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StartseiteSprechstundeDicksein beginnt schon im Mutterleib10.02.2009

Dicksein beginnt schon im Mutterleib

Immer mehr Menschen werden übergewichtig oder sind es. Einige Ursachen sind bekannt: Wir essen zu viel, zu fett, zu süß und bewegen uns zu wenig. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass auch die Ernährung in jungen Jahren eine wichtige Rolle spielt – möglicherweise sogar die Nährstoff-Versorgung im Mutterleib.

Von Renate Rutta

Schwangere Frau (Stock.XCHNG / Elliott McFadden)
Schwangere Frau (Stock.XCHNG / Elliott McFadden)

"Dahinter steht die Beobachtung, dass wir jedes Jahr zwischen Neujahr und Weihnachten ein bis zwei Kilo zunehmen, und das führt dazu, dass wir bei den 18- jährigen Frauen noch circa 20 Prozent mit Übergewicht oder Adipositas haben und das nimmt dann stetig zu bis zum 70. Lebensjahr und dann haben wir etwa 70 Prozent der Frauen, die übergewichtig oder adipös sind."

Professor Helmut Heseker von der Universität Paderborn, Department Sport und Gesundheit, nennt Daten aus neuen, großen deutschen Studien. Sie zeigen, dass ab 35 Jahren normalgewichtige Männer in der Minderheit sind und ab 55 Jahren normalgewichtige Frauen.

""Wir haben weiter in anderen Studien gesehen, dass Übergewicht schon sehr früh anfängt, fängt bereits im Kindergartenalter an. Da sind die ersten übergewichtig, einige bereits adipös und wir haben dann einen starken Anstieg im Grundschulalter.

Und wir sehen dann auch, dass Kinder, die im Grundschulalter bereits den normalen Gewichtsbereich verlassen, größte Schwierigkeiten haben, im späteren Erwachsenenleben jemals in diesen normalen Bereich wieder zurückzukommen."

Wenn so viele Menschen zuviel wiegen, dann bedeutet das auch, dass viele Frauen bereits übergewichtig sind, wenn sie schwanger werden. Grund genug also, um Hinweisen nachzugehen, die darauf hindeuten: Dicksein beginnt schon im Mutterleib.

"Wir wissen heute, dass eine Überernährung während der Schwangerschaft, vor allem aber ein sogenannter Schwangerschaftsdiabetes dafür entscheidende ursächliche Faktoren sein können."

In beiden Fällen, so Professor Andreas Plagemann von der Klinik für Geburtsmedizin an der Charité in Berlin, kommt es zu einem Überangebot an Nährstoffen, vor allem von Zucker, an den sich entwickelnden kindlichen Organismus und dann zu einem hohen Geburtsgewicht.

"Eine Vielzahl von Beobachtungen, klinischen Studien und bevölkerungsbezogenen Studien haben gezeigt, dass eine solche Überflutung des sich entwickelnden Organismus während bestimmter Entwicklungsphasen dazu führen kann, dass dieser Organismus geprägt, programmiert wird, später einen erhöhten Appetit zu entwickeln, die Körpergewichtsregulation eher in Richtung Übergewicht entgleisen kann und auch die Stoffwechselregulation in Richtung eines Diabetes vorprogrammiert werden kann."

Dass genetische Faktoren das Geburtsgewicht weniger beeinflussen, zeigt eine britische Studie an Leihmüttern: Das Geburtsgewicht des Kindes orientierte sich mehr an dem der Leihmutter als an dem der natürlichen Mutter.

"Zusammenfassend können wir sagen, dass Übergewicht während der Schwangerschaft, eine zu hohe Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und insbesondere ein nicht erkannter und insofern nicht behandelter Diabetes während der Schwangerschaft entscheidende Risikofaktoren für solche nachteiligen Entwicklungen beim Kind sind. Und dass etwa 10 Prozent aller Schwangeren an einem Schwangerschaftsdiabetes leiden, wovon gravierenderweise 90 Prozent nicht erkannt und damit nicht behandelt werden."

Mit weitreichenden Folgen für das Ungeborene. Internationale Daten zeigen: Das Risiko eines solchen Kindes verdreifacht sich, später selbst Übergewicht oder Diabetes zu bekommen.

"Schwangere sollten nicht, wie immer noch weit verbreitet, für zwei essen, sondern lieber für zwei denken."

Empfohlen wird: Normalgewichtige Frauen sollten während der Schwangerschaft also nur 11,5 bis 16 Kilo zunehmen, Übergewichtige nur 7 bis 11,5 Kilo und sie sollten nur etwa 200 bis 300 Kalorien pro Tag zusätzlich aufnehmen, also etwa ein Käsebrot oder Gemüse und zwei Kartoffeln. Und sie sollten ihr Kind möglichst lange stillen.

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