trügerisch, und die Versuche, ihr eine Identität, schlagen fehl.

Schon den Leser eines Romans hätten derartige Leerläufe kaum zufrieden gestellt, und von einer Figur hätten sie mehr verlangt als das Vorhandensein aller Milchzähne bis auf die mittleren Schneidezähne unten, braune Schuhe, ein geblümtes Kleid.

Hier, in dieser willentlich wahren Geschichte, geht von solchen Geschöpfen im toten Winkel eine Beunruhigung aus. Zumal sich nach dem Hauptereignis nichts zu einem harmonischen Ganzen fügt, zu einem abgeschlossenen Fall, der zu den Akten könnte. Die losen Fäden werden nur noch loser.

So geht es auch im Fall von Robert Dale Segee, der verdächtig ist, das Zirkusfeuer gelegt zu haben. Segee bezichtigt sich allerlei Untaten, mal auf bloße Bitte der Polizei, mal unter Zuführung des Wahrheitsserums Natriumamytal. Er hat diverse Morde und etliche Brandstiftungen im Angebot. Allerdings erklärt er, unter dem Kommando eines roten Dämons zu stehen. Brennende Pferde galoppieren durch seine Träume, überhaupt träumt er viel. Irgendwann wird er einiger anderer Delikte wegen verurteilt, nach Jahren aus dem Gefängnis entlassen, und zieht sich mehr und mehr in eine surreale Privatwelt zurück, in der er unerreichbar wird für Menschen, die Interesse zeigen an der überprüfbaren Wirklichkeit.

Die Menschen, die an diesem Tag und in seiner Folge zusammen gekommen waren, gehen allmählich auseinander. Manche werden ihrer Narben wegen zu Attraktionen im Familienkreis, andere zu Prügelknaben auf dem Schulhof. Manche proben Normalität, andere führen der Verluste ihrer Kinder wegen fortan ein heilloses Leben.

O´Nan bleibt auch den Zirkusleuten auf der Spur, verfolgt, wie sie angeklagt, freigesprochen oder verurteilt, inhaftiert und wieder freigelassen werden, wie sie Karriere machen, Politiker werden, oder, wie die Wallendas, nacheinander von ihrem Hochseil abstürzen und sterben.

O´Nan beginnt die Zeit zu raffen und arbeitet sich mit zunehmendem Tempo in Richtung Gegenwart vor. 1975 geben Barnum & Bailey wieder ein Gastspiel in Hartfort, wenn auch nicht auf dem alten, inzwischen bebauten Gelände. Der Romancier resümiert am Ende: wir werden ...

... immer wieder den Wunsch haben, das Geschehene zu begreifen, Gerechtigkeit und innere Ruhe darin zu finden, dass wir die Ereignisse ordnen und dokumentieren.

Doch diese große, erkenntnistheoretisch-ethische Mission hat O´Nan seiner eigenen Einschätzung nach in diesem Fall nicht erfüllt:

Die Geschichte des Brandes ist anders. Betrachtet man sie genau, löst sich alles auf, fällt alles auseinander.

Die Rätsel bleiben ungelöst und ungemindert: Weder weiß man, ob der Brand, und wenn ja, von wem er gelegt wurde; noch ist die Identität der kleinen Miss 1565 festgestellt. Dennoch weist O´Nan seinem Unternehmen einen Gewinn aus:

Tot und vergessen zu sein - aus den Gedanken der Lebenden verbannt - ist eine uns allen gemeinsame und schreckliche Angst (...). Und so hat die kleine Miss das einzige Geschenk erhalten, das wir ihr machen können, ein Geschenk, das wir (...) letztlich alle gern bekämen: dass man sich an uns erinnert.

Natürlich lassen sich solche literaturmetaphysischen Ergebnisse kaum nachrechnen. O´Nans großes Werk über den Zirkusbrand bleibt denn auch ein literarischer Grenzfall: teils das völlig ungeschönte, akribisch horrende Tagebuch eines unvorstellbaren Tages, teils ein chaotisch anmutendes Konvolut.

Zweifellos aber gelingt es O´Nan, uns, die wir bislang beim Brand nicht zugegen waren, unausdenkbare Details und Bruchstücke von Leben ins Gedächtnis zu senken und so vor dem Vergessenwerden zu bewahren.

Und wenn dies, wie O´Nan ja meint, eine der Aufgaben des Künstlers ist, so ist dieses Buch große Kunst.

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