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StartseiteComputer und KommunikationDie Bank auf der Sim-Karte04.02.2012

Die Bank auf der Sim-Karte

Mobilfunkanbieter werden an Handy-Bezahlverfahren wohl nicht mitverdienen

Kreditkarten, die mit der sogenannten Near Field Communication (NFC) ausgestattet sind, müssen zum Bezahlen nur an ein Lesegerät gehalten werden. Mit dieser Technik könnte auch das Zahlen per Handy funktionieren. Was allerdings den Einzug der NFC-Chips in die Smartphones blockiert, erläutert Wissenschaftsjournalist Thomas Reintjes im Interview mit Manfred Kloiber.

Um Kreditkarten oder Kontodaten mit der SIM-Karte zu verheiraten, müssen beide zusammenspielen - Banken und Mobilfunkanbieter.  (Jan-Martin Altgeld)
Um Kreditkarten oder Kontodaten mit der SIM-Karte zu verheiraten, müssen beide zusammenspielen - Banken und Mobilfunkanbieter. (Jan-Martin Altgeld)

Manfred Kloiber: Die Ideen für mobiles Bezahlen sind also groß, allein es geschieht nicht in Deutschland. Vielleicht liegt es ja an der technischen Basis. Denn die Handys müssen für die Zahlfunktion neben GSM, UMTS, LTE Bluetooth oder W-LAN noch einen weiteren Funkstandard vorhalten, nämlich NFC – Near Field Communication. Das ist eine Art extremer Kurzstreckenfunk. Und die NFC-Technik steckt meist in den kontaktlosen Kreditkarten. Dann reicht es, zum Bezahlen die Karte gegen ein Lesegerät zu halten. Soll das auch so bei dem Handybezahlen funktionieren, gibt es eine Vorraussetzung – nämlich dass die Mobiltelefone NFC können. Thomas Reintjes, ist das eigentlich das größte technische Problem?

Thomas Reintjes: Das größte technische Problem ist, dass es einfach zu wenige NFC-Smartphones derzeit auf dem Markt gibt. Das ist der zweite Grund gewesen, warum auf der Konferenz MCTA ja eine gewisse Nervosität herrschte. Denn die Anbieter, die bereits so weit sind, die auf diese Technik vorbereitet sind, warten darauf, dass endlich diese Endgeräte auf den Markt kommen. Denn bisher ist es so: Genau wie bei den mobilen Bezahlverfahren selbst – da heißt es immer: nächstes Jahr kommen sie auf den Markt – aber das heißt es eben schon seit Jahren immer, nächstes Jahr. Allerdings muss man auch sagen, es gibt auch Lösungen, die ohne NFC funktionieren und auch ohne NFC könnten ja Banken, Mobilfunkanbieter und der Handel in Deutschland innovativer sein, als sie es jetzt sind.

Kloiber: Trotzdem gibt es ja viele Pilottests, die beispielsweise Banken in Zusammenarbeit mit den Mobilfunkunternehmen mit solchen NFC-Handys machen. Wie spielen denn diese beiden Parteien zusammen?

Reintjes: Die Bank auf der einen Seite hat ja das Bezahlprodukt – das Konto des Kunden, die Bank gibt Kreditkarten heraus. Und der Mobilfunkanbieter hat eben die drahtlose Schnittstelle ins Internet und er hat die SIM-Karte in der Hand sozusagen. Und die SIM-Karte ist in dem Zusammenhang wichtig, einfach um mehr Sicherheit zu erreichen. Eine Bank könnte natürlich auch einfach eine App aufs Smartphone bringen, mit der man dann bezahlen kann. Aber wenn man die SIM-Karte in den Prozess einbindet, ist das ein Sicherheitsfeature. Das gibt einfach eine bessere Authentifikation des Kunden, das Missbrauchsrisiko sinkt. Und die Bindung des NFC-Chips an sie SIM-Karte macht Manipulationen einfach schwieriger. Um also Kreditkarten oder Kontodaten mit der SIM-Karte zu verheiraten, müssen beide zusammenspielen, Banken und Mobilfunkanbieter.

Kloiber: Wahrscheinlich geht das nicht immer ohne Reibung. Wo sind die Reibungspunkte?

Reintjes: Beim Geld natürlich. Mobilfunkanbieter möchten sich den Zugriff auf die SIM-Karte bezahlen lassen. Dabei denken sie an eine Umsatzbeteiligung bei jedem Einkauf, den man mit seinem Handy bezahlt. Auf der Konferenz MCTA habe ich dazu mit dem Marktanalysten John Strand gesprochen, und er sagte, diese Erwartung der Mobilfunkanbieter sei komplett unrealistisch. In vielen Branchen, zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel, seien die Margen so gering, dass die Händler eben nicht neben der Gebühr für den Bezahldienstleister, die sie jetzt schon zahlen, auch noch eine Zusatzgebühr für den Mobilfunkanbieter zahlen könnten. Und auf die Kunden kann man das auch nicht abwälzen. Auch die wären nicht dazu zu bewegen, diese Gebühr zu bezahlen.

Kloiber: Vorausgesetzt man sagt, die Mobilfunkanbieter müssen für ihren Aufwand entschädigt werden, wie könnten sie denn?

Reintjes: Das könnte über einen indirekten Weg laufen. Ihnen wird sicherlich nicht direkt Geld zufließen, sagt auch der Analyst John Strand, aber die Integration der Banken in die SIM-Karte könnte den Mobilfunkanbietern auch dann etwas bringen, wenn sie das Ganze kostenlos anbieten. Sie könnten nämlich anderweitig profitieren, nämlich indem sie dadurch die Wechselbereitschaft der Mobilfunkkunden senken. Wenn man einmal seine Kreditkarte sozusagen in die SIM-Karte integriert hat, dann ist man vielleicht nicht mehr so schnell bereits, eine andere SIM-Karte in sein Handy zu stecken und den Mobilfunkanbieter zu wechseln. Und dadurch steigt die Kundenbindung an den Mobilfunkanbieter. Und das könnte letztlich dazu führen, dass die Mobilfunkanbieter der einzige große Gewinner von NFC-Bezahltechnik im Handy sind. Denn die Banken machen dadurch nicht unbedingt mehr Umsatz.

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