Forschung aktuell / Archiv /

 

Die Angst der Fliege vor dem Tod

Biologen untersuchen die Jagtechnik von Libellen

Von Michael Stang

Libellen sind perfekte Jäger.
Libellen sind perfekte Jäger. (Jan-Martin Altgeld)

Libellen sind wahre Flugkünstler. Sie können steil nach oben und unten fliegen, in der Luft schweben und plötzlich wieder verschwinden. Um satt zu werden, müssen sie täglich etwa 250 Taufliegen erbeuten. Wie genau die Tiere das machen, haben US-Forscher untersucht - mit Hochgeschwindigkeitskameras.

Eigentlich besteht fast der ganze Kopf von Libellen aus Augen, so Stacey Combes. Die Biomechanikerin von der Harvard University in Massachusetts zufolge können Libellen fast im 360 Grad Winkel ihre Umgebung beobachten. Diese Insekten besitzen zwei Flügelpaare, die gemeinsam oder einzeln schlagen können; eine perfekte Anpassung an das Leben als Jäger, die ihre Beute ausschließlich in der Luft schlagen.

"Ich habe relativ große Libellen untersucht, die meist auf kleinen Stöcken in Wassernähe auf Beute warten. Fliegt ein Tierchen vorbei, heben sie kurz ab, fangen ihre Beute, indem sie ihre Vorderextremitäten wie einen Fangkorb benutzen und verschlingen sie sofort. Das Ganze dauert nicht einmal ein halbe Sekunde."

Dieses Beuteschlagen ist kein Lernprozess, sondern hat sich im Laufe der Evolution entwickelt. Schlüpfen Libellen als Larven, trocknen sie binnen einer Stunde und gehen danach sofort auf die Jagd. Wie effektiv dieses Beutefangen ist, wollte Stacey Combes untersuchen.

"Da Libellen leider nicht dazu zu bewegen sind, Beute im Labor zu fangen, weil ihnen die Lichtverhältnisse nicht zusagen, mussten wir eine Zwischenlösung in Form eines Freilandlabors bauen. Wir haben also draußen eine Art Freiraumgehege für Libellen gebastelt, mit Miniteich und vielen Pflanzen. Dann haben wir einige frei lebende Tiere gefangen und dort reingesetzt."

Das Gehege ist rund 50 Quadratmeter groß und mehr als viereinhalb Meter hoch. In dieses Freilandlabor montierten Stacey Combes und ihre Kollegen acht Hochgeschwindigkeitskameras. Zwei Libellenarten wurden anschließend mehrere Wochen hinweg bei ihren Jagdflügen gefilmt.

"Wir haben von jeder Libelle rund 50 Fangversuche gefilmt und sie waren allesamt sehr erfolgreich. Wir haben rund 5000 Beutezüge aufgenommen und die Erfolgsrate lag bei einer Art bei 86, bei der anderen sogar bei 92 Prozent, das sind also ziemlich gute Jäger."

Beim Anflug an die Beute kommen die Libellen von unten und schaufeln die Fliege blitzschnell mit ihren Vorderextremitäten in Richtung Maul. 30 Fliegen hätten die Libellen oft in einer halben Stunde gefangen, am Tag kommen die fliegenden Jäger auf 250 Taufliegen. Zwar erstaunen die vielen Beutezüge, aber eine kleine, dafür sichere Beute ist energetisch betrachtet kostengünstiger als eine große, die häufiger entwischt.

"Wir haben herausgefunden, dass Libellen wesentlich besser fliegen können als ihre Beute. Die Taufliegen versuchen aber auszuweichen und ändern permanent die Flugrichtung, manchmal zehn Mal pro Sekunde. Wir haben es aber nur selten gesehen, dass eine Libelle ihre Beute verpasst hat. Und dies geschah immer nur dann, wenn die Taufliegen zufällig die Flugrichtung änderten."

Die beste Methode für eine Fliege, um einer Libelle zu entkommen, so Stacey Combes, sei ein möglichst schneller Flug mit vielen Wechseln. Aber dies kostet die Beute viel Energie und macht die Taufliegen schnell müde. Am Ende gewinnt dann doch meist die Libelle.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Forschung Aktuell

Fliegen-Genetik Der Apfel fällt doch weit vom Stamm

Fliegeneier in einer Dose

Forscher aus Sydney haben bei einer australischen Fliegenart eine mehr als ungewöhnliche Eigenschaft in der Fortpflanzung entdeckt: Offenbar kann ein früherer Sexualpartner die Entwicklung der Eier eines Weibchens beeinflussen - auch wenn seine Samen die Eier gar nicht befruchtet haben. Eigentlich schließt die moderne Genetik solche Mechanismen aus.

Missglückte Rettung im Rückblick Missglückte Rettung im Rückblick

Ebola-AusbruchWissenschaftler haben Mühe mit der Rekonstruktion

Verschiedene Flughunde drängen sich um Obst.

Die Ebola-Epidemie spielt auch auf der Zoonosen-Tagung in Berlin eine Rolle. Dort beschäftigt man sich mit Krankheiten, die von Tieren auf Menschen überspringen. Bei dem in Westafrika grassierenden Virus waren vermutlich Flughunde beteiligt. Doch eine verlässliche Rekonstruktion des Weges fällt den Experten inzwischen schwer.