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StartseiteComputer und KommunikationDie 'Elster' nistet sich ein27.11.2004

Die 'Elster' nistet sich ein

Umsatzsteuerpflichtige müssen ihre Steuererklärung ab 2005 digital einreichen

<strong>Software. - 'Moderne Zeiten erfordern moderne Methoden', so dachte auch die Finanzverwaltung. Ab dem 1.1.2005 müssen Umsatzsteuerpflichtige ihre Steuererklärung digital mit einem Programm Namens 'Elster' an das Finanzamt übermitteln. Das Problem dabei, die Software läuft bislang ausschließlich unter dem Betriebssystem Windows.</strong>

Von Max Schönherr

Steuererklärung in Zukunft bitte nur noch digital per ELSTER (dradio.de)
Steuererklärung in Zukunft bitte nur noch digital per ELSTER (dradio.de)
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Elsterformular

Die Elektronische Steuererklärung "Elster" besteht aus zwei Teilen, einem sichtbaren und einem unsichtbaren. Der für mich, den Steuerzahler, sichtbare ist eine Bildschirmmaske, in die ich z.B. meine Einkünfte eintrage, also das, was bisher auf Papier geschah. Der für mich unsichtbare Teil von Elster zieht diese Daten aus der Maske heraus und übermittelt sie per Internet an zwei Rechenzentren in Düsseldorf und München. Von dort wählt sich über eine Behördenleitung mein örtliches Finanzamt ein, holt sich die Daten ab und verbucht sie.

Die Daten sind hoch verschlüsselt, und zwar mit einer hybriden Verschlüsselung, das ist eine Kombination aus asymmetrischer und symmetrischer Verschlüsselung. Wir erfüllen damit die aktuellen Sicherheitsbedingungen vom BSI, dem Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik. Die Schlüsselbreite ist bei uns sehr groß: Der asymmetrische Schlüssel ist 2048 Bit, der symmetrische ist ein Schlüssel aus 128 Bit.

Christine Randlkofer vom Elster-Entwicklungsteam bei der Oberfinanzdirektion München. Die Finanzwissenschaftlerin mit EDV-Ausbildung hat ausgerechnet, welche Rechenpower man benötigt, um einen solchen Datenfluss zu knacken, also wieder lesbar zu machen, wenn man ihn z.B. aus Gründen der Firmenspionage abgehört und gespeichert hätte: eine Milliarde PCs, die einige Billiarden Jahre rechnen müssten.

Seit klar ist, dass Unternehmen ab kommendem Jahr ihre Steuererklärungen elektronisch abgeben müssen, stellt sich die Frage, ob die Elster-Programmierer bei aller Verschlüsselungskompetenz nicht ein wenig Betriebssystem-blind sind und noch nie von Apple Macintosh und Linux gehört haben? Denn das kostenlose Elster-Eingabeprogramm, genannt "Elster Formular", läuft nur auf Windowsrechnern. Auch ein Umstricken auf Linux und Mac ist nicht geplant. Die Webseite von Elster greift dieses Thema inzwischen auf, weicht aber aus: Es gäbe inzwischen einige – leider vorwiegend kostenpflichtige – Programme für alle Rechnerplattformen, also auch den Mac. "Elster Formular" selbst sei aber nun einmal schon einige Jahre alt und nicht der Hauptbereich der Arbeit des Elster-Teams; der Hauptbereich der Arbeit, nämlich die Datenübermittlung, sei offensiv offen für alle Betriebssysteme und Softwaren gehalten. Christine Randlkofer:

Das ist eine XML-Schnittstelle mit http-Übertragungsmöglichkeiten, verschiedene IP-Adressen, die wir da zur Verfügung stellen, wo die Daten hingesendet werden können. Also kann jedes Open Source Projekt, was sich bei uns als Softwarehersteller anmeldet, auch Open Source durchführen. Z.B. hat sich GNU bei uns gemeldet.

… also die höchste moralische Instanz für Software, deren Code frei für alle ist und keine Patente beansprucht. Es ist zu erwarten, dass sich diese Ungleichbehandlung der Betriebssysteme aufhebt, weil viele Firmen auf "Elster Formular" schon allein wegen seiner behördentypischen Sprödigkeit nicht zurückgreifen werden, sondern lieber einige Euros in Industriesoftware mit einer etwas ansprechenderen Oberfläche plus Beratungsfunktionen investieren.

Ähnlich wie das Online-Banking mit all seinem Komfort, fordert auch die elektronische Steuererklärung zunächst kräftige Investitionen vom Kunden, nämlich in einen PC, in Software, in einen Internetanschluss und in das Wissen, wie man damit umgeht. Elster wälzt somit Verantwortlichkeiten des Finanzämter auf den Steuerzahler ab. Für Christine Randlkofer überwiegt natürlich der Komfort. Ihr Traumszenario ist ...

… dass es der Steuerbürger sehr komfortabel von zu Hause aus hat, sich nur noch an seinen Rechner setzt, sich vielleicht die Daten, die er zu seiner Steuererklärung benötigt, automatisch – von den Banken die Kontobelege, von seinem Arbeitgeber die Lohnsteuerbescheinigung – alles elektronisch zusammenladen und an das Finanzamt übermitteln kann.

Das dürfte die Datenschützer interessieren. Eins muss man Elster bescheinigen: Es funktioniert. Und das ist bei Behördensoftware für Massenanwendungen keine Selbstverständlichkeit.

Mehr Information im Web unter:

www.elster.de

Dort auch: Infos über Client-Software für Windows und andere Plattformen

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