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StartseiteCampus & Karriere"Selbstverständlicher, aber nicht selbstverständlich"08.07.2015

Deutschunterricht in Israel"Selbstverständlicher, aber nicht selbstverständlich"

Deutsch soll an israelischen Schulen reguläre Fremdsprache werden, darauf haben sich der israelische Bildungsminister und Vertreter der Kultusministerkonferenz verständigt. Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, sagte im DLF, dies bringe einen qualitativen Sprung in die jahrelang gelebte Praxis.

Udo Michallik im Gespräch mit Regina Brinkmann

Die Fahnen von Deutschland und Israel  (picture alliance / dpa / Foto: Jens Kalaene)
Die Fahnen von Deutschland und Israel am 11.05.2015 in Berlin am Pariser Platz. (picture alliance / dpa / Foto: Jens Kalaene)

Regina Brinkmann: Unter den Überlebenden des Holocaust gibt es viele, die noch Deutsch sprechen können, aber die Sprache der Täter nach allem, was ihnen passiert ist, ablehnen und sie schlicht nicht mehr benutzen wollen. Vor diesem persönlichen wie historischen Hintergrund ist es schon bemerkenswert, dass Deutschunterricht an israelischen Schulen ein stärkeres Gewicht bekommen soll. Darauf verständigten sich heute in Jerusalem der israelische Bildungsminister und Vertreter der Kultusministerkonferenz. Gemeinsam unterzeichneten sie in der Knesset eine Erklärung. Danach soll Deutsch an israelischen Schulen als Wahlpflichtfach eingeführt werden. Für die KMK vor Ort ist Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz. Ich habe ihn vor dieser Sendung gefragt, ob mit dieser Erklärung Deutschunterricht an israelischen Schulen selbstverständlicher wird.

"Das ist immer noch eine historische Zäsur"

Udo Michallik: Er wird selbstverständlicher, aber nicht selbstverständlich. Das ist immer noch eine historische Zäsur, aber in 50 Jahren diplomatischer Beziehungen, die wir jetzt zwischen Israel und Deutschland feiern, ist das eine besondere Zäsur und zeigt auch, dass sich Beziehungen normalisiert haben und dass wir hier mit einem Projekt einen Anfang machen, was für die Zukunft doch sehr viele Hoffnungen weckt.

Brinkmann: Deutschkurse am Goethe-Institut sind sehr gefragt. Welche Rolle spielt Deutsch als Fremdsprache bislang an israelischen Schulen?

Michallik: Eine zunehmend größere Rolle. Wir haben jetzt circa 300 Schüler an acht israelischen Schulen, die Deutsch lernen. Wir planen, diese Schüler möglichst zum deutschen Sprachdiplom einzuführen. Deutsch ist Bestandteil oder kann Bestandteil im Rahmen eines Wahlpflichtfaches im israelischen Abitur sein. Und hier setzen wir erste Zeichen beziehungsweise setzt die israelische Regierung erste Zeichen, um Deutsch dann eben auch als reguläre Fremdsprache, als dritte Fremdsprache im israelischen Bildungsplan anzubieten. Und das kriegt somit eine neue formale Stufe im israelischen Bildungssystem. Und das unterstützen das Auswärtige Amt und die KMK nach Kräften, und wir finden es bemerkenswert, welche Entwicklung dieses Projekt in den letzten Jahren genommen hat.

Brinkmann: Wie kam es denn jetzt zu dieser Erklärung? Mussten Sie auch irgendwelche Bedenken ausräumen auf israelischer Seite?

Michallik: Weniger. Es ist ja ein Projekt, das die israelische Regierung selbst mitgetragen und initiiert hat. Insofern sind wir hier auf offene Türen gestoßen, und der israelische Bildungsminister, und das fand ich heute in dem Treffen sehr bemerkenswert, hat ausdrücklich noch mal hervorgehoben, wie wichtig ihm die Freundschaft zu Deutschland ist und wie wichtig ihm dabei auch das Sprachenprojekt ist, weil es sind vielerlei Projekte wie Austauschbegegnungen, kultureller Austausch, aber auch wirtschaftliche Aspekte damit als Hoffnung für diese Region verbunden werden. Und das hat sehr gut getan, wenn man hier als Vertreter einer Kultusministerkonferenz und auch die Kollegen vom Auswärtigen Amt bei einem solchen Termin eine solche Erklärung unterschreiben können, die so was bekräftigen und unterstützen.

Brinkmann: Wie sieht denn nun die weitere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Israel aus, um den Deutschunterricht in Israel zu ermöglichen?

"Wir kommen ja nicht aus dem Nichts"

Michallik: Wir haben konkrete Fragen ja auch vereinbart zwischen dem israelischen Bildungsministerium und den Ländern beziehungsweise dem Auswärtigen Amt, und unser Bestreben wird sein, Lehrer weiter zu qualifizieren, Schulleitungen zu begeistern von diesen Möglichkeiten, von diesen Projekten, um hier das Projekt Deutsch als Fremdsprache in Israel weiter auf den Weg zu bringen. Es gibt bereits erste oder weitere Vereinbarungen, um Lehrer fortzubilden, weiterzubilden, um den Austausch weiter zu pflegen. Wir kommen ja nicht aus dem Nichts, und das kann man ja nicht sagen, dass man vorher nichts gemacht hätte. Insofern haben wir hier eine formale Anknüpfung gefunden an das, was seit Jahren hier gelebte Praxis zwischen Deutschland und Israel ist. Und es ist eben dieses formale Argument, was wir mit jetzt hier bekräftigt und besiegelt haben, dass eben Deutsch als dritte Fremdsprache auch neben anderen Fächern in den israelischen Schulen akzeptiert ist. Und das ist eben dieser neue qualitative Sprung, alle weiteren Projekte werden ausgebaut und weiter gepflegt. Und das ist eben das Entscheidende jetzt auch in diesem Kontext, dass wir diese gelebte Praxis mit solchen Sachen dann auch gut unterstützen können.

Brinkmann: Deutsch soll reguläre Fremdsprache an Israels Schulen werden. Wie, darüber berichtete hier in "Campus & Karriere" Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, der gerade in Israel dazu eine entsprechende Erklärung unterzeichnet hat.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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