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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie dunkle Seite der Computerindustrie15.12.2008

Die dunkle Seite der Computerindustrie

"Weed" zu Arbeitsbedingungen in China im Schatten der Finanzkrise

China hat seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO gewaltige Export-Erfolge erreicht und sich zur Werkbank der Welt gewandelt. Aber nicht mehr nur für einfache Produkte. Immer mehr hochwertige Waren wie Computer kommen aus China. Was das für die Arbeiter und vor allem Arbeiterinnen in China bedeutet, das hat die Menschenrechtsorganisation "Weed" in Berlin öffentlich gemacht.

Von Philip Banse

Besonders in China werden Computer oder ihre Bestandteile  nicht immer unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt.  (Stock.XCHNG / Elena Buetler)
Besonders in China werden Computer oder ihre Bestandteile nicht immer unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt. (Stock.XCHNG / Elena Buetler)

Die Menschenrechtsorganisation Sacom aus Hongkong hat zwei große Fabriken in Guangdong in Südchina untersucht. In diesen Fabriken werden Elektroteile für Computer verschiedener globaler Computer-Marken hergestellt, Fujitsu-Siemens kauft dort bei einem der untersuchten Zulieferbetriebe ein, auch Dell und Lenovo sollen Kunden sein. Ein halbes Jahr lang haben Mitarbeiter der Organisation Sacom 45 Arbeiter aus diesen beiden Fabriken in Südchina befragt zu Löhnen, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten. Die Interviews fanden vor dem Betriebsgelände, die Hallen selber haben Sacom-Mitarbeiter nie gesehen. Jenny Chan, Vorsitzende von der Arbeitsrechtsorganisation Sacom zum Ergebnis:

"Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht. Die Arbeiter sind zum Teil unterbezahlt, was auch in China illegal ist. Diese Fabriken haben sich auch auf bestimmte Elektroteile spezialisiert, bei deren Produktion sehr viele ätzende Chemikalien eingesetzt werden. Es gibt massive Probleme mit der Arbeitssicherheit und der Gesundheit. Arbeiter haben Allergien, Kopfschmerzen, sie können nicht richtig atmen am Arbeitsplatz wegen der schlechten Lüftung und der Chemikalien, die verwendet werden."

Arbeiter müssten bis zu 70 Stunden in der Woche arbeiten, Überstunden würden erzwungen, so der Sacom-Bericht. Zudem würden Arbeitsverträge nicht ausgehändigt und der Mindestlohn von umgerechnet 78 Euro pro Monat würde oftmals nicht gezahlt:

"Wir appellieren an die Computerhersteller, verantwortlich zu handeln, wenn sie in diesen untersuchten Zuliefer-Fabriken einkaufen. Sie sollten nicht nur auf schnellere Lieferzeiten und niedrigere Preise drängen und die Arbeitskosten senken. PC-Hersteller müssen auch diese Arbeitnehmer-Probleme ansprechen, die sehr tief in ihrem Zuliefersystem verankert sind."

Sacom hat den Bericht an zahlreiche Computerhersteller geschickt, sagt Jenny Chan, Vorsitzende von der Arbeitsrechtsorganisation:

"Wir sind etwas enttäuscht von Nokia, Apple und Motorola, die nicht reagiert haben. Sie kaufen ihre Teile zwar nicht direkt in den untersuchten Fabriken, aber am Ende der Lieferkette verkaufen sie doch Teile aus diesen Fabriken in ihren Handys und MP3-Player."

In der Kürze der Zeit heute Vormittag konnte ich nicht alle Beschuldigten anrufen. Ich musste mich auf beide Hauptabnehmer der untersuchten Fabriken beschränken. Dell und Fujitsu-Siemens. Der Dell-Sprecher hat nicht mehr rechtzeitig zurückgerufen. Judith Raddatz, Sprecherin von Fujitsu-Siemens sagte, sie habe die Feldstudie von Sacom erhalten und nehme die Ergebnisse sehr ernst. Fujitsu-Siemens habe beim Mutter-Konzern von Excelsior Electronics, einem der beanstandeten Zulieferer, um Stellungnahme geben und nachdrücklich auf Einhaltung der Menschenrechte gedrängt, man warte auf Antwort. FSC mache mit einigen Zulieferern ein Audit mit Blick auf Arbeitsbedingungen. Excelsior Electronics sei nicht Teil des letzten Audits gewesen, werde aber "ganz sicher" vom nächsten Audit erfasst, das im April/Mai stattfinden solle.

Was können Menschen in Deutschland tun. Florian Butollo von der Menschenrechtsorganisation Weed, sagte, vor allem öffentliche Institutionen, Ämter, Hochschulen und Behörden müssten beim Computer-Kauf mehr auf soziale Standards achten:

"Öffentliche Einrichtungen beziehen ein Fünftel aller IT-Produkte in Deutschland und haben daher eine sehr große Marktmacht und können daher auch Anforderungen an ihre Produkte formulieren, die Privatkunden so einfach nicht formulieren können. Von daher sind wir der Meinung, dass soziale und ökologische Kriterien zum ausschlaggebenden Aspekt bei der öffentlichen Beschaffung vom IT gemacht werden sollten. Dadurch würde ein immenser Druck auf die Unternehmenden entstehen, nicht zu reden, sondern auch zu handeln."

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