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StartseiteCampus & KarriereDeutschlands Kitas sind nur mittelmäßig26.04.2012

Deutschlands Kitas sind nur mittelmäßig

Wissenschaftler untersuchen Qualität der Einrichtungen

Wie gut werden unsere Kinder betreut? In Deutschland wird viel über die Zahl der Kita- oder Krippenplätze diskutiert. Doch die Qualität könnte beim Kita-Ausbau auf der Strecke bleiben, warnen Experten.

Von Claudia van Laak

Ind en Betreuungsangeboten werde zu wenig Wert auf frühkindliche Bildung gelegt, so die Studie. (picture alliance / dpa)
Ind en Betreuungsangeboten werde zu wenig Wert auf frühkindliche Bildung gelegt, so die Studie. (picture alliance / dpa)

Alles in allem nur mittelmäßig, so bewerten die Wissenschaftler die Qualität der Kitas in Deutschland. Jede zehnte untersuchte Kindergartengruppe ist sogar so schlecht, dass sie die Bewertung "unzureichend" erhält. Nach wie vor wird zu wenig Wert auf frühkindliche Bildung gelegt, bei diesem Kriterium fällt jede zweite untersuchte Kita-Gruppe durch. Bernhard Kalicki vom Deutschen Jugendinstitut:

"Wir haben eine Qualitätsdebatte gehabt, wir haben Instrumente zur Qualitätsfeststellung und Qualitätsentwicklung eingeführt. Weshalb finden wir keine Verbesserung im Vergleich zu den letzten 15 Jahren? Umgekehrt erleben wir jetzt einen starken Ausbau des Betreuungssystems. Was wir sagen können: Wir haben immerhin die Qualität halten können."

Bei der Zahl der Kindergarten- und Krippenplätze haben die ostdeutschen Länder die Nase vorn. In puncto Qualität hinken sie allerdings den westdeutschen Einrichtungen hinterher, so das Ergebnis der heute vorgestellten Studie. Dieses Ergebnis habe ihn nicht überrascht, sagt Detlef Diskowski vom Brandenburger Bildungsministerium.

"Wir haben auch eine schwierige Situation nach der Wende gehabt: Geburtenrückgang auf ein Drittel. Das hat dazu geführt, das eine ganze Reihe von Einrichtungen geschlossen werden mussten, Erzieherinnen entlassen werden mussten, das passierte mit der Sozialauswahl, sodass die Jüngsten gegangen sind und wir eine sehr ungünstige Altersstruktur haben."

Sprich: Das Personal ist überaltert und in puncto Pädagogik nicht unbedingt auf dem neuesten Stand. Außerdem sind die Kita-Gruppen in Ostdeutschland tendenziell größer als in Westdeutschland – auch das ein wichtiges Qualitätskriterium. Mehr Personal einstellen reiche allerdings nicht aus, meint Diskowski.

"Alle müssen da mitwirken, denn wir können damit nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis."

Die Eltern sollten sich stärker einmischen, ihre Kinder nicht nur morgens abgeben und abends abholen – auch so könne die Qualität der Betreuung verbessert werden. Doch: Wie kann ich als Mutter oder Vater eine gute von einer schlechten Kita unterscheiden? Bernhard Kalicki vom Deutschen Jugendinstitut:

"Man kann nachfragen, gibt es bei Ihnen eine pädagogische Konzeption? Was ist denn Ihr Profil, worauf legen Sie Wert? Und man kann schauen, wenn es eine schriftliche Konzeption gibt, wie sieht denn zum Beispiel die Sprachförderung aus? Und man kann fragen nach dem Qualitätsmanagement."

Zurzeit existiert für Kinder ab drei Jahren ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Ab August 2013 haben auch Eltern von ein- und zweijährigen Kindern einen entsprechenden Rechtsanspruch. Schon jetzt ist absehbar, dass die Zeit nicht ausreichen wird, um überall genügend Betreuungsplätze bereitzustellen. Die Befürchtung der Kleinkindpädagogen: Die Qualität könnte noch stärker auf der Strecke bleiben. Wolfgang Tietze, Koordinator der heute vorgestellten Nationalen Bildungsstudie:

"Es gibt Hinweise darauf, dass, um Plätze für unterdreijährige Kinder bereitzustellen, einfach den Kindergarten, so wie er ist, nach unten zu öffnen und große altersgemischte Gruppen ohne substanzielle Verbesserung zu machen. Das ist ein Weg, der in die Irre führt."

Bereits jetzt sind Deutschlands Kitas nur mittelmäßig, deshalb reicht es nicht aus, nur die Zahl der Plätze zu erhöhen – so der dringende Appell der Wissenschaftler an die Politik.

NUBBEK - Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit

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