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StartseiteInterviewPolitisch gibt die Queen fast nichts preis24.06.2015

Deutschland-Besuch von Elizabeth II.Politisch gibt die Queen fast nichts preis

Anthony Glees erwartet von dem Besuch der Queen Elizabeth II. in Berlin keine harten Standpunkte zur britischen Europapolitik. "Ein Teil des Geheimnisses über die Queen ist, dass sie nie über Politik spricht", sagte der britische Politologe im Deutschlandfunk. Nur einmal sei ein Detail ihrer Haltung an die Öffentlichkeit gedrungen.

Anthony Glees im Gespräch mit Tobias Armbrüster

Die britische Königin Elizabeth II. und Prinz Philip (hinten) in Berlin. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Die britische Königin Elizabeth II. und Prinz Philip (hinten) in Berlin. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
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Tobias Armbrüster: In der britischen Botschaft in Berlin, da wird schon mal der Pimm's kaltgestellt. Pimm's, das ist ein britischer Likör, auf der Insel vor allem im Sommer beliebt. Und die Botschaft braucht davon eine Menge, weil dort am Donnerstag, also morgen, Elizabeth II. zum großen Empfang geladen hat. Gestern Abend ist die Queen in Berlin angekommen. Neben Botschaft und Cocktails absolviert sie aber natürlich auch ein hoch offizielles Programm. Unter anderem trifft sie heute Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck. - Wir können darüber jetzt sprechen mit dem britischen Politikwissenschaftler Anthony Glees, Professor an der University of Buckingham. Schönen guten Morgen, Herr Glees.

Anthony Glees: Guten Morgen!

Armbrüster: Herr Glees, welche Beziehung hat die Queen zu Deutschland?

Glees: Die ist oft in Deutschland gewesen. Ihre Mutter war Schottin, gut bekannt, aber auf der väterlichen Seite waren alle ihre Vorgänger deutsch. Mit Deutschland hat sie persönlich viel zu tun und natürlich Prinz Philipp, könnte man sagen, ist 100 Prozent Deutsch. Und obwohl sie einen Bentley fährt, ist es ein Bentley, der jetzt von Volkswagen gemacht wird. Ich würde sagen, die Beziehung ist sehr eng. Man muss immer vorsichtig sein bei der Königin, denn mit 89 Jahren, seit 1952 ist sie Königin, ist es immer einfach, die Zahlen falsch zu bekommen. Aber ich glaube, sie hat Deutschland mehr besucht, siebenmal besucht, mehr besucht als zum Beispiel die Vereinigten Staaten. Da ist was da persönlich, aber natürlich hauptsächlich geht es hier um die politische Bildung zwischen Großbritannien und der Bundesrepublik.

Anthony Glees (June Costard)Der Politikwissenschaftler Anthony Glees von der University of Buckingham. (June Costard)


Armbrüster: Was kann denn die Queen da erreichen?

Glees: Zur Person der Queen ist sehr vieles zu erreichen, wie die Frau bei Ihnen vor einigen Minuten sagte. Die ist romantisch schön, die ist standhaft, die ist eine Frau der Tradition. Sie gibt von sich selber nur sehr, sehr wenig. Ich glaube, nur einmal in einer Rede 1992 hat sie über ihr Annus horribilis erzählt und von ihrer Persönlichkeit war damals etwas zu spüren. Sonst hält sie sich ganz aus der Politik zurück. In all den Jahren hat sie vielleicht nur einen persönlichen Fehler gemacht, als Princess Diana 1997 starb und sie nicht aus Schottland zurück nach London kam. Sonst keinen Fuß falsch gelegt.

Politisch aber, gerade zu einer Zeit, wo es manchmal so aussieht, als ob die Europäische Union sich auflösen würde mit den Problemen mit Flüchtlingen, mit Griechenland, wo sie mit denen kaum fertig werden können, da steht die Queen für eine Kontinuität da, für eine Tradition, für Pflichtbewusstsein, für das Richtige zu tun. Und natürlich, dass sie in Deutschland ist, wird David Cameron viel helfen, die Reformen zu bekommen, die er meint nicht nur die Briten, sondern auch die Deutschen haben wollen.

"Ein Teil des Geheimnisses über die Queen ist, dass sie nie über Politik spricht"

Armbrüster: Die Queen, Herr Glees, ist allerdings auch Monarchin in einem Land, das zurzeit über einen Austritt aus der Europäischen Union debattiert. Ist irgendetwas darüber bekannt, wie sie über das britische Verhältnis zur Europäischen Union denkt?

Glees: Überhaupt nicht. - Überhaupt nicht. Ein Teil des Geheimnisses über die Queen ist, dass sie nie über Politik spricht. Das einzige, was wir wissen, wo es um die Zukunft des Vereinigten Königreichs geht, war das, was David Cameron im letzten Jahr in New York aus Versehen verraten hat, dass die Königin wie eine Katze schnurrte, als sie hörte, dass die Schotten nicht aus der Union herausfliegen wollten. Sonst über Europa, über Sozialismus, über Einwanderer, das alles kein Wort. Aber es ist, glaube ich, sehr bezeichnend, nicht nur, dass sie in Deutschland ist und offenbar sehr vergnügt - das sah man im Flughafen gestern -, sehr vergnügt ist, in Deutschland zu sein, sondern auch, dass sie das ehemalige Konzentrationslager von Bergen-Belsen besuchen wird. Das ist das erste Mal und ich glaube, das gibt ein Zeichen, natürlich ein Zeichen unserer Regierung und der deutschen Regierung, dass Menschenrechte für unsere Königin auch sehr, sehr wichtig sind.

Glees: Die Queen, Queen Elizabeth II., seit gestern Abend auf Staatsbesuch in Deutschland. Bis Freitag bleibt sie noch. Wir haben darüber gesprochen mit dem britischen Politikwissenschaftler Anthony Glees. Vielen Dank, Herr Glees, für das Gespräch heute Morgen.

Glees: Gerne geschehen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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