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StartseiteCorsoSampler mit fast vergessenen Musikpionieren 25.01.2016

Deutschsprachige Indie-Musik Sampler mit fast vergessenen Musikpionieren

Painting By Numbers, Die Tanzenden Herzen oder Raumpatrouille Rimini waren Pioniere der deutschsprachigen Indie-Musik, heute kennt sie kaum noch jemand. In den 80er-Jahren haben sie deutschsprachige Musik gemacht, aber waren weder Deutschrock noch Neue Deutsche Welle. Carsten Friedrichs hat sie jahrelang gehört, gesammelt und jetzt als Sampler unter dem Titel "Falscher Ort, Falsche Zeit" veröffentlicht.

Von Isabelle Klein

Schallplatten (LPs) in Plattenladen in Seoul (picture-alliance / dpa / Daniel Kalker)
Heute fast unbekannt: deutschsprachige Indie-Musik der 1980er. (picture-alliance / dpa / Daniel Kalker)

Deutschland Anfang der 80er. Während auf den meisten Plattentellern Nena, BAP und Falco liegen, herrscht in einigen Proberäumen so etwas wie Aufbruchstimmung.

"Der Geist von einst ist längst verblasst, doch der neue Anfang ist noch nicht verpasst. Noch bleibt Zeit etwas zu tun, keine Sekunde uns auszuruhen." (S-Chords – "Voran! Voran!")

Sie waren spontan, wild und spielwitzig: Neue Bands mit Namen wie Start!, Jetzt! oder Huah! hatten nicht nur ein Ausrufezeichen im Namen gemeinsam, sondern auch jede Menge Dynamik. Und das in Verbindung mit deutschen Texten.

"Du bist immer in Bewegung und findest keine Ruh. Schlägst dir die Nächte um die Ohren, schlägst selten Bücher zu. Du liebst die Aufregung. Du schießt aus allen Rohren, schießt auch ab und zu." (Family 5 – "Du wärst so gern dabei")

"Popmusik mit deutschen Texten, das war out"

Musik wie hier bei der Düsseldorfer Band Family 5 verbreitete sich über Fanzines und kleine Labels. So wurde auch Carsten Friedrichs auf sie aufmerksam.

"Popmusik mit deutschen Texten, das war out. Da gab es keinen Markt für und keine Szenen und damals war das schon was Neues und Tolles."

Schnell wurde Friedrichs, der selbst Musiker ist, zum Fan dieser neuen deutschen Gitarrenbands.

"Später gab es Hamburger-Schule-Bands, die ja ein ähnliches Konzept hatten. Aber die Bands von 80 bis 90 gerieten ziemlich in Vergessenheit und das macht sie interessant, weil sie so alleine waren und es keine wirklich große Szene oder kommerzielle Resonanz gab, ist das ein sehr eigener, frischer, toller Sound und die Bands klingen heute noch gut."

"Und ich frage mich, wie du das bloß machst – wie du das machst – Und ich höre wie du heimlich lachst." (Start – "Wie Du das machst")

Die Musik hat Carsten Friedrichs jahrelang gehört, gesammelt und nun auf dem Sampler "Falscher Ort, Falsche Zeit" zusammengetragen. Darauf zu hören sind 19 Bands, die sich am britischen Gitarren-Pop orientierten und an der Mod-Bewegung, die 1979 durch den Film "Quadrophenia" wieder in Mode kam.

"Früher, als es nur drei Fernsehsender gab und alle Jubeljahre mal 'Quadrophenia' wiederholt wurde, dann konnte man schon im Straßenbild feststellen, dass es immer wieder junge Leute gab, die mit einem grünen Parka durch die Gegend gelaufen sind. Und ich glaube, das dadurch entstehende Mod-Revival in England, das hat einen großen Teil dieser Bands beeinflusst oder zumindest inspiriert."

"Wir sind die Mods, in jeder Stadt bekannt. Wer einen Parka trägt, wird nun schnell erkannt. Das Moped ist unser Statussymbol, damit fühlen wir uns richtig wohl." (Dextrin – "Robsi Music")

Erstaunlich zeitlos

Auch wenn es in den 80ern keine einheitliche Bewegung für Power-Pop und Mod-Musik in Deutschland gab, hört sich der Sampler "Falscher Ort, Falsche Zeit" homogen an. Vor allem aber klingen seine Songs erstaunlicherweise zeitlos und haben auch rund 30 Jahre nach ihrem Erscheinen nichts an Dynamik eingebüßt.

"Vielleicht Menschen werden schnell nostalgisch, sie waren früher jung und rebellisch. Heute sind sie älter und realistisch und verwechseln Gewohnheit mit Pflicht!" (Jetzt! - "Vielleicht Menschen")

Friedrichs: "Wären die Bands vielleicht fünf Jahre später entstanden, dann hätten die vielleicht durchschlagenden Erfolg gehabt."

Einfach zu früh da gewesen, falscher Ort, falsche Zeit eben. Der Sampler zeigt die Bands als Pioniere der deutschsprachigen Musik. Kurator Friedrichs hat mit Herzblut gesammelt und gibt einen gelungenen Überblick über ein fast vergessenes Stück deutscher Musikgeschichte.

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