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StartseiteKommentare und Themen der WocheWenn getroffene Hunde bellen - einfach nicht zurückbellen!25.08.2017

Deutsch-türkische VerwerfungenWenn getroffene Hunde bellen - einfach nicht zurückbellen!

Sigmar Gabriel hat sich durch Pöbeleien seiner türkischen Ministerkollegen unnötigerweise aus der Reserve locken lassen, findet Gunnar Köhne. Es wäre politisch klüger, Berlin kehrte bald wieder zur alten Türkei-Haltung zurück: Hart in der Sache, aber ruhig im Ton.

Von Gunnar Köhne

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Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD, l) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Treffen im Juni 2016  (pa/dpa/AP)
Außenminister Gabriel ist derzeit so etwas wie der Lieblingsfeind Ankaras, kommentiert Gunnar Köhne (pa/dpa/AP)
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Ruhig, aber bestimmt antworten, vielleicht sogar freundlich dabei lächeln und dennoch ganz langsam die Daumenschrauben anziehen. Diese Taktik der Bundesregierung gegenüber den Anfeindungen Ankaras war bislang erfolgversprechend. Nicht zuletzt die Ankündigung von wirtschaftlichen Strafmaßnahmen verfehlten ihre Wirkung nicht: keine Hermes-Bürgschaften für Türkei-Geschäfte mehr und keine Ausweitung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei. Und siehe da: In der türkischen Regierung taten sich auf einmal Risse auf: Während Präsident Erdogan weiter polterte, versuchte Ministerpräsident Yildirim zu besänftigen.

Doch nun scheinen die Reihen in Ankara gegen Deutschland wieder fest geschlossen. Das hat mit Sigmar Gabriel zu tun, der sich durch die Pöbeleien seiner türkischen Ministerkollegen unnötigerweise aus der Reserve locken ließ.

Da war zunächst sein Aufruf, die Opposition in der Türkei zu unterstützen, dann sein Rat, nicht in die Türkei in den Urlaub zu fahren, und schließlich der öffentlich geäußerte Verdacht, Erdogan ermutige seine Anhänger sogar seine Ehefrau zu belästigen und zu bedrohen. Tatsächlich aber handelte es sich, wie sich später herausstellte, bei dem Anrufer in der Zahnarztpraxis von Frau Gabriel um einen stadtbekannten Goslarer Pöbler und nicht um einen Erdogan-Anhänger.

Leisere Töne anschlagen

Zu all dem sei angemerkt:

Erstens: Die Opposition in der Türkei unterstützt man am besten nicht lautstark, sondern mit leisen, aber effektiven Maßnahmen, etwa indem man verfolgten türkischen Intellektuellen weiterhin Zuflucht bei uns bietet.

Zweitens: Der Bundesaußenmister sollte auf die Gefahren eines Türkei-Urlaubs aufmerksam machen, etwa über die Reisehinweise seiner Behörde. Ob die Deutschen trotzdem Last Minute an die türkische Riviera fliegen, sollte aber ihnen überlassen bleiben.

Und drittens hätte Deutschlands Chefdiplomat besser die polizeilichen Ermittlungen in Sachen Telefonterror gegen seine Frau abwarten sollen, bevor er die üblichen Verdächtigen dieser Tage, nämlich Erdogans Anhänger bezichtigt.

Zugegeben: Gabriel ist derzeit so etwas wie der Lieblingsfeind Ankaras, und es ist menschlich, dass auch einem Bundesaußenminister irgendwann der Kragen platzt. Und sicher spielt auch der Wahlkampf eine Rolle. Die Botschaft an die Wähler: Deutschlands Sozialdemokraten bieten dem Potentaten vom Bosporus die Stirn.

Dennoch wäre es politisch klüger, Berlin kehrte bald wieder zur alten Türkei-Haltung zurück: Hart in der Sache - vor allem wenn es um die in der Türkei einsitzenden deutschen Staatsbürger geht -, aber ruhig im Ton. Das hat der Bundesregierung auch unter Türken Respekt verschafft. Denn schließlich desavouieren sich Erdogan und seine Getreuen durch ihre wüsten Ausfälle selbst. Es sollte also wieder gelten: Wenn getroffene Hunde bellen - einfach nicht zurückbellen.

 

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