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StartseiteCampus & KarriereDie "Bibliothek des Jahres"24.10.2006

Die "Bibliothek des Jahres"

Die Uni-Bibliothek in Cottbus ist nicht nur ein architektonisches Juwel

Der Deutsche Bibliotheksverband und die ZEIT-Stiftung verleihen den Preis "Bibliothek des Jahres 2006". Die 30.000 Euro gehen in diesem Jahr ins brandenburgische Cottbus. Die dortige Bibliothek der Technischen Universität - ein Neubau des renommierten Architektenbüros Herzog & de Meuron - ist herausragend. Architektonisch, aber auch konzeptionell.

Von Claudia van Laak

Das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) in Cottbus (IKMZ Cottbus)
Das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) in Cottbus (IKMZ Cottbus)

Der erste Blick ist verstörend. Auf einem Hügel erhebt sich ein gläsernes, bläulich schimmerndes Etwas, das an eine überdimensionale Amöbe erinnert. Vorne und hinten sind nicht zu unterscheiden, der Eingang auf den ersten Blick nicht zu erkennen.
Die Unibibliothek Cottbus, kurz IKMZ - Informations- Kommunikations- und Medienzentrum.

Die äußere Form ungewöhnlich, aber farblich neutral. Betritt man das Foyer, schreit es den Besucherinnen und Besuchern geradezu entgegen: große Farbflächen in quietschgrün, magenta, knallrot.

"Das ist schon ein bisschen Erlebnisarchitektur, keine Frage. Und es ist auch völlig klar, dass man an bestimmten Stellen bewusst gegen Konventionen des Bibliotheksbaus oder des Baus von Serviceeinrichtungen verstoßen wollte."

Andreas Degkwitz leitet die Unibibliothek, führt durch das siebenstöckige Gebäude.

Der Blick vom Aussichtspunkt - der Spitze der großzügigen Wendeltreppe - hinunter in den Keller macht deutlich, was Andreas Degkwitz meint, wenn er von einer Architekturplastik spricht.

"Hier ist der Aussichtspunkt, sieht man hinunter in diese Spirale, sieben Stockwerke. Sieht schon poppig aus, magenta und grün. Diese Sicht herunter ist schon eindrucksvoll."

Eindrucksvoll, benutzerfreundlich und durchdacht. 700 Arbeits- und Leseplätze stehen den 5000 Studierenden, den Uni-Mitarbeitern und den Cottbussern zur Verfügung. Kein Gedränge, keine Wartezeiten wie in Bibliotheken von Massenuniversitäten. Statt eines großen Lesesaals, in dem andächtige Stille herrschen muss, kleine und große Lesebereiche, in denen auch in Gruppen gearbeitet werden kann. Andreas Degkwitz senkt seine Stimme. Hier und da sitzen zwei, drei Studierende um einen Laptop herum.

"Diese Lesebereiche, die kreisen um den farbigen Kern des Hauses. Das Gebäude ist funkvernetzt und an vielen Tischen gibt es auch eine Festnetz-Verkabelung."

Die Jury des Deutschen Bibliothekspreises hat die Unibibliothek natürlich für ihre spektakuläre Architektur ausgezeichnet, aber auch für das nutzerfreundliche Konzept. Studierende und Schüler werden regelmäßig geschult. Die Bibliothek wird immer mehr ein Ort computergestützten Lernens. Ein besonderes E-Learning-Konzept ist in Arbeit, das alle Angebote der TU vernetzt. Wir haben den Preis verdient - sagen die Studierenden.

"Auf alle Fälle, nicht nur architektonisch, auch vom Angebot her, auf alle Fälle.

Allein schon wegen dem Design, viele finden´s ja merkwürdig, dass man nicht weiß wo hinten und vorn ist, aber ich find´s gut, wirklich schön gemacht.

Auf jeden Fall, weil´s technisch gut ausgestattet ist, gutes Angebot, Bücher, Zeitschriften, und man muß nie anstehen, wenn man was ausleihen möchte."

Seit Neueröffnung der Bibliothek hat sich die Zahl der nicht-akademischen Nutzer verdreifacht – nicht selbstverständlich. Einer von ihnen ist Felix Sandow. Der 16jährige Telekom-Lehrling steht vor einem Regal mit Psychologie-Literatur. Leider hat´s für ein Studium nicht gereicht, sagt er, deshalb bin ich in meiner Freizeit hier.

"Mit gefällt die Bibliothek hier sehr gut, weil hier alles gut geordnet ist, man findet alles, was man braucht. Ich selber bin hier in der Psychologieabteilung, weil ich mich sehr dafür interessiere. "

Der Preis "Beste Bibliothek des Jahres" ist auch eine Ermutigung für die Region. Die Arbeitslosigkeit in der Lausitz ist anhaltend hoch, die TU Cottbus sucht händeringend Studenten, die Abwanderung von qualifizierten jungen Leuten hält an. Bibliotheksleiter Andreas Degkwitz.

"Wenn in solchen Regionen dann gar nichts mehr passiert, außer dass sich die kritische Situation fortschreibt, dann ist es ja auch schlecht. Insofern hat es die Funktion eines Hoffnungsträgers und Leuchtturms. "

Jemand hat in das Besucherbuch geschrieben: "Schaffen Sie doch bitte das Sozialgesetzbuch II an. Die hohe Arbeitslosenquote spricht für die Anschaffung, auch wir haben ein Recht auf Bildung."

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