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Deutsche AthletenKommt der Olympia-Boykott?

Fechter Max Hartung und Kanutiin Silke Kassner, Athletensprecher in der DOSB-Athletenkommission. (Jessica Sturmberg / Deutschlandradio)
Die beiden Athletensprecher in der DOSB-Athletenkommission, Max Hartung und Silke Kassner. (Jessica Sturmberg / Deutschlandradio)

Deutsche Athleten begehren gegen die etablierten Strukturen im Sport auf und regen an, über Alternativen zu OIympia nachzudenken.

"Als Athletenvertreter - gerade in der westlichen Welt - müssen wir das Herz in die Hand nehmen", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes, Silke Kassner, der "Rheinischen Post". Man müsse mit den wichtigen Geldgebern sprechen und auch überlegen, wie der Sport der Zukunft aussehen solle. Und die Wildwasser-Kanutin stellt zur Diskussion: "Gibt es künftig vielleicht auch andere Veranstaltungen als die Olympischen Spiele?"

Kassner kritisiert, es sei nicht mehr zeitgemäß, dass der Sport heute überwiegend von ehrenamtlichen Vertretern gesteuert werde und "die Protagonisten im Sport durch eine Minderheit vertreten werden". Die 41-Jährige betont: "Die Hauptantriebsfeder des Sportes sind die Athleten und dahinter ihre Trainer." Beide müssten an den strukturellen, strategischen und finanziellen Entscheidungen im Sport beteiligt sein.

Zuvor hatte bereits DOSB-Sprecher Max Hartung Kritik an Politik und Sportverbänden geübt. In der "Süddeutschen Zeitung" forderte er Veränderungen bei der Athletenförderung. Diese sei zu gering, klagte Hartung. Der Staat müsse die deutschen Athleten künftig auf direktem Wege bezahlen. Er wünsche sich, "dass der Bundestag und die nächste Regierung, wie auch immer sie aussieht, die Verantwortung übernehmen für die Sportler, die sie durch Welt schicken". Bisher geht das meiste Geld, das vom Bundesinnenministerium dem Sport zur Verfügung gestellt wird, an die Verbände.

Der Säbelfechter betonte, wegen der zu geringen Gelder, die Athleten derzeit von der Sporthilfe-Stiftung bekommen, habe er nach den Olympischen Spielen von 2016 in Rio de Janeiro überlegt, aufzuhören.

Hartung und Kassner hatten Mitte Oktober in Köln eine unabhängige Interessenvertretung für Athleten gegründet. Darüber hatte auch der Deutschlandfunk berichtet. Kassner betont: "Zentrale Fragen der Zukunft" seien, welches Gewicht die Athleten hätten und wie es als länderübergreifendes netzwerk umgesetzt werde.

Hören Sie zu dem Thema heute ein Kollegengespräch in unseren "Informationen am Mittag".

Diese Nachricht wurde am 12.01.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.