• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:35 Uhr Am Sonntagmorgen

Die FIFA und ihre KritikerAlles beim Alten

Der FIFA-Kongress hat zwei neue Chef-Ethiker des Weltverbands bestätigt. Die Argumente, die die FIFA dafür vorbringe, seien noch dünner als fadenscheinig, kommentiert Matthias Frieb. Auch unter Gianni Infantino bleibe also alles beim Alten bei der FIFA. Und deshalb werde auch die Kritik nicht aufhören.

Von Matthias Friebe

Logo der FIFA vor dunklem Himmel (FABRICE COFFRINI / AFP)
FIFA-Zentrale in Zürich (FABRICE COFFRINI / AFP)
Mehr zum Thema

Mutlu (Grüne) Wahl der FIFA-Ethikkommission verstößt gegen Statuten

Neubesetzung der Ethikkommission Grüne werfen FIFA Statuten-Verstoß vor

FIFA-Ethikkommission Politisch motivierte Absetzung?

FIFA-Kongress Wegweisende Entscheidungen

FIFA Infantino setzt Kontrolleure vor die Tür

FIFA-Kongress "Die Korruptionsaffäre geht erst richtig los"

Ein leichteres Kommentarthema als die FIFA gibt es doch gar nicht. Zu günstig die vielen Gelegenheiten für bissige Spitzen Richtung Welt-Fußballverband, auch jetzt wieder. Also: alle Funktionäre in einen Sack und mit dem Knüppel kräftig drauf. Trifft auf jeden Fall den Richtigen. So einfach ist die Welt. Und damit so ungerecht der doch reformwilligen Fußballfamilie gegenüber, klagt der oberste Chef Gianni Infantino: das "FIFA-Bashing" sei in gewissen Ländern inzwischen zum Volkssport geworden. Und er geht noch weiter! In bester Donald-Trump-Manier fabuliert der Präsident über alternative Fakten und Fake News, die über die FIFA in den Umlauf gebracht würden.

Die FIFA habe sich verändert, man sei dabei einen neuen Ruf aufzubauen. Alles klar, lieber Gianni Infantino, dann nehmen wir Sie einfach beim Wort und fragen nach dem neuen Ruf. Neu kann ja auch bedeuten, es wird alles schlimmer als zuvor.

Die Argumente der FIFA sind noch dünner als fadenscheinig

In einem Handstreich hat sich der Weltfußball-Verband seiner obersten Aufseher entledigt: Cornel Borbely, der Chefermittler aus der Schweiz und Hans-Joachim Eckert, der deutsche Richter der Ethikkommission, die Herren, die unter anderem Ex-Präsident Sepp Blatter und UEFA-Boss Michel Platini aus dem Fußball-Verkehr gezogen hatten. Über 100 Verfahren sollen noch offen sein. Die könnten dann jetzt hoffentlich mal angepackt werden, so Infantino. Haben Borbely und Eckert also einfach schlampig und schlecht gearbeitet? Oder war es doch eher das Gegenteil? Waren sie vielleicht dem neuen FIFA-Boss selbst gefährlich geworden bei ihren Ermittlungen?

Jetzt also hat das FIFA-Council, die Regierung des Verbands, die Namen einfach gestrichen von der Wahlliste und stattdessen zwei bis dato in Fußballdingen Unerfahrene nominiert und schließlich gewählt. Die Argumente, die die FIFA dafür vorbringt, sind noch dünner als fadenscheinig. Nicht gemeldet und ihre Bereitschaft signalisiert, hätten die beiden Ethiker. Nachweislich falsch. Frisches Blut ist doch gut! Ja, stimmt, aber vor allem für den, der Zeit schinden will in Aufklärungsprozessen. Der Weltfußballverband sei kein deutsch-schweizerischer Verein, sondern es müsse auf mehr Kontinente verteilt werden, sagt ausgerechnet der Schweizer Präsident selber.

Bei der Wahl heute keine Spur von Protest

Wer jetzt denkt, Infantino spiele da ein schmutziges Spiel nur zu seinem Vorteil, der kann Recht haben. Zur Vollständigkeit der Geschichte gehört aber auch, dass es kein Aufbegehren dagegen gibt. DFB-Präsident Reinhard Grindel, neues Council-Mitglied, habe zwar nach eigener Aussage als einziger gegen die Entscheidung argumentiert, schließlich aber doch für die neue Wahlliste gestimmt. Seitdem glänzt er, der immer noch den ungeklärten WM 2006-Skandal mit sich rumschleppt mit seichten Ausreden. Bei der eigentlichen Wahl heute keine Spur von Protest. 188 von 194 abgegebenen Stimmen entfielen auf die neuen Kandidaten. Der DFB enthielt sich seiner Stimme. Kampf für Transparenz sieht anders aus.

Auch unter Gianni Infantino, dem Mann, der den neuen Ruf aufbauen will, bleibt also alles beim Alten bei der FIFA. Und deshalb wird auch völlig zu Recht die Kritik nicht aufhören. Volkssport hin oder her.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk