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StartseiteWirtschaft am MittagCryan soll Wende bringen30.12.2015

Deutsche BankCryan soll Wende bringen

2015 wurde der alte Vorstand bei der Deutschen Bank abgelöst. Nachfolger John Cryan stellte ihm zudem ein lausiges Abschlusszeugnis aus. Der Brite will das Ruder nun herumreißen - und nach dem Krisenjahr die Bank unter anderem mit Sparmaßnahmen wieder auf Erfolgskurs bringen.

Von Michael Braun

John Cryan, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, steht während einer Pressekonferenz des Finanzinstituts in Frankfurt am Main auf dem Podium. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
John Cryan, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank: Er soll die Bank wieder auf Erfolgskurs bringen. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
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Jetzt ist er weg, Anshu Jain, der lange für die betrügerischen Seiten des Bankgeschäfts verantwortlich war, der sich gleichwohl für geeignet hielt, die Werte einer neuen Deutschen Bank zu verkörpern: "I am suitable and the person, that does exemplify a lot of values, which we now stand for."

Mitte des Jahres musste er gehen. Da wurde entschieden, dass auch der zweite Co-Chef nur noch ein paar Monate bleiben darf, Jürgen Fitschen. Sein Name war auch mit einem Verfahren wegen versuchten Prozessbetrugs verbunden, obwohl er beteuert hat: "Ich habe weder belogen noch betrogen."

Der eine weg, der andere bald weg. Jetzt herrsche Aufbruchsstimmung. Der Wandel in der Bank sei radikal, strahlt selbst einer, der eine Machtposition verloren hat und dennoch ziemlich weit oben dabei geblieben ist. Die Öffentlichkeit habe das noch gar nicht richtig mitbekommen, sagte er vor Journalisten über die Arbeit der Journalisten. Endlich sei jemand von außen an die Spitze der Bank gekommen. Nur so sei Kulturwandel möglich. Und: Ja, die Zeit unter Anshu Jai sei eine verlorene Zeit gewesen.

John Cryan als neuer Vorstandssprecher bei der Deutschen Bank

Wer da so gelobt wurde war John Cryan, der nächstes Jahr die Deutsche Bank allein als Vorstandssprecher führen wird. Der Brite hatte Ende Oktober berichtet, was er vorgefunden habe. Eine lausige Datenverarbeitung, langsame Arbeitsprozesse, schreckliche und ineffiziente interne Organisation: "Lousy systems, very slow processes, terrible, inefficient internal organisation."

So fasste er seine vernichtende Kritik an den Vorgängern zusammen. Nur die Mitarbeiter hätten die Bank noch am Laufen gehalten. Trotz des Lobs – alle Mitarbeiter braucht die Bank nicht mehr. 9.000 Beschäftigte, knapp zehn Prozent, müssen die Bank verlassen, 4.000 davon in Deutschland, weil 200 von 700 Filialen geschlossen werden. Cryan dazu in seinem recht guten Deutsch: "Ich versichere Ihnen, dass wir diesen Stellenabbau auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten vornehmen werden."

Investmentbanker im Visier

Das läuft jetzt. Wobei die Betriebsräte eher informiert werden als mitentscheiden können. Auch sonst nahm Cryan die Mitarbeiter heran, vor allem die Investmentbanker. Sie hatten über Jahre nicht nur Wertpapiere emittiert, Fusionen vorbereitet und Unternehmen an die Börse gebracht. Sie hatten zudem Zinssätze und Kurse manipuliert, auch räuberische Produkte angeboten. Die Deutsche Bank, so Cryan, sei das teuer zu stehen gekommen:

"Wie Sie alle wissen, haben die Kosten für Fehlverhalten der Bank in den letzten Jahren stark belastet. Die Gesamtbelastungen seit 2011 betragen rund zwölf Milliarden Euro. Und für Fehlverhalten gibt es keinerlei Entschuldigung."

Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Deutschlands größter Aktionärsvereinigung, gibt sich vom Kulturwandel bei der Bank nun überzeugt. Er nimmt Cryan sogar nicht übel, dass er für dieses und das nächste Jahr die Dividende streicht:

"Man investiert ja dieses eingesparte Geld durch die Dividende. Das ist ja nicht irgendwie weg, sondern es bleibt im Unternehmen. Die Kernkapitalquote wird dadurch gestärkt. Und das tut dem Unternehmen gut und wird dann auch in Zukunft dazu führen, dass die Deutsche Bank, für mich jedenfalls, ein klarer Turnaround-Kandidat, was den Aktienkurs angeht, ist."

Bislang ist das nicht gelungen. Seit Ende Oktober hat die Deutsche-Bank-Aktie in der Spitze nochmals fast ein Fünftel eingebüßt. Damit ist auch klar, wie dieser Satz Cryans zu werten ist: "Ich bewundere mich. Ich bewundere ihn."

Nicht als schnell korrigiertes Selbstlob, sondern schlicht als Versprecher.

 

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