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StartseiteThemen der WocheDie DDR mauerte sich ein13.08.2011

Die DDR mauerte sich ein

Die Berliner Mauer geriet zum Kainsmal der SED-Diktatur

Die Mauer in Berlin, deren Errichtung heute vor 50 Jahren begann, ist Geschichte – Geschichte, die allerdings bis in die Gegenwart kontrovers diskutiert wird.

Von Karl Wilhelm Fricke, ehemaliger Leiter der Ost-West-Redaktion des Deutschlandfunks

Ein von den Westberliner Behörden an der Sektorengrenze zu Ostberlin aufgestelltes Schild erinnert an die Aussage des DDR-Staatschefs Walter Ulbricht: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!". (picture alliance / dpa)
Ein von den Westberliner Behörden an der Sektorengrenze zu Ostberlin aufgestelltes Schild erinnert an die Aussage des DDR-Staatschefs Walter Ulbricht: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!". (picture alliance / dpa)
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50 Jahre Berliner Mauerbau

Provozierend zumal in der Linken. Schuldgefühl soll verdrängt werden. Eine irritierende Erfahrung. Irritierend deshalb, weil das Urteil über die Mauer in den 28 Jahren ihrer Existenz eigentlich unumstritten war. Denn mehrheitlich war es politischer Konsens, dass sie einem permanenten Offenbarungseid der SED gleichkam, einer Demonstration aus Beton und Stacheldraht für das Versagen des DDR-Sozialismus als System.

Die Machthaber in Ostberlin zogen sich zu ihrer Rechtfertigung auf das Argument zurück, die Mauer habe zur inneren Festigung ihrer Herrschaft geführt und die äußere, die internationale Anerkennung der DDR befördert.

Aber hat sie im historischen Rückblick dem Regime wirklich genutzt? Die Frage stellen heißt sie beantworten. Gewiss wurde der Strom derer, die den ungeliebten Staat verlassen wollten, nachhaltig eingedämmt, und insofern schien die Mauer - von der SED absurderweise antifaschistischer Schutzwall geheißen - aus ihrer Sicht politisch zweckdienlich, aber um welchen Preis!

Berlin – eine widernatürlich zerteilte Metropole! Familien wurden mit brutaler Rücksichtslosigkeit auseinandergerissen. Und Hunderte Menschen mussten an der Mauer sterben, meist erschossen – unbewaffnete Flüchtlinge wie Günter Litfin, das erste Opfer oder Chris Geffroy, der letzte Mauer-Tote.

"Grenzverletzer" waren zu vernichten – so lautete jahrelang die Vergatterungsformel für die Posten am Stacheldraht. Das Leid, das mit der Mauer über viele Menschen kam, geschah auf Befehl.

Zwar hat sich die DDR-Wirtschaft dank der Abriegelung aller Fluchtwege nach dem 13. August zeitweilig konsolidiert, für die Ostberliner Planer war das Arbeitskräftepotenzial eine berechenbare Größe geworden, aber ihre systembedingten Schwierigkeiten wurden nicht aufgehoben. Schließlich waren kapitalistische Milliardenkredite nötig, um ihren Zusammenbruch hinauszuschieben. In der Endzeit hat die Verschuldung der DDR ihre politische Krise verschärft.

Der Staat der SED hat innere Stabilität nie erreicht. Trotz Mauer. Sie geriet zum Kainsmal der zweiten deutschen Diktatur. Selbst Nikita Chruschtschow, neben Walter Ulbricht der für ihren Bau politisch Hauptverantwortliche, äußerte später gegenüber Hans Kroll, dem Bonner Botschafter in Moskau – Zitat: "Ich weiß, die Mauer ist eine hässliche Sache".

Die Macht der SED blieb ohne demokratisches Mandat. Hier liegt die tiefere historische Ursache des 9. November 1989, der spontanen Mauer-Öffnung, die das Ende der deutschen Teilung einleitete. 50 Jahre nach dem 13. August ist dies alles zwar Vergangenheit, ihre dem Gedenken der Opfer angemessene Deutung aber behielt bis heute geschichtspolitische Aktualität.

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