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StartseiteInterview"Die Beziehungen scheinen auf einem sehr guten Wege"03.03.2010

"Die Beziehungen scheinen auf einem sehr guten Wege"

Grünhelm-Chef über die Situation Ruandas

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat bei seinem Ruanda-Besuch erklärt, Frankreich habe während der Zeit des Völkermords 1994 Fehler gemacht. Rupert Neudeck, Chef der Hilfsorganisation "Grünhelme", wertet dieses Eingeständnis als großen Gewinn. Ruanda sei ein Erfolgsland in wirtschaftlicher Hinsicht geworden.

Rupert Neudeck im Gespräch mit Jürgen Liminski

Der Grünhelm-Geschäftsführer Rupert Neudeck.  (AP)
Der Grünhelm-Geschäftsführer Rupert Neudeck. (AP)

Jürgen Liminski: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat bei seinem Besuch in Ruanda vor einigen Tagen Aufsehen erregt. Er räumte Fehler Frankreichs ein während des Völkermords - eine Wende in der französischen Afrika-Politik. In Ruanda steht auf einem der 1000 Hügel Rupert Neudeck, Chef der Hilfsorganisation "Grünhelme". Guten Morgen, Herr Neudeck!

Rupert Neudeck: Guten Morgen, Herr Liminski!

Liminski: Herr Neudeck, wie war das Echo der Ruander auf diese unerhörte Begebenheit, dass ein französischer Präsident Fehler Frankreichs eingesteht?

Neudeck: Ich glaube, das war eine ganz entscheidende Situation für die Zukunft Ostafrikas. Hier dieses Land ist ein Erfolgsland in wirtschaftlicher Hinsicht geworden und Präsident Sarkozy war der erste französische Präsident seit 25 Jahren und der erste seit dem Völkermord 1994, der dieses Land besucht hat, nachdem 2006 sogar die diplomatischen Beziehungen abgebrochen wurden, und ich denke, es war ein großer Erfolg und die Ruander haben das sehr genossen, dass Frankreich Fehler eingesehen hat, die dazu geführt haben, dass dieser furchtbare Völkermord stattfand. Sarkozy ist dann auch in dem Völkermord-Museum gewesen, hat auch nicht nur die diplomatischen Beziehungen aufgenommen, sondern auch das französische Kulturinstitut wieder in Kraft gesetzt. Also die Beziehungen scheinen, auf einem sehr guten Wege wieder zu sein, und das ist für die Region eine gute Nachricht.

Liminski: Wie wird denn diese Intervention eingeschätzt vor dem Hintergrund, dass die Großmächte, die USA und China vor allem, in der an Bodenschätzen so reichen Region um Einfluss buhlen? Kommt Europa sozusagen wieder ins Spiel?

Neudeck: Das ist, glaube ich, der entscheidende Hintergrund dieser Aktion von Sarkozy, dass er gesehen hat, wir kommen mit dem alten französischen Afrika nicht mehr weiter. Er war vorher in Dargun, dem Ölstaat, und ich denke, es tobt in Afrika insgesamt ein Kampf zwischen dem neuen Giganten China und dem alten Europa und Europa muss sich wahnsinnig anstrengen, weil die Chinesen sind in einer Weise flexibel und beweglich, dass sie eigentlich in dem ganzen Kontinent unabhängig von den Schwierigkeiten Afrikas überall ihre Fühler ausstrecken und wie wahnsinnig investieren. Europa muss wirklich hier etwas bringen, und das war auch eine der Maßnahmen, eine der Aktionen, die Sarkozy hier angekündigt hat.

Liminski: Wie ist denn in diesem Kontext das Bild der Deutschen in dieser Region zu bewerten?

Neudeck: Deutschland hat in dieser Region noch nicht verstanden, dass es mit einer Staatengruppe Afrikas besondere privilegierte Beziehungen aufnehmen muss und nicht mehr mit der Gießkanne wie in der Zeit des Kalten Krieges über den ganzen Kontinent gehen muss. Das hat die deutsche Entwicklungspolitik noch nicht verstanden. Es würde sich anbieten, in dieser Region, von der aus ich gerade mit Ihnen telefoniere, diese Schwerpunkte zu setzen, denn die Länder Uganda, Tansania, Kenia und Ruanda, die sind wahrscheinlich ganz besonders auf Deutschland und deutsche Politik gebucht und würden sich unheimlich freuen, wenn die deutsche Entwicklungspolitik mit dieser Region privilegierte, große, Freundschafts- und Partnerschaftsbeziehungen einnimmt. Das ist aber noch nicht geschehen. Scherzhafterweise hat man mal gesagt, zur Zeit von Franz-Josef Strauß gab es eine bayerische Afrika-Politik, aber wir haben bis heute noch nicht die große deutsche Afrika-Politik, die aber ganz dringend benötigt wird, denn dieser Kontinent hat immer noch keinen Anschluss an den globalisierten Weltmarkt, braucht diesen Anschluss aber ganz dringend. Deutschland und die deutsche Industrie und die deutsche Wirtschaft könnten dabei sehr behilflich sein.

Liminski: Warten auf die Deutschen, warten auf die Europäer und Balsam auf die Wunden einer Kriegsregion. Das war aus Ruanda der Chef der "Grünhelme", Rupert Neudeck. Besten Dank für das Gespräch, Herr Neudeck.

Neudeck: Danke auch!

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