Sport am Wochenende / Archiv /

 

"Die Erfüllung eines Traumes"

Vor 30 Jahren spielte erstmals eine DFB-Frauennationalelf

Von Eduard Hoffmann

Auch Bundesttrainerin Silvia Neid stand beim ersten Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft auf dem Platz
Auch Bundesttrainerin Silvia Neid stand beim ersten Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft auf dem Platz (AP - Axel Heimken)

Deutschlands Fußball-Frauen sind zweifacher Weltmeister und siebenfacher Europameister. Dreimal gewannen sie eine Olympische Bronzemedaille. Eine großartige Erfolgsgeschichte, bedenkt man, dass es erst seit 30 Jahren eine Frauenfußball-Nationalelf gibt. Am 10. November 1982 machte die DFB-Frauen-Auswahl ihr erstes offizielles Spiel.

"Und das war die Doris dann, Doris Kresimon, ja unsere Mittelstürmerin, ein schulmäßiger Spannstoß war das, das kann man wirklich also ins Lehrbuch aufnehmen, wie toll sie den Ball gedrückt hat, das war nämlich gar nicht so einfach, astrein, das erste offizielle deutsche Länderspieltor."

Es ist der Tag nach der Premiere. Von der Wohnzimmercouch aus kommentiert Fernsehreporter Fritz Danko gemeinsam mit der Co-Trainerin und Spielführerin Anne Trabant Ausschnitte vom ersten offiziellen Länderspiel einer deutschen Frauenfußball Nationalelf. 5:1 hatten die deutschen Kickerinnen tags zuvor gegen die Schweizerinnen gewonnen und großartige Werbung für ihren Sport gemacht.

"Die Schweizer haben sicherlich wacker gekämpft, aber man muss verstehen, dass wir endlich nach dieser langen Zeit des Wartens allen Männern beweisen wollten, dass Frauen auch Fußball spielen können. Und ich glaube, dass uns das zumindest ansatzweise gelungen ist."

Erst 1970 nämlich hatte der DFB sein "Damenfußball Verbot" aus dem Jahre 1955 aufgehoben. Für die Weiterentwicklung jedoch taten die Verbandsoberen so gut wie nichts. So gerieten sie in arge Verlegenheit, als eine Frauennationalelf 1981 offiziell nach Taiwan zu einem Weltturnier eingeladen wurde. Schnell reichte man die Einladung weiter an den amtierenden deutschen Meister und Pokalsieger, die SSG Bergisch-Gladbach. Der Club nahm dankend an, reiste auf eigene Kosten nach Taiwan und gewann den Weltpokal.

"Nach außen hin hieß es, das ist die Deutsche Nationalmannschaft, war natürlich für uns auch ´n schönes Gefühl."

Anne Trabant war damals Spielertrainerin bei der SSG. Nach dem internationalen Erfolg der Bergisch-Gladbacherinnen kamen die DFB-Funktionäre in Zugzwang. Zumal auch der europäische Dachverband UEFA für 1984 die erste Frauenfußball-Europameisterschaft plante.

"Ja, und da wurde ich angesprochen, ob ich bereit bin, die Nationalmannschaft mit aufzubauen, bekam dann also ´n Vertrag als Honorartrainerin beim DFB, als Co-Trainerin sozusagen, und der Herr Bisanz übernahm die Leitung, weil ich zu dem Zeitpunkt noch keine A-Lizenz hatte."

Und weil die Herren im DFB-Vorstand keine Trainerin haben wollten. Gero Bisanz, damals Leiter der DFB-Trainerausbildung und Dozent an der Sporthochschule in Köln, zögerte zunächst. Er unterrichtete zwar auch Studentinnen, hatte aber bis zu seiner Bestimmung als Bundestrainer der "Damen" durch DFB-Chef Hermann Neuberger noch kein einziges Frauenfußballspiel gesehen.

"Jupp Derwall kam dann auch zu mir, als es etwas länger dauerte, so meine Überlegungen, und sagte, hör mal, der Präsident möchte, dass du das machst. Dann sagte ich, na gut, dann mach ich das mal. Ich weiß zwar nicht wie, aber ich versuche das."

Nach mehreren Sichtungs- und Vorbereitungslehrgängen, die Gero Bisanz gemeinsam mit Anne Trabant abhält, läuft dann am 10. November 1982 die DFB-Frauennationalelf zu ihrem ersten Länderspiel auf. Gegner im Koblenzer Oberwerth-Stadion ist die Schweiz, deren Frauen-Auswahl schon über ein Jahrzehnt besteht.

"”Als ich vor dem Spiel in die Kabine ging, traf ich eine ehemalige Spielerin von Wörrstadt wieder und die sprach mich dann an und meinte, Mensch jetzt erfüllt sich endlich unser Traum, also da muss ich sagen, standen mir wirklich die Tränen in den Augen.""

In der Startelf stehen neben acht erfahrenen Spielerinnen aus Bergisch-Gladbach auch junge Talente, wie die erst 17-jährige Birgit Bormann vom SC Bad-Neuenahr oder die heutige Bundestrainerin Silvia Neid. Die damals 18-jährige schießt nach ihrer Einwechslung gleich zwei der fünf Tore.

"Hier hat sie ihren ersten Ballkontakt und macht dann sofort das dritte Tor, ooch, war das schön, der passte doch genau."

Unter den 5.000 begeisterten Zuschauern ist viel Fußball-Prominenz, unter anderem Bundestrainer Jupp Derwall. Vor den zahlreichen Journalisten möchte auch er seine jahrelange Ablehnung des Frauenfußballs vergessen machen.

"Ich habe damals gedacht, das ist so eine Modewelle der Damen, nach Maxi kommt Mini, und ich habe natürlich nicht geglaubt, dass der Damenfußball sich so entwickeln würde, wie wir das heute sehen."

Förderung erfährt der Frauenfußball vom DFB aber erst nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1989. Von da an ist es dann auch vor allem die Nationalelf, die mit ihren zahlreichen Erfolgen die rasante Entwicklung des Mädchen- und Frauenfußballs in Deutschland vorantreibt.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Sport aktuell

NachrufViktor Tichonov gestorben

Die sowjetische Nationalmannschaft hat am 28.04.1986 bei den 52. Eishockey-Weltmeisterschaften in Moskau für ein Gruppenfoto Aufstellung genommen: Untere Reihe v.l.n.r.: Jewgeni Beloscheikin, Andrei Chomutow, Sergei Makarow, Alexei Kasatonow, Cheftrainer Viktor Tichonov, Trainer Wladimir Jurzinow, Spielführer Wjatscheslaw Fetisow, Wladimir Krutow, Igor Larionow und Torhüter Sergei Mylnikow. Obere Reihe v.l.n.r.: Sinatulla Biljaletdinow, Viktor Tjumenew, Sergei Starikow, Alexei Kamenski, Sergei Jaschin, Sergei Swetlow, Anatoli Semjonow, Alexei Gusarow, Igor Stelnow, Michail Warnakow, Sergei Ageikin, Wassili Perwuchin, Juri Chmylew, Wladimir Konstantinow, Jewgeni Dawidow, Wjatscheslaw Bykow.

Er ist eine Legende: Viktor Tichonov, langjähriger Trainer der sowjetischen Eishockeymannschaft. Unter seiner Führung wurde die Sbornaja zwischen 1978 und 1992 achtmal Weltmeister und dreimal Olympiasieger. Am Montag ist er in Moskau gestorben.

Handball-WM 2015 in KatarIsland und Saudi-Arabien als Nachrücker bestimmt

Leon Kalin, Mitorganisator der Handball-Weltmeisterschaft in Katar 2015 von der Internationalen Handball-Föderation (IHF), hält ein Los mit dem Namen von Katar bei der Ziehung der Spielpaarungen hoch.

In Doha, der Hauptstadt Katars, findet im nächsten Jahr die Handball-Weltmeisterschaft statt. Rund um die WM gab es schon viele Diskussionen und Irritationen - vor allem in der Frage, welche Nationen eigentlich mitspielen. Nun hat die Internationale Handball-Föderation (IHF) Island und Saudi-Arabien als Nachrücker bestimmt.

Olympique MarseillePräsident des Klubs wieder frei

Der Ex-Präsident des Erstliga-Fußballteams Olympique Marseille beantwortet einige Stunden nach seiner Freilassung aus der Haft Fragen von Journalisten.

Der Präsident und mehrere Ex-Präsidenten von Olympique Marseille sind aus der Haft entlassen worden. Insgesamt waren am Dienstag 15 Personen wegen des Vorwurfs illegaler Transferzahlungen vorläufig festgenommen worden. Anklage wurde nicht erhoben.