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Die EU ist friedenspreiswürdig

Die Europäische Union nimmt den Friedensnobelpreis entgegen

Von Annette Riedel, Büro Brüssel

Kommissionspräsident Barroso,  Ratspräsident van Rompuy und Parlamentspräsident Martin Schulz nehmen die Auszeichnung entgegen.
Kommissionspräsident Barroso, Ratspräsident van Rompuy und Parlamentspräsident Martin Schulz nehmen die Auszeichnung entgegen. (picture alliance / dpa / Heiko Junge)

Die Europäische Union hat den Friedensnobelpreis verdient. Gleichwohl muss die Europäische Union sich auch zukünftig des Preises als würdig erweisen. Sie muss sich immer aufs Neue an ihrem eigenen Anspruch messen lassen, ein Raum des Rechtes und der Demokratie zu sein.

Die Europäische Union hat den Friedensnobelpreis verdient. Die Europäische Union muss sich den Friedensnobelpreis verdienen. Beides ist richtig. Der Preis erkennt an und der Preis spornt an.

Dass die EU ganz wesentlich zur Befriedung von Europa beigetragen hat, dass sie aus Erzfeinden zumindest Partner, wenn nicht gar Freunde gemacht hat, dass sie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eine hohe integrative Kraft bei der Einigung der über Jahrzehnte auf beiden Seiten von Mauern und Stacheldraht ideologisch einbetonierten Ost-West-Blöcke gespielt hat – das alles wird niemand bestreiten können.

Das ist friedenspreiswürdig. Auch wenn das manch einem, vor allem unter denjenigen, die Jahrzehnte nach Kriegsende geborenen sind, selbstverständlich erscheint. Zu selbstverständlich gelegentlich, um es noch würdigen zu können. Das ist bedauerlich. Der Friedensnobelpreis mag erinnern, an den unschätzbaren Wert für Frieden, Freiheit und Sicherheit auf dem europäischen Kontinent durch diese friedensstiftenden und integrativen Kräfte der Union – selbst wenn das inzwischen Weisheiten sind, die fast an die sprichwörtlichen einer Binse heranreichen. Dennoch ist es so und der Preis anerkennt das. Und wir Europäer dürfen getrost schlicht stolz auf diese gemeinsame Leistung sein.

Gleichwohl muss die Europäische Union sich auch zukünftig des Preises als würdig erweisen. Sie muss sich ihres Modell-Charakters, den sie sich in weiten Teilen der Welt über die Jahrzehnte erworben hat, als würdig erweisen. Sie hat als Erfolgsmodell eine Verantwortung – sowohl nach innen, als auch nach außen.

Sie muss dieser gerecht werden, indem sie ihr Gewicht in der Welt für Frieden, Menschenrechte, nachhaltige, faire Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz verstärkt einsetzt. Tunlichst mit einer Stimme. Nicht nur beim jüngsten Klimagipfel in Doha zeigte sich, dass das noch alles Andere als selbstverständlich ist.

Da und in der Außenpolitik, aber vor allem in der aktuellen Wirtschafts-Krise wird immer wieder allzu deutlich, dass sich alles EU-Europäische schnell mit nationalen Befindlichkeiten reibt, im Zweifel von nationalen Interessen kannibalisiert wird.

Will sich die EU in den kommenden Jahren und Jahrzehnten als würdiger Friedensnobelpreisträger erweisen, muss sie mehr als die Abwesenheit von Krieg garantieren. Muss sie mehr garantieren als den freien Fluss von Waren, Menschen und Dienstleistungen.

Muss sie sich immer aufs Neue an ihrem eigenen Anspruch messen lassen, ein Raum des Rechtes und der Demokratie zu sein. Und der Solidarität. Auch dann noch, wenn das etwas kostet - oder gerade dann.

Dazu spornt der Friedensnobelpreis an.

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