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StartseiteForschung aktuellDie Entdecker des Wunderstoffs05.10.2010

Die Entdecker des Wunderstoffs

Ein Porträt der Physik-Nobelpreisträger Andre Geim und Konstantin Novoselov

Physik.- Die beiden Physiker Andre Geim und Konstantin Novoselov bekommen den diesjährigen Nobelpreis für Physik. Ihr großes Verdienst: Die Entdeckung des Wundermaterials Graphen.

Von Klaus Herbst

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den britisch-russischen Wissenschaftler Konstantin Novoselov und an den Niederländer Andre Geim (links).  (AP)
Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den britisch-russischen Wissenschaftler Konstantin Novoselov und an den Niederländer Andre Geim (links). (AP)

Mit 52 Lebensjahrenn ist Andre Geim ein für Nobelpreisverhältnisse junger Forscher. Er wirkt alles andere als glücklich, weil er doch den ganzen Tag telefonieren müsse. Zu helfen weiß er sich mit Schwarzem Humor, den er sich im britischen Manchester in den vergangenen neun Jahren offensichtlich angeeignet hat. So viel ändere sich für ihn gar nicht, gibt der Physiker zu verstehen.

"Ich fühle mich ganz normal. Ich bin ja nun über Nacht kein Leichnam geworden. Ich bin nicht gestorben, das Leben geht weiter. Das ist einfach nur ein weiterer Preis."

Geim denkt dabei an den höher dotierten deutschen Koerber-Preis, den er vor einem Jahr bekam und der seine Forschung fördert. Er erinnert sich auch an den satirischen, alternativen IG-Nobelpreis, den er 2000 bekam, weil er es geschafft hatte, mit einem Magneten einen Frosch zum Schweben zu bringen. Die Frage, warum er nicht in Russland mit seiner großen Physikertradition forscht, sondern in Manchester, provoziert ihn, über seine deutsche Abstammung und Herkunft kritisch nachzudenken und den Mittelpunkt seines heutigen Lebens und Schaffens näher zu bestimmen.

"Zum ersten Mal wurde ich Russe genannt, als ich nach England kam. Meine Eltern sind Deutsche, mein Name ist deutsch, ich habe deutsche Vorfahren, und bis zum Alter von sechs oder sieben war Deutsch meine Muttersprache; heute beherrsche ich es nicht mehr. Ich betrachte mich als Globetrotter. Ich reise in Europa von Land zu Land. Das ist wohl wie bei einem Amerikaner, der sich frei von Bundesstaat zu Bundesstaat bewegt."

Hochschulen in Russland (wo er 1987 seinen Doktor machte), Kopenhagen, Bath und Nottingham hat er hinter sich gelassen, abgewandt hat er sich – trotz seines niederländischen Passes - vom niederländischen Hochschulwesen; es sei ihm zu hierarchisch. Gerne würde er sich jetzt mit Kollegen in Manchester, an der Freien Universität Berlin und weltweit austauschen, doch komme kaum dazu. Nun müsse er wohl den ganzen Tag telefonieren.

Geim fügt sich in die triste Realität eines Nobelpreisträgers am Tag der Bekanntgabe. Vor einer Viertelstunde wollte er noch an einer Publikation arbeiten, aber nun bleibt seine Arbeit über Graphen und Nanotechnologie liegen, ebenso wie die des noch jüngeren Physikers und Mitstreiters Konstantin Novoselov.

Dieser wurde 1974 in Nizhny Tagil (Russland) geboren, hat vor sechs Jahren in Nijmegen promoviert und besitzt die britische und russische Staatsbürgerschaft. Er dankt seinen Kollegen am Institut an der Universität Manchester und Andre Gejm. Novoselov ist genervt und denkt über seine heutige Tätigkeit als Forscher nach.

"In den vergangenen fünf Jahren hat sich meine Arbeit verändert. Was ich am liebsten mache ist: Proben präparieren, analysieren und Durchmessen. Aber heute sind es immer weniger Messungen, die ich durchführe. Leider hat sich mein Arbeitsgebiet sehr stark wegbewegt auf Präsentationen vor Kollegen und auf Kongressen."

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