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StartseiteCampus & KarriereWebinare gegen Hass im Netz22.02.2018

Didacta to goWebinare gegen Hass im Netz

Was können Lehrerinnen und Lehrer tun, wenn in ihrer Klasse Fälle von Cybermobbing auftreten? Das Projekt "Werte Leben - Online" des Vereins Juuuport e.V. aus Hannover hat dazu seit kurzem ein Angebot gestartet: Webinare werden direkt ins Klassenzimmer gestreamt - mit Tipps von Jugendlichen für Jugendliche.

Von Agnes Bührig

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Ein Mädchen lehnt lehnt weinend an der Schulhauswand. (imago/emil umdorf)
Cybermobbing ist an vielen Schulen ein Problem (imago/emil umdorf)
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"Cybermobbing und Mobbing haben gemein, dass es immer irgendwo eine Gruppe von Tätern ist, die gegen den Einzelnen vorgeht."

Martin Schmidt lauscht dem Vortrag von Medienpädagogin Susanne Rödiger auf der didacta und fühlt sich gleich an ein Problem jüngst in seiner eigenen Klasse erinnert:

"Ich war vor Kurzem als Grundschullehrer mit so einer Sache konfrontiert, über WhatsApp, ein Kettenbrief mit einer Drohung, wenn man ihn nicht weiterschickt und das hat die Kinder ziemlich verstört."

Der Grundschullehrer könnte sich vorstellen, ein Webinar von "Werte Leben - Online" zu buchen. "Hass im Netz - geht gar nicht" heißt das erste Themenpaket, das die ehrenamtlichen Jugendlichen für Schüler anbieten: Sie diskutieren Fälle bekannter YouTuber, die einen Shitstorm aushalten mussten und geben Verhaltenstipps für Schüler: Erstmal ruhig bleiben, wenn Hass im Netz auftaucht, die Möglichkeit prüfen, den Peiniger anzuzeigen. Wenn das nicht hilft, die Kränkung als digitale Gewalt benennen, ihr widersprechen. Dass sich das gut in Webinaren vermitteln lässt, da ist sich Medienpädagogin Susanne Rödiger sicher.

"Weil wir tatsächlich eine große Nachfrage von Schulen haben, die uns ganz gerne live im Klassenzimmer mit unseren Jugendlichen hätten. Und das Webinar war unsere erste Kompromissidee, zu sagen: Gut, das spart tatsächlich Reisekosten und gleichzeitig hat es auch den Vorteil, dass es die Medienkompetenz in der Schule auch fördert."

Cybermobbing stärker in den Unterricht bringen

Sechs Schulen haben sich bereits angemeldet, morgen startet der erste Testdurchlauf. Fünf bis 25 Schüler können an den maximal einstündigen Webinaren teilnehmen, die kostenlos sind, das Projekt wird unter anderem vom Bundesfamilienministerium gefördert.

"Online kannst du posten oder spammen, Privatsphäre achten oder missachten - du entscheidest."

Damit die Entscheidung richtig gefällt wird, sollte Cybermobbing auch in der Schule stärker in den Unterricht eingebaut werden, findet Martin Schmidt. Das Konzept, dass Jugendliche und nicht er als älteres Semester Schüler über die Gefahren des Internets aufklären, findet der Pädagoge gut:

"Dass die, wenn die von mir etwas nicht annehmen - das ist häufig der Fall als Lehrer, dass das dann nicht so wirkungsvoll rüber kommt bei den Kindern - ist das eine gute Idee, weil das Gleichaltrige oder Jugendliche sind, die die Erfahrungen mitbringen und wenn man da dann mal einen Kontakt aufbaut: Kann nicht verkehrt sein."

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