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StartseiteSport am WochenendeDeutscher Präsident, deutsche Spiele?14.09.2013

Deutscher Präsident, deutsche Spiele?

Was ein deutscher IOC-Präsident für eine mögliche deutsche Olympiabewerbung bedeutet

Münchens Kandidatur als Austragungsort für die olympischen Winterspiele 2018 war nicht erfolgreich - doch eine mögliche erneute Bewerbung für 2022 ist im Gespräch. Würde der neue deutsche IOC-Präsident einem solchen Vorhaben eher schaden oder helfen? Darüber scheiden sich in Bayern die Geister.

Von Michael Watzke

Thomas Bach ist zum neuen IOC-Präsidenten gewählt worden. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Thomas Bach ist zum neuen IOC-Präsidenten gewählt worden. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

Ludwig Hartmann, Grünen-Abgeordneter aus Landsberg in Oberbayern, macht Wahlkampf gegen Olympia.

"Jede Stimmung jetzt am Sonntag für die Grünen ist auch eine Stimme gegen die Olympiabewerbung. Ich bin überzeugt, dass man mit diesem Thema gut punkten kann, weil's zeigt, dass grüne Grundüberzeugungen bei der Olympiabewerbung mit Füßen getreten werden. Deshalb ist es bei uns im Wahlprogramm zur Landtagswahl mit drin."

Damit haben die bayerischen Grünen ein Alleinstellungsmerkmal. Denn alle anderen Parteien im bayerischen Landtag sind für eine Münchner Olympia-Bewerbung 2022. Auch SPD-Spitzenkandidat Christian Ude:

"Die letzte Bewerbung ist in der Fachwelt und auch beim IOC schon hervorragend angekommen und hat allgemeine Wertschätzung genossen. Wir hatten es nur mit einem Mitbewerber zu tun, der mit großer Wirtschaftskraft eingestiegen ist. Jetzt sehe ich keine vergleichbare Mitbewerbung."

Nicht mal Oslo beeindruckt den Münchner Oberbürgermeister. Die norwegische Hauptstadt hatte zuletzt ihre Kandidatur-Absicht bekundet und mit einem positiven Bürgerentscheid untermauert. Ude betont, dass in München ein partei-übergreifendes Bündnis von Unterstützern die Olympischen Winterspiele wolle.

"Natürlich wäre es eine Entscheidung für Spiele in Deutschland und besonders in Bayern und deswegen haben in dieser Frage die Münchner Stadtspitze, die beteiligten Kommunen, die bayerische Staatsregierung und die Bundesregierung auch immer vertrauensvoll und eng zusammen gearbeitet und sind gemeinsam aufgetreten."

Deshalb sei die mögliche Bewerbung Münchens in den vergangenen Wochen auch kein Wahlkampf-Thema gewesen, sagt Ude. Da stimmt ihm Bayerns CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle zu, der im bayerischen Kabinett auch für Sportpolitik zuständig ist.

"Im Wahlkampf ist dieses Thema im Common Sense im Moment beiseite gelegt."

Und das trotz der Entscheidung des IOC, den gebürtigen Bayern Thomas Bach zu seinem Präsidenten zu wählen. Spaenle sieht in dieser Wahl einen Schub für München 2022. Schließlich habe der frühere spanische IOC-Präsident Antonio Samaranch 1992 auch Olympische Sommerspiele in seien Heimat Barcelona geholt.

"Warum sollte ein Kandidat - aus Bayern stammend, jetzt IOC-Präsident - einer solchen Bewerbung schaden? Ich halte das Gegenteil für wahrscheindlich."

Der Olympia-Gegner Ludwig Hartmann von den bayerischen Grünen sieht das anders. Seine Arithmetik lautet:

"Ein deutscher IOC-Präsident kann ja nicht mehr für eine deutsche Bewerbung werben - er ist ja jetzt IOC-Präsident. Und er wird sich ziemlich schwer tun, dass die ersten Spiele, die in seiner Amtszeit vergeben werden, gleich in seine Heimat Deutschland kommen."

Kaffeesatzleserei sei das, sagt Christian Ude. Der Münchner Oberbürgermeister glaubt, dass beim IOC ganz andere Argumente eine Rolle spielen. Etwa, dass nach der Entscheidung für olympische Sommerspiele in Tokio 2020 nun voraussichtlich ein europäischer Bewerber am Zug sei.

"Für München wäre die Besonderheit, dass die bayerische Landeshaupstadt die erste Stadt der Welt wird, in der nach Sommer- auch Winterspiele stattfinden. Das wäre in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal."

Denn München, so Ude, könne mit nachhaltigen Winterspielen werben, weil viele Sportstätten bereits errichtet seien. Das senke auch die Kosten. Ob allerdings die Bevölkerung mitzieht, ist offen. Im November stimmen die Menschen in München, Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding und Berchtesgaden per Bürgerentscheid ab. Bis dahin müsse man ausführlich diskutieren, fordert Kultusminister Spaenle:

"Verkehrliche Fragen, die Investitionen, lohnt sich das, ist es für eine Metropole wie München vermittelbar, ist die ökologische Dimension verantwortbar? Ich glaube, dass das, was München in der ersten Bewerbung vorgelegt hat, wenn man das jetzt fortschreibt, alle Fragen positiv beantworten kann - auch die anderen genannten Olympiaorte."

In Garmisch-Partenkirchen fürchtet die Bürger-Initiative NO-lympia eine erneute Spaltung des Ortes. Allerdings wäre die Belastung für die Zugspitz-Gemeinde diesmal geringer - bei der jetzigen Olympia-Bewerbung sollen viele Wettbewerbe ins Olympia-begeisterte Ruhpolding verlegt werden.

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