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Diagnose und Schlussfolgerungen sind nicht ganz neu

Ökonomen warnen vor Eurokatastrophe

Von Gerhard Schröder, Hauptstadtstudio

Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt
Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt (AP)

Untergangsszenarien haben Konjunktur derzeit. Wie sollte es auch anders sein. Griechenland steht vor dem Bankrott, Spanien wankt, Italien taumelt. Und auch Deutschland ist nicht immun gegen die Krise, die immer weitere Kreise zieht - allen Rettungspaketen zum Trotz.

Nun also diagnostizieren 17 europäische Spitzenforscher, dass Europa geradewegs auf den Abgrund zusteuert, wenn die Politik nicht radikal umsteuert. Soll heißen: Europa muss alle Mittel mobilisieren, um die Wackelkandidaten an Bord zu halten, muss verhindern, dass eine verheerende Kettenreaktion in Gang kommt, an deren Ende die Währungsunion und mit ihr der Euro in Trümmern läge.

Diagnose und Schlussfolgerungen sind nicht ganz neu, der Bundeskanzlerin dürften sie dennoch wenig gelegen kommen. Zum einen, da zwei ihrer wichtigsten ökonomischen Berater an der Studie mitgewirkt haben. Zum anderen, weil die Wirtschaftsforscher nichts anderes fordern, als eine radikale Kehrtwende in der europäischen Krisenpolitik. Ein Appell, der vor allem an die Bundeskanzlerin adressiert ist.

Dass eine Kehrtwende notwendig ist, ist kaum noch zu übersehen. Täglich gibt es neue, alarmierende Botschaften, die nahelegen, dass die bisherigen Rezepte nicht die erhoffte Wirkung entfalten. Im Gegenteil. Die Krise weitet sich aus, rückt unaufhaltsam und mit zunehmendem Tempo ins Zentrum vor. Längst ist nicht mehr Griechenland das Problem. Es scheint nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen, bis Spanien unter den Rettungsschirm flüchten muss. Und auch Italien steht schon auf der Warteliste.

Eines ist jetzt schon klar: Die bestehenden Hebel werden nicht reichen, um den Euro dann noch zu schützen. Dann muss entweder die Europäische Zentralbank wieder einspringen, oder die Schlagkraft des Rettungsschirms muss erhöht werden. Keine Frage: Das ist eine Form der Vergemeinschaftung der Schulden, eine Form von Eurobonds durch die Hintertür. Keine schöne Aussicht. Aber vielleicht besser als die Alternative: das baldige Auseinanderbrechen der Währungsunion.

So wichtig Reformen in den Krisenländern selbst sind, so wichtig es ist, die Eigenverantwortung dieser Staaten einzufordern, allein mit einem strikten Sparkurs werden die Krisenländer keinen Boden unter die Füße bekommen. Gerade das Beispiel Spanien, ein Land, das vor dem Beginn der Bankenkrise bessere Finanzdaten aufwies als Deutschland, gerade in Spanien zeigt sich, dass sich ein Land, das in einer tiefen Rezession steckt, nicht gesund sparen kann. Das Gegenteil ist der Fall: Die wirtschaftliche Talfahrt verschärft sich, was die Haushaltslage noch verschärft. Die Folge ist tiefe Frustration auf beiden Seiten. In den Krisenländern erlahmt der Reformwille, weil die Sparopfer vergeblich sind. Die Geberländer dagegen müssen in immer kürzeren Etappen mit immer neuen Rettungspaketen in die Bresche springen, was Steuerzahlern und Wählern immer schwieriger zu vermitteln ist.

Sicher, es gibt keine Patentrezepte. Klar aber ist: Ein Auseinanderfallen der Währungsunion wäre für eine Exportnation wie Deutschland eine Katastrophe. Gut, dass die Experten dies in der notwendigen Klarheit deutlich gemacht haben. Denn in der Bundesregierung haben das offenbar noch nicht alle verstanden.

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