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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteWirtschaft am MittagDeutschland bürgt mit 310 Milliarden Euro27.06.2012

Deutschland bürgt mit 310 Milliarden Euro

Höhere Haftung bringt Bonitätsbestwerte in Gefahr

Es sind schwindelerregende Zahlen: Deutschland haftet bei der Euro-Rettung mit rund 310 Milliarden. Dass damit höhere Risiken einhergehen, darauf reagierte die kleine amerikanische Ratingagentur Egan-Jones mit einer Herabstufung der Bonität Deutschlands.

Von Michael Braun

Bei den 310 Milliarden handelt es sich zunächst um sogenannte Eventualverbindlichkeiten.  (AP)
Bei den 310 Milliarden handelt es sich zunächst um sogenannte Eventualverbindlichkeiten. (AP)

Auch die Bundestagsabgeordneten drohen gelegentlich die Übersicht zu verlieren. Und dann fragen sie beim Finanzministerium an, wie stark Deutschland mittlerweile in die Euro-Rettung eingebunden sei. Das weiß Bescheid und hat dem Haushaltsausschuss berichtet: Deutschland hafte im Rahmen der europäischen Hilfspakete für Euro-Krisenstaaten für Risiken in Höhe von höchstens 310,3 Milliarden Euro.

Der größte Posten sind die Zusagen für die zeitweise parallel laufenden Rettungsfonds EFSF und ESM. Das sind gut 285 Milliarden Euro. Hinzu kommen der deutsche Anteil an Hilfen aus dem EU-Haushalt mit knapp zehn Milliarden Euro und Deutschlands Part an den Krediten aus dem ersten Griechenland-Hilfspaket in Höhe von gut 15 Milliarden Euro.

In jedem Fall geht es um sogenannte "Eventualverbindlichkeiten". Es steht nicht zur Diskussion, dass Deutschland nun gut 310 Milliarden Euro von heute auf morgen an die Rettungsfonds überweisen müsste. Es geht um eine Haftung, die ja gerade verhindern soll, dass die Risiken in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal und Co. sich entladen.

Darin liegen Chancen. Die Chance nämlich, dass die Eurozone und damit der Binnenmarkt nicht auseinanderbrechen. Diese Chancen betont die Bundesregierung in ihrer Vorlage für den Haushaltsausschuss.

Andere schauen eher darauf, dass mit solcher Haftung höhere Risiken einhergehen. Die kleine amerikanische Ratingagentur Egan-Jones etwa. Sie hat die Bonität Deutschland in der Nacht herabgestuft, von AA- auf A+, also von "knapp sehr gut" auf "noch gut". Deutschland sei zwar in einer starken wirtschaftlichen Position, müsse aber indirekt Krisenstaaten wie Spanien und vor allem deren marode Banken unterstützen, begründete die Agentur ihre Entscheidung.

Bei den drei marktführenden Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch behält Deutschlands Bonität dagegen die bestmögliche Bewertung. Standard & Poor's hatte allerdings im Dezember vorigen Jahres mit einer Herabstufung auch Deutschlands gedroht.

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